"Marsch für Gerechtigkeit" erreicht Istanbul

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Protestzug der Opposition vor Istanbul

Der "Marsch für Gerechtigkeit" des türkischen Oppositionsführers Kemal Kilicdaroglu hat nach drei Wochen Istanbul erreicht. Begleitet wurde der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei (CHP) am 23. Tag des Marschs von einer riesigen Menschenmenge, die sich über viele Kilometer am Ufer des Marmara-Meers erstreckte. Der Protestzug soll am Sonntagnachmittag mit einer Großkundgebung im Istanbuler Stadtteil Maltepe zu Ende gehen.

"Heute haben wir Istanbul betreten und ich bin sehr glücklich", sagte Kilicdaroglu. Sie hätten diesen langen Weg zurückgelegt, ohne dass ein Mensch verletzt wurde. Der Marsch werde am Sonntag enden, doch nicht die Suche nach Gerechtigkeit. Der CHP-Chef hatte den 420 Kilometer langen Marsch am 15. Juni in Ankara aus Protest gegen die Inhaftierung des CHP-Abgeordneten Enis Berberoglu begonnen.

Berberoglu war wegen eines Artikels über geheime Waffenlieferungen an islamistische Rebellen in Syrien zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Kilicdaroglu will ihn am Sonntag in seinem Istanbuler Gefängnis in Maltepe besuchen. In einer Erklärung warf Kilicdaroglu der Regierung vor, das Recht zu verletzen und der Justiz jede Unabhängigkeit genommen zu haben, während Willkür das Land regiere.

Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigte Kilicdaroglu wiederholt, mit dem Marsch "Terroristen" zu unterstützen, schritt jedoch nicht ein. Seit seinem Start schlossen sich immer mehr Menschen an. Rund 45.000 Menschen folgten Kilicdaroglu laut der CHP am Freitag. Als der Marsch ein Industriegebiet durchquerte, applaudierten viele Arbeiter von den Fenstern und Werkstoren den Demonstranten.

"Dieser Marsch hat drei Ziele", sagte Issa Agacik, der am Freitag an dem Marsch teilnahm, der seit Tagen immer größere Aufmerksamkeit in der Presse findet. "Erstens festigt Kilicdaroglu damit seinen Status als Oppositionsführer. Zweitens kehrt die CHP zum Volk zurück, wie es seine historische Mission war. Und schließlich einigt er das türkische Volk und stärkt seinen Sinn für Gerechtigkeit."