Marquardt: DTM-Saisonstart 2021 möglicherweise ohne BMW

Sven Haidinger
·Lesedauer: 4 Min.

Droht der DTM - wenn die Traditionsserie wie geplant 2021 zustande kommt - eine Saison ohne fixe Teilnahme von BMW? Das ist laut Ex-BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt, der sich in Hockenheim verabschiedete, absolut möglich. "In der Theorie kann das passieren", sagt er auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com'. "Es hängt wirklich davon ab, was bei den Gesprächen mit den Teams herauskommt, die gerade stattfinden."

Eine interessante Aussage, denn BMW hatte DTM-Boss Gerhard Berger in den Verhandlungen über den Herstellerausstieg zugesagt, dass man die DTM-Dachorganisation ITR weiterhin mit Autos unterstützen werde. Nur wann, ist die große Frage.

"BMW wird mit dem neuen M4 antreten, aber die Homologation passiert erst im Laufe des Jahres 2021", sagt Berger. "Das heißt: Es gibt eine fixe Zusage für das Jahr 2022."

BMW-Abwesenheit bei Bergers DTM-Präsentation

Ganz ausschließen will er aber vereinzelte Auftritte des M4 GT3 in der kommenden Saison nicht: Da der Bolide im September 2021 von der FIA homologiert werden soll, könne es sein, dass nächstes Jahr "doch das eine oder andere Rennen auf dem Programm steht". Ob Einsätze mit dem aktuellen GT3-Auto M6 angedacht sind, könne er nicht klar sagen: "Da hat es immer mal wieder Teamanfragen gegeben."

Auffällig war allerdings, dass bei der aufwändigen DTM-Videopräsentation des Zukunftskonzepts am vergangenen Freitag in Hockenheim zwar die GT3-Autos von Audi, Mercedes, Lamborghini und Ferrari gezeigt wurden, von BMW aber jede Spur fehlte.

Die DTM-Demorunden für 2021 mit Audi, Mercedes, Ferrari und Lamborghini

Die DTM-Demorunden für 2021 mit Audi, Mercedes, Ferrari und Lamborghini<span class="copyright">ITR</span>
Die DTM-Demorunden für 2021 mit Audi, Mercedes, Ferrari und LamborghiniITR

ITR

Auch auf der Bühne suchte man einen Vertreter der Münchner vergeblich, während Audis Kundensport-Chef Chris Reinke und Thomas Jäger von Mercedes Teil der Gesprächsrunde waren. Das sieht von der Außenwirkung nicht nach einem klaren Bekenntnis zur GT3-DTM im Jahr 2021 aus.

Marquardt: "M6 auf dem Norisring schwer vorstellbar"

Aber warum zweifelt Marquardt an einem Antreten des M6 in der kommenden Saison? "Bei der Entwicklung dieses Autos stand die Langstrecke im Fokus - und Strecken, die ganz anders sind als die Kurse, auf denen in der Regel Sprintrennen stattfinden", sagt der Ex-BMW-Motorsportdirektor.

Und spielt mit seiner Aussage darauf an, dass der M6 mit seinem langen Radstand von 2,9 Metern in schnellen Kurven wie auf der Nürburgring-Nordschleife, wo man dieses Jahr mit dem Rowe-Team das 24-Stunden-Rennen gewonnen hat, am besten funktioniert.

Auf einer Strecke wie dem Norisring mit seinen zwei Haarnadelkurven und dem Schöller-S werde der Bolide aber "Probleme haben", glaubt Marquardt. "Es fällt mir schwer, mir den M6 auf dem Norisring vorzustellen - mit den Haarnadeln und dieser kurzen Strecke", sagt er. "Das Auto wird aufgrund des aktuellen Set-ups dort ganz sicher nicht das erfolgreichste sein. Und man hat in den vergangenen Jahren gesehen, wie schnell die extrem wendigen DTM-Autos auf dem Norisring sind."

Trotz Skepsis: Marquardt verspricht Unterstützung

Auf Verbesserungen am Boliden dürfen die Teams aber nicht hoffen: "Wir werden nicht in der Lage sein, den Radstand des M6 zu ändern." Zudem habe man "immer gesagt, dass wir keine Anpassungen oder Entwicklungen mehr am M6 vornehmen werden. Dieses Auto befindet sich am Ende seiner Lebenszeit."

Daher sei BMW für die GT3-DTM "mit dem aktuellen Set-up für 2021 nicht gerade supergut aufgestellt", stellt Marquardt klar. "Aber natürlich gibt es 2022 Möglichkeiten. Und hoffentlich werden viele Teams den M4 GT3 kaufen, der hoffentlich in Zukunft ein sehr erfolgreiches GT3-Rennauto sein wird."

Aber was passiert, wenn Teams trotz der schwierigen Ausgangslage Interesse haben, den M6 GT3 einzusetzen? "Sollte ein Team mit einem M6 entscheiden, dass sie definitiv antreten wollen, dann tun wir unser Bestes, um es zu unterstützen", verspricht er. "Wir sind nach wie vor in Gesprächen, aber der Fokus des Werks liegt auf der Entwicklung des neuen Autos. Und nicht auf möglichen Bemühungen, ein Auto zu warten oder weiterzuentwickeln, das im Grunde bald aus dem Verkehr gezogen wird."

Man darf also gespannt sein, wie viele Teams wirklich mit einem M6 GT3 an den Start gehen wollen. Sollte sich der große Erfolg bei einem Zustandekommen nicht einstellen, dann hat Marquardt jedenfalls schon mal medial vorgebaut, damit ein weiteres BMW-Debakel in der DTM nicht als Verantwortung des Werks gesehen wird.

Mit Bildmaterial von SRO.