Marokko will die Kosmetikindustrie ausbauen

Die Kosmetikindustrie in Marokko hat ihren Ursprung hier im Süden des Landes, dort wo das sogenannte marokkanische Gold gewonnen wird, das Öl des Arganbaums. Die Region um Agadir im Süden des Landes ist sozusagen das Epizentrum der Argan-Öl-Gewinnung. Es handelt sich um eines der teuersten pflanzlichen Öle überhaupt. Vitaminreich und voller essenzieller Fettsäuren gilt es als das Anti-Aging-Mittel überhaupt.

Die Arganbäume sind auch ein wichtiger Erosionsschutz für die Landschaft. Darüber hinaus sind sie die Existenzgrundlage der gegründeten Frauen-Kooperativen, die das Arganöl produzieren. Ein ganz wichtiger Faktor in einer kargen Region, in der es sonst keine Industrie und somit kaum Arbeit gibt. In der Erntezeit zwischen Juli und Oktober sichert der Arganbaum Tausenden von Frauen einen sicheren und ordentlich bezahlten Arbeitsplatz. Die Leiterin einer Kooperative, Fatima Imehri, verdeutlicht diesen Umstand: “Die Produktion des Arganöls ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Mehr als 80�% der Frauen und Familien in der gesamten Region profitieren davon. Wenn sie die Frauen fragen, werden sie nur positive Stimmen hören, alle sind stolz für die Schönheit der Frauen weltweit ihren Teil beizutragen”.

Marokko produziert jährlich rund 4000 Tonnen Arganöl. Ein Drittel der gesamten Produktion wird exportiert. Abnehmer sind hauptsächlich die großen Kosmetik-Unternehmen in Europa. Der Staat hat sogar einen eigenen Wirtschaftsplan zur Steigerung der Produktion aufgelegt. Bis zum Jahr 2020 will man die Anbaufläche ausweiten und die Produktionsmenge auf 10.000 Tonnen erhöhen.

Doch das Land ist nicht nur auf Arganöl fixiert, wie man in Marrakesch sehen kann. Hier wird das traditionelle Fachwissen über Kosmetik seit langer Zeit gepflegt, wie der Apotheker Khalid Bitar uns mitteilt: “Unter anderem ist die Damaszener Rose eine herausragende Pflanze, deren Öl durch Destillation gewonnen wird. Es wird in vielen Parfums und Kosmetikprodukten verwendet”.

Trotz der hohen Nachfrage lokaler Laboratorien an Heilpflanzen, steht die hiesige Kosmetikindustrie noch vor großen Herausforderungen, wie Bitar klar macht:”.Meiner Meinung nach hat Marokko ein großes Potenzial in der Herstellung verarbeiteter und veredelter Produkte. Es gibt hier mehr als 4200 Heilpflanzen, in der Regel werden sie aber unverarbeitet exportiert. Es gibt also keine Aufwertung, keine Veredelung der Ressourcen im Land”.

Weiter geht es in den Norden des Landes, in eine Region des Atlasgebirge, die bekannt für ihre besondere “Ghassoul” Tonerde ist, wie uns Geschäftsfrau Zhor Hnid erklärt: “Ghassoul ist eine einzigartige Tonerde, die ihresgleichen sucht. Der Lehm kann zu einem speziellen Schaum verarbeitet werden. Wir haben eine Methode entwickelt, wie wir diesen Schaum extrahieren können und damit neue Kosmetikprodukte für verschiedene Haut- und Haartypen kreieren können”.

Nachdem wir Marokko ausgiebig bereist haben, geht es nun nach Las Vegas zu einer der wichtigsten Kosmetik-Messen der Welt, der Las Vegas COSMOPROF SHOW.

Die COSMOPROF in den USA ist eine klassische Business to Business Messe der Kosmetikindustrie, auf der Hersteller und Unternehmen die neuesten Trends mitbekommen. Besonders für marokkanische Produzenten, wie Marketingmanager Salah Ben Youssef mitteilt: “Besonders wichtig ist es ins Marketing zu investieren, aufgrund der großen Konkurrenz. Wir müssen klar machen,

warum marokkanische Produkte besonders sind, wenn man dann überzeugt und Zustimmung findet, ist es viel einfacher wirtschaftlich erfolgreich zu sein”

In den USA, dem weltweit größten Markt für Kosmetik, reicht es also nicht, nur qualitativ hochwertige Produkte zu haben, es kommt vor allem auf das Networking an, wie uns Benjamin Cruz, Chef einer Marketing-Agentur erklärt: “Ich denke, dass die Inhaltsstoffe der Pflanzen n Marokko hochwertiger sind. Das hat mit der reichen Tradition und Kulturgeschichte des Landes zu tun. Das sorgt für besondere Produkte, die ich vorher nicht kannte. Deswegen ist es ungemein interessant für uns, Geschäftsbeziehungen mit Marokko zu starten.”

Wie sich die marokkanische Kosmetik-Industrie entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall scheint es sich zu lohnen, finanziell wie gesundheitlich.