Maro Engel vor WRC-Debüt: Komplett aus der Komfortzone herausgehen

Markus Lüttgens
·Lesedauer: 4 Min.

Maro Engel gehört zu den besten GT-Piloten und hat am Steuer eines Mercedes-AMG GT3 in den vergangenen Jahren bei Sprint- und Langstreckenrennen auf der ganzen Welt zahlreiche Erfolge sammeln können. Anfang Dezember wagt sich der 35-Jährige nun auf für ihn völlig neues Terrain und wird mit einem Skoda Fabia R5 bei der Rallye Monza (4. bis 6. Dezember) zum ersten Mal in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) an den Start gehen.

"Rallye ist etwas, was mich schon immer interessiert hat und wo ich schon immer sehr viel Respekt vor den Fahrern und Co-Piloten hatte. Davon wollte ich mir schon immer ein eigenes Bild machen", beschreibt Engel im Gespräch mit 'Motorsport.com' seine Motivation für den ungewöhnlichen Gaststart.

Die Verbindung zum Rallyesport ergab sich für Engel in diesem Jahr durch das Team Toksport WRT. Für den Rennstall aus Quiddelbach am Nürburgring ging Engel 2020 zusammen mit Luca Stolz im GT-Masters an den Start. Seine Wurzeln hat Toksport WRT allerdings im Rallyesport. Und so war Rallye bei Unterhaltungen mit den Teamverantwortlichen in der Box immer wieder ein Thema.

Normalerweise ist der Mercedes-AMG GT3 Maro Engels Arbeitsgerät

Normalerweise ist der Mercedes-AMG GT3 Maro Engels Arbeitsgerät<span class="copyright">Alexander Trienitz</span>
Normalerweise ist der Mercedes-AMG GT3 Maro Engels ArbeitsgerätAlexander Trienitz

Alexander Trienitz

Toksport WRT brachte Engel mit der Rallye in Verbindung

"Anfang des Jahres war mein Teamchef in Schweden bei der AMG-Driving-Academy. Ich durfte die Gruppe betreuen, und wir haben uns natürlich auch viel über Rallye ausgetauscht", sagt Engel. "Sie haben dann gesagt: Aus dir wäre vielleicht auch ein ganz guter Rallyefahrer geworden. Und ich habe gesagt, dass ich sehr gerne mal ein Rallyeauto testen würde, wenn sich die Chance ergibt. Um einfach mal ein Gefühl dafür zu bekommen."

Bei dieser lockeren Absprache blieb es zunächst. Bis Anfang Oktober die Rallye Monza als neues Saisonfinale in der WRC-Kalender aufgenommen wurde. "Da habe ich eine WhatsApp mit dem Presseartikel von meinem Teamchef bekommen. Darauf habe ich nur geantwortet: 'Ist das, was ich denke, dass es ist?' Und da kam dann zurück: 'Let's talk', also lass uns sprechen. Dann haben wir das Thema seriös besprochen."

Dabei mussten Engel und Toksport WRT einige Partner mit ins Boot holen. Zum einen Mercedes-AMG, die Engel die Freigabe für den Rallyestart gaben. "Ich bin allen Seiten sehr dankbar für diesen Einsatz. Sowohl Toksport WRT als auch Mercedes-AMG, die mir die Möglichkeit und die Freiheit geben, etwas Neues zu probieren", sagt Engel.

Mercedes-AMG und Ehefrau Stefanie geben grünes Licht

Und auch Ehefrau Stefanie hatte ein Wörtchen mitzureden. Denn in einer sehr anstrengenden zweiten Jahreshälfte, in der Engel zwischenzeitlich 14 Rennwochenenden am Stück bestritten hatte, mussten sie und die zweijährige Tochter oft auf den Ehemann und Vater verzichten. "Natürlich muss ich auch meiner Frau danken für die Unterstützung. Sie hält mir da grandios den Rücken frei und erlaubt es mir meiner Leidenschaft nachzugehen."

Nachdem dem Rallyestart prinzipiell nichts mehr im Weg stand, begann die Vorbereitung. Mit der Suche nach einem erfahrenen Beifahrer. Beziehungsweise nach einer Beifahrerin. Denn fündig wurden Engel und Toksport WRT bei der Österreicherin Ilka Minor, die schon seit vielen Jahren Top-Piloten in der Rallye-WM navigiert.

"Ich habe mit der Ilka eine wahnsinnig erfahrene Co-Pilotin an meiner Seite. Das ist unfassbar viel Wert, um schnell zu lernen", sagt Engel. Und das ist wichtig, denn abseits der Rundstrecke ist der GT-Routinier und frühere DTM- und Formel-E-Fahrer blutige Anfänger. Doch gerade dieser Sprung ins kalte Wasser macht für Engel den Reiz an dieser neuen Herausforderung aus.

Völlig neue Erfahrungen für den Rundstrecken-Pilot

"Ich muss sagen, ich genieße es gerade, einmal komplett aus meiner Komfortzone heraus zu sein und viel Neues lernen zu müssen", sagt er. "Die Abläufe, die Arbeit mit meiner Co-Pilotin Ilka. Einfach auf die Anweisungen der Co-Pilotin zu hören und nicht auf Sicht zu fahren, wie wir es auf der Rundstrecke machen."

"Es gibt sehr viel Neues. Auch das Auto, worauf es ankommt, was man verstellen muss, damit man besser um die Kurve kommt. Das sind so viele Themen, die natürlich alle neu sind. Es macht wirklich Spaß, neue und andere Erfahrungen zu sammeln", sagt Engel.

Und das steht für den Deutschen auch beim Start bei der Rallye Monza im Mittelpunkt, die mit ihren vielen Prüfungen auf dem Grand-Prix-Kurs vor den Toren Mailands für einen Rookie wie Engel gut geeignet zu sein scheint.

"Die Rallye durchzufahren ist sicherlich das erste Ziel. Und Spaß zu haben!", sagt Engel. "Ich will diese Erfahrungen mitnehmen und ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, eine Rallye zu bestreiten. Ich habe großen Respekt vor den Leistungen, die da erbracht werden und freue mich darauf, diese Erfahrungen zu machen."

Mit Bildmaterial von Toksport WRT.