Der "Marlboro Man" der Formel 1 ist tot: John Hogan mit 76 Jahren verstorben

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 5 Min.

John Hogan, ein hoch angesehener Pionier in der Welt des Formel-1-Sponsorings und -Marketings, ist im Alter von 76 Jahren an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Als Marketingchef der Zigarettenmarke Marlboro trug er maßgeblich dazu bei, die Formel 1 in ein weltweites Phänomen zu verwandeln.

Denn als "Hogie" als junger Werbefachmann zum ersten Mal das Fahrerlager betrat, war die Königsklasse kaum mehr als ein Festival für ausgewiesene Motorsport-Nerds, das hauptsächlich auf einigen wenigen europäischen Rennstrecken stattfand und nur selten auf den Fernsehbildschirmen zu sehen war.

Mit seiner Hilfe entwickelte sich der Sport über die Jahrzehnte zu einem globalen Fernsehereignis mit Grands Prix von Brasilien bis Bahrain und Österreich bis Texas.

Begeisterung für Rennsport schon früh entdeckt

1943 in Australien geboren, wurde Hogans Interesse am Rennsport bereits früh geweckt, als er im Alter von sechs Jahren einen Indy 500-Film mit Clark Gable - "To Please a Lady" - sah. Später zog er für seine Ausbildung nach England und traf in der Schule den zukünftigen Filmstar Malcolm McDowell.

McDowells Vater betrieb einen Pub in der Nähe der Rennstrecke von Aintree. Hogan besuchte dort sein erstes Rennen - und wurde süchtig. In den späten Sechzigern stieg Hogan dann in die Werbebranche ein und arbeitete dort bald an einem Etat, der Sponsorendeals für den Getränkegiganten Coca-Cola prüfte.

Es kam zu einer frühen Beteiligung am Rennsport, indem er die Formel-3-Fahrer James Hunt und Gerry Birrell unterstützte. Vor allem die Verbindung zu Hunt trug Früchte.

Er half, McLaren zu einem Spitzenteam zu machen

Im Jahr 1973 wechselte Hogan zu Philip Morris. Die Marlboro-Marke des US-Konzerns hatte bereits einen Vertrag mit dem britischen BRM-Team, wechselte unter Hogans Leitung 1974 mit Emerson Fittipaldi aber zu McLaren. Der Brasilianer gewann in jenem Jahr die WM - ein perfekter Start der neuen Beziehung.

Als Fittipaldi Ende 1975 überraschend zum familieneigenen Copersucar-Team wechselte, war Hogan maßgeblich daran beteiligt, seinen alten Freund Hunt zu McLaren zu holen - was zum berühmten Titelgewinn des Engländers 1976 führte.

Die Saison zog auch durch den tragischen Feuerunfall von Niki Lauda jede Aufmerksamkeit auf sich. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone schloss Deals mit Sendern aus der ganzen Welt ab und Hogan trug seinen Teil dazu bei, indem er das Konzept der Grid Girls erfand, das schließlich weltweit im Sport kopiert wurde.

Johan Hogan konnte sogar Enzo Ferrari überzeugen

Der Marketing-Pionier spielte auch eine Schlüsselrolle, als sich McLaren Anfang der 80er Jahre neu erfand und mit dem britischen Formel-2-Team Project Four fusionierte, das von Ron Dennis geleitetet wurde. Mit ihm hatte Hogan bereits zuvor zusammengearbeitet. Die Dennis-Ära begann und McLaren feierte seine größten Erfolge.

Hogan (rechts) mit Bernie Ecclestone (Mitte) und Zak Brown

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Hogan (rechts) mit Bernie Ecclestone (Mitte) und Zak BrownMotorsport Images

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Hogan lenkte Marlboros Geschäfte mit McLaren während der gesamten Jahre mit Alain Prost und Ayrton. Parallel baute er eine Beziehung zu Ferrari auf. So erschien das Marlboro-Abzeichen 1982 auf den Overalls von Didier Pironi und Gilles Villeneuve.

Doch Hogan wollte mehr und traf sich mit Enzo Ferrari persönlich in dessen Hauptquartier in Maranello. Enzo wehrte sich zunächst gegen das Eindringen von "Außenseitern" wie Marlboro in den Sport, konnte Hogans Argumenten letztlich aber nicht widerstehen. Bald stand der Name Marlboro auf dem Heckflügel der Ferraris.

Kurze Zeit sportlicher Leiter bei Jaguar Racing

Ende 1996 trennte sich Philip Morris schließlich von McLaren und konzentrierte sich ganz auf Maranello. Hogan glaubte daran, dass der neu rekrutierte Michael Schumacher und sein technisches Team unter der Leitung von Ross Brawn erfolgreich sein könnten.

Und er sollte Recht behalten: 2000 gewann Schumi den ersten von fünf Titeln mit Ferrari. Nur zwei Jähre später verließ Hogan Philip Morris. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung verdingte er sich eine kurze Zeit als sportlicher Leiter von Jaguar Racing. Er reorganisierte das Team und rekrutierte Mark Webber.

Doch gerade als es aufwärts zu gehen schien, zog Ford den Stecker und verkaufte an Red Bull. Hogan widmete sich fortan wieder seinem Kerngeschäft und arbeitete als Berater für Zak Browns Marketing- und Sponsorenkonzern JMI.

Zak Brown nimmt mit emotionalen Worten Abschied

"Wir alle hier bei McLaren sind zutiefst traurig über das Ableben von John Hogan, der nicht nur ein Freund des Teams war, sondern auch ein Teil seiner Schöpfung", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des McLaren-CEO zum Ableben von Hogan.

"Ohne ihn ist anzuzweifeln, dass es all die wunderbaren Jahrzehnte des Erfolgs gegeben hätte, die das Team mit so brillanten Fahrern wie James Hunt und Ayrton Senna genossen hat. Er war auch maßgeblich daran beteiligt, die moderne Welt der Formel 1 mit bahnbrechenden Sponsorings und Ideen zu schaffen, die noch heute wirksam sind."

Auf einer persönlichen Ebene sei Hogan "ein großartiger Freund und Mentor" gewesen. "Er hat mir und vielen anderen im Geschäft der Formel 1 so viel beigebracht und wir sind alle dankbar dafür. Er war ein Gentleman, ein Pionier und eine Legende und wird von mir, McLaren und der Formel-1-Gemeinschaft sehr vermisst werden."

Hogan starb am 3. Januar 2021 in einem Krankenhaus in der Nähe seines Hauses in der Schweiz. Er hinterlässt seine Frau Annie sowie einen Sohn und eine Tochter.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.