Markus Lanz: Scharfe Kritik von Fußballexperte Marcel Reif an Ilkay Gündoğan

Einen Tag vor Beginn der WM sprach Markus Lanz mit seinen Gästen über Fußball. (Bild: ZDF Screenshot)

Am 13. Mai trafen sich die deutschen Fußballnationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündoğan in London mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Einen Monat später wird noch immer darüber diskutiert. Fußballkommentator Marcel Reif sieht die Schuld dafür bei den Spielern selbst.

Es könnte eine schwierige WM für die deutsche Fußballnationalmannschaft werden. Aber nicht unbedingt in sportlicher Hinsicht – da spielen Jogis Jungs sehr wahrscheinlich um den Titel mit. Der Störfaktor, der es dem Team diesmal schwer machen könnte, ist vielmehr gesellschaftspolitischer Natur. Wie werden die mitgereisten Fans auf Mesut Özil und Ilkay Gündoğan reagieren? Werden die zwei türkischstämmigen Spieler erneut lautstark ausgepfiffen? So wie es kürzlich beim Testspiel gegen Saudi-Arabien passiert ist, als Gündoğan in der zweiten Hälfte eingewechselt wurde und von da an jedes Mal, wenn er am Ball war, von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet wurde?

Fußballexperte Marcel Reif denkt, dass es so kommen könnte. Doch zu verantworten haben das einzig und allein die Spieler selbst. Bei Markus Lanz rekapitulierte der Kommentator noch einmal die letzten Wochen – und kritisierte das ungeschickte Verhalten von Özil und Gündoğan auf das Schärfste.

Fußballexperte Marcel Reif hat für das Verhalten von Özil und Gündoğan wenig Verständnis. (Bild: ZDF Screenshot)

Gündoğan hat sich im Gegensatz zu Özil zwar der Situation gestellt, hat im Trainingscamp in Südtirol ein Interview gegeben, in dem er sich zu den deutschen Werten bekannte. Sein Treffen mit Erdoğan scheint er allerdings nicht bereut zu haben. „Natürlich tut er mir leid als Mensch“, sagte Reif über Gündoğan. „Aber er hat nicht gesagt ‚Ich hab einen Fehler gemacht‘ und ‚Es tut mir leid‘.“ In diesem Fall wäre „die Sache durch gewesen“, so Reif.

Beim Testspiel gegen Saudi-Arabien hat Reif eine interessante Beobachtung gemacht: „In den letzten zehn Minuten haben die Mannschaftskameraden, um ihn zu schonen, ihm den Ball nicht mehr zugespielt. Weil sie gesehen haben, dass dem alles zittert. Der hat gelitten wie ein Hund“, sagte der Fußballfachmann über Gündoğan.

Markus Lanz glaubt nicht, dass die Pfiffe gegen Gündoğan fremdenfeindlich motiviert waren. (Bild: ZDF Screenshot)

Für Gündoğans Leidensgenossen hat Reif noch klarere Worte parat: „Was Mesut Özil macht, ist unsäglich.“ Im Gegensatz zu Gündoğan schweigt sich Özil seit Wochen aus. Der Arsenal-Spielmacher gibt keine Interviews, entzieht sich weitgehend der Öffentlichkeit. Marcel Reif über den Deutschen Fußball-Bund (DFB): „Dass dieser Verband das mitmacht … das ist ein Krisenmanagement, das ist an Jämmerlichkeit nicht zu unterbieten.“

Das Fazit von Marcel Reif fällt hart aber klar aus: „Wenn die beiden damit weiter so umgehen wie bis jetzt, sind sie für diese Mannschaft eine Belastung“.

Der ebenfalls mitdiskutierende Journalist Peter Huth, Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, will in den Pfiffen gegen Özil und Gündoğan Fremdenfeindlichkeit ausgemacht haben. Den meisten Fans, die jetzt pfeifen, würde gar nicht so sehr das Foto mit Erdoğan stören, sondern der türkische Migrationshintergrund der beiden Spieler. Dem widersprach jedoch Markus Lanz. Als vor einigen Monaten AfD-Chef Alexander Gauland gegen Jerome Boateng hetzte, hat sich fast das gesamte Land und die Fußballfans sowieso geschlossen hinter Boateng gestellt.

Wie die Fans bei der WM mit Özil und Gündoğan umgehen werden, wird man am Sonntagabend sehen – dann spielt Deutschland nämlich im ersten Vorrundenspiel gegen Mexiko.