Markus Lanz: Reinhold Beckmann teilt gegen die SPD aus

Ist die Berliner SPD-Zentrale ein Minenfeld? Darüber wurde bei Markus Lanz diskutiert. (Bild: ZDF/Screenshot)

Trotz der Zustimmung zur GroKo steht die Sozialdemokratie derzeit in keinem guten Licht. In Umfragen folgt ein Rekordtief aufs nächste. Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse kritisierte bei Markus Lanz nun seine eigene Partei. Und auch Moderator Reinhold Beckmann teilte gegen die Partei aus.

In der Zukunft müsse die SPD wieder zu ihren Kernthemen zurückfinden: Solidarität und Gerechtigkeit. Nur so könne die Partei laut Wolfgang Thierse, der sieben Jahre Präsident und acht Jahre Vizepräsident des Deutschen Bundestages war, wieder in der Wählergunst steigen.

Reinhold Beckmann wiederum meinte, dass für die SPD eine Art Doppelmoral verkörpere: „Warum lebt die SPD das nicht? Diese Begriffe, die Sie gerade genannt haben: Solidarität, Gerechtigkeit. Typische Begriffe der SPD. Das alles wird von der SPD nach innen hin nicht gelebt. Das ist das Problem.“

Dann wurde der 62-Jährige konkret: „Sie tragen diese Begriffe wie eine Monstranz vor sich her. Aber nach innen, man muss nur in das Willy-Brandt-Haus gucken, ist alles vermint. Keiner traut dem Nächsten, autoritäre Abläufe sondergleichen. Da glaubt einer, das ist ein Freund. Nein! Fünf Minuten später ist er sein Feind. Das kann nicht gehen!“ Die SPD habe ein gestörtes Verhältnis zur Macht, fügte Beckmann noch hinzu. Erst wähle man einen Parteivorsitzenden mit 100 Prozent (Martin Schulz, Anm.) und kurz darauf stelle man ihn wieder infrage.

Wolfgang Thierse wünscht sich eine Rückbesinnung der SPD auf ihre Wurzeln. (Bild: WENN)

Thierse zeigte sich in der Sendung darüber hinaus froh über den Ausgang des Mitgliedervotums. Ob mit dem Ja zur GroKo die größte Zerreißprobe der SPD überstanden sei, wollte Lanz von Thierse wissen: „Ich denke schon“, meinte der 74-Jährige.

Doch der SPD-Politiker fügte auch kritisch hinzu: „Eine Partei, die das Erreichbare nicht erreichen will, die macht sich selber überflüssig.“ Den innerparteilichen Gegenwind zu einer weiteren Auflage der Großen Koalition konnte Thierse offenbar nicht nachvollziehen. Wenn man das in den Koalitionsverhandlungen Erreichte nicht in einer Regierung umsetzen möchte, warum solle man dann gewählt werden, fragte der Bundestagspräsident a.D.

Der Moderator Reinhold Beckmann kritisierte die SPD scharf. (Bild: WENN)

In der Bevölkerung sieht man die SPD allerdings trotz Zustimmung zur GroKo weiterhin skeptisch: Nachdem die Sozialdemokratie bereits Mitte Februar auf ein Rekordtief von 16 Prozent fiel, kommt die Partei einer Umfrage der „Bild“ zufolge nur noch auf 15 Prozent, das RTL/n-tv-Trendbarometer von Forsa ordnet die SPD dagegen bei 19 Prozent Wählerzustimmung ein.

Die Hamburger SPD, nach wie vor vom kommissarischen Bundesvorsitzenden Olaf Scholz geführt, erlangt laut einer von der Wochenzeitung „Die Zeit“ bei Policy Matters in Auftrag gegebenen Umfrage nur noch 28 Prozent – so wenig wie noch nie in ihrer Geschichte.

Womit könnte das zu tun haben? Thierse hat eine Theorie: „Die SPD neigt dazu, immer alles schlecht zu finden.“ Man sei mit dem Erreichten stets unzufrieden. „Eine sympathische Einstellung“, so Thierse, „aber gelegentlich gehört zur Politik dazu, dass man das Erreichte auch würdigt.“

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