Markus Lanz: Moderator wirft SPD-Vize Stegner „Schizophrenie“ beim Thema GroKo vor

Die Glaubwürdigkeit der SPD war Kernthema bei Markus Lanz. (Bild: ZDF/Screenshot)

Der deutschen Sozialdemokratie steht ein Schicksalswochenende bevor: Stimmen die Mitglieder für oder gegen die Große Koalition? Offene und kritische Worte zur SPD fanden bei Markus Lanz auch zwei Parteimitglieder.

Ab morgen werden in der Berliner SPD-Zentrale die Stimmen vom Mitgliedervotum über die GroKo ausgezählt. Am Sonntag soll dann feststehen, ob die Parteibasis eine Neuauflage der Koalition mit CDU und CSU wünscht oder nicht. In der Sendung von Markus Lanz machte sich nun ein betagtes SPD-Mitglied Gedanken über seine Partei.

Edzard Reuter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Daimler-Benz und Sohn des einstigen Westberliner Bürgermeisters Ernst Reuter, sagte über die heutige Politik im Allgemeinen: „Für den normalen Menschen auf der Straße ist eigentlich nicht mehr erkennbar, was die eigentlich wollen.“ Der 90-Jährige fragte: „Wofür stehen die?“ Er habe den Eindruck: „Mal hü, mal hott.“

Das Problem speziell seiner Partei will Reuter auch ausgemacht haben: „Ich fürchte, dass der SPD im Augenblick eine erkennbare Handschrift fehlt.“ Man habe zu lange regiert und sich angewöhnt, von einem Tag zum anderen „immer irgendwelche konkreten Probleme zu lösen.“ Die Bundeskanzlerin sei im Übrigen die „Weltmeisterin“ in dieser Taktik des Regierens von Tag zu Tag. Eine Handschrift sei auch bei Angela Merkel nicht erkennbar, so Reuter.

Edzard Reuter erkennt seine Partei nicht mehr: Die SPD habe zurzeit keine eigene Handschrift. (Bild: ZDF/Screenshot)

Erstaunlich offene Worte fand auch Ralf Stegner, stellvertretender Parteivorsitzender der SPD. Auf die Frage des Moderators, wer am Niedergang der Sozialdemokratie schuld sei, sagte Stegner: „Ich trag daran auch Mitschuld, weil ich Teil der Führung bin.“ Er halte nichts von dem Prinzip, wenn es gut gehe, waren es alle, und wenn es schlecht gehe, war es der Vorsitzende.

Nachdem Markus Lanz seinem Gast Stegner zwei Tweets vorlas, die dieser vor einigen Monaten veröffentlicht hatte und in denen er eine Neuauflage der GroKo kategorisch ausschloss, herrschte plötzlich dicke Luft im Fernsehstudio. „Verlieren Sie selber manchmal den Überblick, wogegen Sie gestern noch waren und heute leidenschaftlich dafür sind?“, fragte Lanz.

„Das mögen Sie so darstellen“, reagierte Stegner patzig. „Aber das ist doch eine schizophrene Situation“, legte Lanz nach, „Sie sind eigentlich gegen die Große Koalition und werben gleichzeitig dafür, dass die Leute mit Ja stimmen – das ist schizophren.“ Nein, das sei nicht schizophren, entgegnete Stegner. Er sei noch nie ein Freund Großer Koalitionen gewesen und werde das auch nicht mehr.

Ralf Stegner konnte seine Söhne nicht restlos für eine GroKo überzeugen. (Bild: ZDF/Screenshot)

Überraschendes konnte der Moderator Stegner auch noch entlocken: „Wie finden Sie eigentlich Kevin Kühnert?“ Worauf Stegner meinte: „Ich find den cool.“ Und als Begründung: „Wenn die Jusos uns nicht Dampf machen, wer denn sonst?“ Er habe schließlich mit seinen Söhnen drei Jusos in der eigenen Familie.

Darauf wollte Lanz wissen, wie eigentlich Stegners Söhne beim Mitgliedervotum zur GroKo abstimmen. Das Zögern des SPD-Politikers verleitete Lanz zu einer beißenden Bemerkung: „Das heißt, Sie haben Schizophrenie auch noch in der Familie!“ Stegner hielt dagegen: „Nix Schizophrenie, die denken selbst!“ Seine Söhne, so Stegner, hätten eine eigene Meinung und würden unterschiedlich über die GroKo abstimmen.