Markus Lanz: Literaturkritiker erklärt Aufstieg der Rechtspopulisten

 

Warum sind die Rechten bloß so effektiv? Bei Markus Lanz suchte man nach Antworten. (Bild: ZDF/Screenshot)

Der Erfolg der AfD stellt viele Medienmacher in diesem Land noch immer vor ein Rätsel. Nun gestand ein Journalist der Wochenzeitung „Die Zeit“, dass die Medien am Aufstieg der Rechten nicht ganz unbeteiligt sind.

Auch wenn die AfD erst seit fünf Jahren existiert, so prägt sie bereits in weiten Teilen den politischen Kurs in der Bundesrepublik. Ob EU-Skepsis, Euro-Kritik oder Asyl-Protest – die Rechten liefern die Themen. Andere Parteien und Medien greifen die von der AfD gesetzte Agenda reflexhaft auf und sind sich einig: Die AfD liegt bei fast allen Themen daneben.

Mit Ijoma Mangold hat nun ein Journalist der als linksliberal geltenden Wochenzeitung „Die Zeit“ erstaunliche Selbstkritik geübt. Statt in die üblichen Erklärungsmuster zu verfallen, nach denen AfD-Wähler bildungsfern, rechtsextrem und rückwärtsgewandt seien, suchte der Literaturkritiker die Antwort bei seinesgleichen. „Ich glaube, dass die Medien sehr lange die Grenzlinie zu weit links gezogen haben“, sagte der Journalist in der Sendung von Markus Lanz.

Kritisiert normalerweise nicht Medien, sondern Literatur: Ijoma Mangold. (Bild: ZDF/Screenshot)

Auf die Frage, ob die Medien AfD-verwandte Themen zu sehr aufbauschen würden, sagte Mangold:
„Ich weiß nicht, ob ich wirklich eine Antwort weiß. Ich würde nicht einmal sagen, dass ich meine eigene Position so genau kenne.“ Mal finde er, die Medien würden viel zu reflexhaft reagieren und alles als rechts darstellen. Dann wieder stelle er fest: „Die neue Weinerlichkeit auf der rechten Seite ist aber auch nicht gerade eine Tugend – die, mit der man behauptet, angeblich könne man nichts mehr sagen.“

Medien dürften sich nicht auf eine klare ideologische Linie festlegen, sondern müssten Einzelfälle genauer anschauen. Der Erfolg der AfD, so der Literaturexperte, habe auch damit zu tun, dass „eine bestimmte Form der politischen Position“ im Bundestag nicht mehr repräsentiert war. Mangold sprach in diesem Zusammenhang über den Euro und die Flüchtlingskrise. Hier gebe es Positionen, die man zwar nicht teilen müsse, die aber legitim seien.

Julia Ebner gab sich bereits als IS-Anhängerin und Neo-Nazi aus. (Bild: ZDF/Screenshot)

Im Gegensatz zu Ijoma Mangold kennt die österreichische Extremismusforscherin Julia Ebner das Wirken der rechten Szene aus nächster Nähe. Die Wienerin sprach davon, dass vor allem das Internet den Extremisten in die Hände spiele. Ebner, die sich in der Vergangenheit für ihre Recherchen bereits bei IS-Anhängern und Neo-Nazis eingeschleust hat, sieht etliche Parallelen zwischen Rechten und Islamisten.

Abschließend hatte Ebner noch eine einleuchtende Antwort parat, wenn es um die Endlos-Frage geht, ob der Islam nun zu Deutschland gehöre oder nicht: „Wenn wir von einem individuellen Glauben sprechen – natürlich gehört dann der Islam zu Deutschland. Wenn wir von einer politisierten Form sprechen, die unsere Politik und unsere demokratischen Strukturen beeinflusst – natürlich sollte das nicht zu Deutschland gehören.“

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