Markus Lanz: FDP-Politiker verrät, was bei Jamaika hinter den Kulissen passierte

Fast eine Stunde ging es in der Runde von Lanz ums Thema Jamaika. (Bild: Screenshot/ZDF)

Gut vier Wochen lang war Jamaika eine echte Option. Doch am Wochenende ließ FDP-Chef Christian Lindner die Verhandlungen platzen. Bei Markus Lanz erzählt nun Alexander Graf Lambsdorff, warum es wirklich zum Abbruch der Sondierungsgespräche kam.

Es war bereits kurz vor Mitternacht, als die versammelte Truppe der FDP-Verhandler am Sonntag vor der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin sich den wartenden Reportern stellte. Mit sicherer Stimme sagte Christian Lindner: „Es ist besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren“, und verkündete damit den Abbruch der Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen. Seither herrscht Rätselraten: Was hat wirklich zum Abbruch der Verhandlungen geführt?

Festgefahrene oder vielversprechende Verhandlungen? Aussage gegen Aussage

Bei Markus Lanz waren nun mit dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), und Alexander Graf Lambsdorff (FDP) von den Liberalen zwei Politiker zu Gast, die beide an den Sondierungsgesprächen teilgenommen haben. Und letzterer machte schon zu Beginn der Sendung deutlich, dass das Klima zwischen den Verhandlungspartnern nicht gerade förderlich war: „Da war oft eine so angespannte Stimmung, dass ich, der ich das zum ersten Mal mitgemacht habe, dachte: Lange geht das hier nicht mehr gut.“ In den Verhandlungen sei zudem einfach nichts weiter gegangen.

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Kurz zuvor allerdings hatte Armin Laschet erzählt, dass man bei den Verhandlungen sehr weit gekommen sei. Markus Lanz hakte nach: Wenn der eine behaupte, man sei ganz kurz vor einer Einigung gewesen, und der andere aber meint, es sei gar nichts gegangen, dann sei das ja der Wahnsinn. Darauf holte Lambsdorff ein Sondierungspapier hervor, das er in die Kameras hielt.

Alexander Graf Lambsdorff gab einen Einblick in die Jamaika-Papiere. (Bild: Screenshot/ZDF)

Bei den gelb markierten Stellen handle es sich um Punkte, über die man sich bis zum Sonntag noch nicht hatte einigen können. Als Lambsdorff durch das Dokument blättert, wimmelt es nur so von gelb angestrichenen Passagen. „Bei so viel Dissens nach vier Wochen hatten wir einfach das Gefühl, von uns ist da nicht genug dabei“, kommentiert der Liberale das Verhandlungspapier.

Doch wenig später, nach einigen Frage-und-Antwort-Runden, kommt Armin Laschet auf das Papier zu sprechen. „Das ist ja kein Wortprotokoll“, giftet er in Richtung Lambsdorff. Man sei sehr wohl weiter gekommen in den Verhandlungen, als das mitgebrachte Dokument des FDP-Manns vermuten ließe. Vieles sei, so Laschet, zwischen den Parteivorsitzenden verhandelt worden, was sich in dem Papier vom Lambsdorff nicht wiederfinde.

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Doch Lambsdorff kontert: Man sei als FDP schon einmal aus dem Parlament geflogen, nämlich nach der Regierungsbeteiligung von 2009 bis 2013. Damals sei die Politik seiner Partei im Gegensatz zu jener der Unionsparteien nicht zu erkennen gewesen. Diesen Fehler wollte man dieses Mal nicht wieder machen. Daher der Abbruch der Verhandlungen.

Regieren um jeden Preis – diese Zeiten sollen bei der FDP vorbei sein

Und wie soll es nun weitergehen? Für Armin Laschet steht jedenfalls fest: „Aus meiner Sicht darf es keine Neuwahlen geben! Das Grundgesetz geht von Stabilität für vier Jahre aus.“ Die Verantwortung liege jetzt beim Bundespräsidenten. Lambsdorff bleibt eher bei der eigenen Partei: Die FDP sei mit dem Abbruch der Verhandlungen zum Teil ihr Umfaller-Image losgeworden: „Das alte Klischee von der FDP, regieren um jeden Preis, Hauptsache da ist ein warmes Büro und ein Dienstwagen – das ist weg!“ Für diese Legislaturperiode schließe er deshalb weitere Jamaika-Verhandlungen aus.

Albrecht von Lucke glaubt nicht, dass Martin Schulz als Kanzlerkandidat bei den Deutschen nochmal eine Chance hat. (Bild: Screenshot/ZDF)

Für den Publizisten Albrecht von Lucke, der ebenfalls in der Sendung zu Gast war, steht fest: Es war eine fundamentale Fehleinschätzung der SPD, zu denken, Jamaika würde sowieso klappen. „Das ist für die SPD fatal“, sagt der Politbeobachter. Das Problem von Neuwahlen sei, dass die Sozialedemokraten dann „nackt“ dastehen würden. „Die Wahrnehmung, dass Herr Schulz noch einmal Kanzlerkandidat sein könnte, ist glaube ich eine, die in weiten Teilen der Bevölkerung nicht geteilt werden wird.“

Außerdem an diesem Abend bei Lanz im Studio waren der Schauspieler Christoph Maria Herbst sowie der Sozialpädagoge Stefan Weiller, die gemeinsam für das Buch „Letzte Lieder“ sterbende Menschen besucht und mit ihnen über ihre Lieblingsmusik gesprochen haben.

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