Markus Lanz: Auf den Philippinen arbeiten zehntausende Cleaners an einem "sauberen" Internet

Verstörende Eindrücke: Bei Markus Lanz berichteten junge Filmemacher über die Müllentsorger des Internets. (Bild: ZDF/Screenshot)

Es ist eine riesige Schattenwirtschaft, die da am anderen Ende der Welt existiert. Sogenannte „Cleaners“ sorgen auf dem asiatischen Inselstaat für ein sauberes Internet. Der Preis, den diese Leute bezahlen, ist äußerst hoch.

Sie werden auf der Straße angesprochen, ob sie nicht als Reinigungskraft arbeiten wollen. Aber nicht, um Böden zu fegen oder Toiletten zu putzen. Sie werden angeworben, um den „dreckigsten Job des Internets“ zu machen, wie der Filmemacher Hans Block ihn nennt. Gemeinsam mit seinem Produktionspartner Moritz Riesewieck sprach er in der Sendung von Markus Lanz über jene Filipinos, die den Rest der Welt vor schlimmen Bildern im Netz bewahren sollen.

Als „The Cleaners“ werden diese Internet-Säuberer bezeichnet. Nach ihnen ist auch der aktuelle Dokumentarfilm von Block und Riesewieck benannt, der zurzeit weltweit Beachtung findet. Für viele Filipinos, so Block, sei es Prestige, als „Cleaner“ zu arbeiten. In dem relativ armen Land stellt dies einen Karrieresprung dar. Viele junge Menschen bekämen so die Möglichkeit, bei gutem Lohn in einem klimatisierten Wolkenkratzer zu arbeiten.

Oftmals, so Block, erfahren diese Menschen erst beim Job-Training, was man eigentlich genau mit ihnen vorhat. Und das ist nicht ohne. Die „Cleaners“ sollen im Internet drastische Inhalte wie Enthauptungsvideos, Kinderpornografie, Terrorattacken, Suizidvideos, Gewaltfantasien und Hassparolen entfernen – und das bei einem Arbeitspensum von bis zu zehn Stunden pro Tag.

Die Firmen, die jene „Cleaners“ beschäftigen und ihren Sitz auf den Philippinen haben, werden von bekannten Tech-Konzernen beauftragt, um Seiten wie Twitter, Facebook, YouTube und Google von dreckigen Inhalten zu säubern. Und das funktioniert so: Bildsoftware, die Sexualorgane, Blut- und Hauttöne erkennen kann, leitet bestimmte Inhalte an die „Cleaners“ weiter. Diese entscheiden dann, ob es sich um einen strafbaren beziehungsweise unangemessenen Inhalt handelt oder nicht.

Hans Block und Moritz Riesewieck reisten für ihre Doku nach Manila. (Bild: ZDF/Screenshot)

Ein „Cleaner“ bekommt es pro Tag mit bis zu 25.000 Bildern zu tun, über die er oder sie entscheiden muss, ob eine Löschung erfolgen soll oder nicht. Was passiert aber mit einem Menschen, der es tagtäglich mit solchen menschlichen Abgründen zu tun bekommt? Laut Psychologen, so Hans Block, weisen die „Cleaners“ ähnliche Symptome auf wie Soldaten, die aus dem Krieg kommen: Sie leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen. Es mache also kaum einen Unterschied, ob man etwas auf dem Kriegsfeld oder „nur“ vor dem Bildschirm erlebe.

Facebook tue laut Moritz Riesewieck sehr viel dafür, um die Beschäftigung der „Cleaners“ über Drittfirmen zu verschleiern. So dürfen diese nicht sagen, dass sie für Facebook arbeiten. Stattdessen sollen sie das Codewort „Honey badger project“ nennen, wenn sie über ihren Job befragt werden. Über Facebook sagte Filmemacher Riesewieck: „Dieses ach so weltverbesserische soziale Medium macht so einen Aufwand, um diese Arbeit geheimzuhalten.“

Wie man nun weiß, nicht ohne Grund.