Der Markt reagiert verhalten auf Continentals großen Konzernumbau


Was von einem großen strategischen Schritt in einem Dax-Konzern zu halten ist, zeigt immer auch die Reaktion an der Börse. Bei der Verkündung der Aufspaltung von Continental war der Aktienkurs des Autozulieferers am Mittwoch kräftig gestiegen. Am Tag danach verlor das Papier zwei Prozent und war mit 199 Euro Schlusslicht im Leitindex. Die Gewinne des Vortags waren damit so gut wie aufgebraucht.

Der Experte Henning Cosman von der Investmentbank HSBC zeigte sich in einer Studie enttäuscht, dass es bei dem Konzern nur auf eine Holdingstruktur mit drei separaten Geschäftsbereichen und nicht auf eine echte Aufspaltung hinausläuft.

Das ist schon mal ein Vorgeschmack für Conti-Vorstandschef Elmar Degenhart, denn mit den Börsenplänen für die Antriebssparte Powertrain hat er die Wünsche des Kapitalmarkts und stets hungriger Investoren noch mehr angeheizt. In Branchenkreisen wird vermutet, dass der nun verkündete Konzernumbau bei Continental bereits zu einem gewissen Teil auf den Druck des Kapitalmarkts zurückgeht.

„Ob der Börsengang oder letztlich der Verkauf des Bereichs Powertrain sinnvoll für das Unternehmen ist, lässt sich nur schwer einschätzen“, erklärt Autoexperte Frank Schwope von der NordLB die Verunsicherung der Anleger. Der Analyst verweist auf die Margenstärke des Reifenbereichs, und auch die Elektrosparte habe Ertragspotenzial.

Er bewertet die neue Struktur vor allem als Reaktion auf die abnehmende Bedeutung des Verbrennungsmotors. Allerdings räumt Schwope ein, dass die einzelnen Teile von Conti mehr wert sein könnten als das Gesamtkonstrukt.


Die große Frage, ob Continental mit der Aufspaltung einen Trend für die Autozulieferindustrie insgesamt setzt, ist schwer zu beantworten. Conti ist umgeben von Stiftungsunternehmen. Sowohl Weltmarktführer Bosch wie auch die Nummer drei der Branche ZF Friedrichshafen und auch die Nummer vier Mahle sind nicht börsennotierte Stiftungsunternehmen.

„Wir beobachten natürlich genau, was unser Wettbewerber macht. Wir fühlen uns aber durch seinen Schritt in unserer Strategie eher bestätigt“, so ein Bosch-Sprecher. Die Schwaben hätten beim Antriebsstrang schon im Vorjahr beschlossen, die Aktivitäten bei Benzin, Diesel, Hybrid und Elektro in einem neuen Geschäftsbereich zusammenzufassen, um flexibler reagieren zu können.

Auch bei ZF herrscht eher Gelassenheit. Der Branchendritte hat keine Einspritztechnologie für Verbrennungsmotoren im Portfolio. Insofern ist ZF von der Dieselkrise nicht so stark betroffen.

Bei Conti reagierten die Arbeitnehmervertreter zurückhaltend auf den Umbau. „Wir müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass unsere Kollegen dafür nicht die Zeche zahlen“, sagte Konzernbetriebsratschef Hasan Allak. Bereits im Frühjahr hatte der Vorstand mit den Arbeitnehmervertretern den Erhalt der rund 60.000 Arbeitsplätze in Deutschland festgeschrieben. M. Buchenau