Wenn Market Timing so richtig nach hinten losgeht

Marlon Bonazzi, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Pssst, ich habe da einen Geheimtipp. Es gibt einen Hedgefonds-Manager, der in der Vergangenheit die Rendite des Marktes mehr als verdreifacht hat. Er hat seit Auflage das eingesetzte Kapital sogar mehr als verfünfzehnfacht.

Moment, ich habe gerade noch einmal nach den aktuellen Zahlen geschaut. Mittlerweile hat der Fonds mehr als zwei Drittel seines Werts verloren und liegt mit seiner Rendite sogar hinter der des Aktienmarkts.

Was da passiert ist? Einer der bekanntesten Hedgefonds-Manager hat sich eingebildet, verlässlich den Markt timen zu können und die Ergebnisse sind schmerzhaft. Diese Anekdote sollte sich jeder für immer merken, denn Market Timing ist ein verlässlicher Wertvernichter.

Crispin Odey: Erst Superstar, dann…

Lange konnte der britische Hedgefonds-Manager Crispin Odey kaum etwas falsch machen. Hätte ich noch vor ein paar Jahren einen Artikel über ihn geschrieben, hätte ich tatsächlich wie in der Einleitung festhalten müssen, dass er mit seinem 1994 aufgelegten Hedgefonds hervorragende Renditen für seine Anleger erwirtschaftet hat. Laut Daten, die in ValueWalk veröffentlicht wurden, hatten noch vor zwei Jahren Anleger, die von Anfang an dabei waren, über 1.400 % Rendite erreicht, wohingegen der breite Aktienmarkt gerade einmal ein wenig über 400 % abgeworfen hat.

Dementsprechend genoss Odey in der Finanzpresse und unter Investoren auch großen Respekt und jede seiner Aussagen fand viel Beachtung. Über seine jahrzehntelange Karriere hat er einige Volltreffer vorzuweisen. Massive Überrenditen kamen dann mit der richtigen Positionierung während der Finanzkrise.

Wie für Hedgefonds-Manager üblich wurden in den guten Jahren aber nicht nur Odeys Anleger reich, sondern vor allem auch er selbst. In die Klatschpresse hat er es geschafft, als er auf seinem Anwesen in Gloucestershire einen 150.000 Britische Pfund teuren Steintempel für seine 20 Hühner errichten ließ.

… Supernova

Odey fühlte sich wahrscheinlich so schlau und allmächtig, dass er die Finger nicht von etwas lassen konnte, vor dem alle großen Börsenlegenden immer warnen. Er begann vor einigen Jahren der Meinung zu sein, dass ein Crash bald kommen würde und begann seinen Hedgefonds entsprechend zu positionieren.

Anfang 2015 machte er Schlagzeilen, als er vor einem bevorstehenden Crash warnte, an den man sich noch in einem Jahrhundert erinnern würde. Im letzten Jahr wurde er präziser und schrieb, dass der britische Aktienmarkt 80 % an Wert verlieren könnte. Sein Portfolio machte er mit exotischen Makropositionen, wie eine Wette auf den Wertverlust von japanischen und australischen Staatsanleihen, seiner Ansicht nach wetterfest.

Die Ergebnisse waren verheerend. Allein im März 2016 verlor sein Hedgefonds 22 % an Wert. Der Crash blieb aus und die verschiedenen Wetten gingen insgesamt nach hinten los. Nach den kürzlich veröffentlichten Daten sind von der seit 1994 zwischenzeitlich erreichten Rendite von über 1.400 % nicht einmal mehr 400 % übrig. Damit liegt er wieder unterhalb der Rendite des Aktienmarkts.

Am besten einfach Shorts shorten

Man kann sogar davon ausgehen, dass Odey in seinen Glanzjahren besonders viele Kundengelder einsammeln konnte. Die liegen jetzt nicht nur knapp unterhalb der durchschnittlichen Aktienrendite, sondern sind massiv im Minus. Die ganze Geschichte ist ein weiteres Kapitel im Buch über das Scheitern von Market Timing. Der ehemalige Superstar hat sich zur Supernova entwickelt.

Manchmal frage ich mich, wieso man nicht einfach Shorts shorten kann. Ach, eigentlich kann man das ja, indem man einfach Aktien kauft, geduldig behält und so auf langfristig steigende Kurse setzt.

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