Mario Draghi im Kreuzverhör irischer Studenten


Für Mario Draghi ist es ein Parforceritt durch unterschiedlichste Themen. In Dublin stellt sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag im Rahmen des Jugend-Dialogs der Notenbank den Fragen von Studenten des Trinity College in Dublin. Sie lauteten zum Beispiel: Welchen Einfluss hat die Blockchain-Technologie für die EZB? Droht eine neue Immobilienblase? Oder: Was würde Draghi heutigen Universitätsabsolventen raten?

Die Frage nach möglichen Immobilienblasen ist dabei für Draghi nicht neu. „Ich bekomme diese Frage jedes Mal in Deutschland in der Pressekonferenz gestellt“, sagt er. Bislang gebe es keine systematischen Übertreibungen am Häusermarkt, auch wenn die Preise in einigen Großstädten sehr stark gestiegen seien. Aus Draghis Sicht liegt das nicht primär an der Geldpolitik der EZB, sondern hängt mit anderen Faktoren zusammen, wie etwa fehlenden Sozialwohnungen. Solche Probleme müssten vor allem durch Regulierung gelöst werden und nicht mit der Geldpolitik.


Ein anderer Student will wissen, welche Bedeutung die so genannte Blockchain-Technologie für die Notenbank habe. Gemeint ist die Technologie, auf der die Onlinewährung Bitcoin basiert. Die virtuelle Währung wird von keiner Notenbank ausgegeben, sondern von Computern mit kryptografischen Algorithmen errechnet. Sämtliche Transaktionen werden in einer dezentralen Datenbank namens Blockchain protokolliert. Die Onlinewährung hat zuletzt mit extremen Kursschwankungen für Aufsehen gesorgt.


Draghis Antwort: „Noch ist die Blockchain-Technologie nicht ausgereift.“ Das entscheidende Thema der Zukunft sei aber die Cybersicherheit. Jede Innovation müsse aus diesem Blickwinkel betrachtet werden.

Vor seinem Gespräch mit den Studierenden äußert sich Draghi in einer Rede zur Jugendarbeitslosigkeit. Der EZB-Chef rechnet mit einem weiteren Abbau der Jugendarbeitslosigkeit im Zuge der anziehenden Wirtschaft in der Euro-Zone. Doch um die strukturellen Ursachen der Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen gezielt anzugehen, seien beispielsweise effiziente Lehrangebote und flexible Regelungen am Arbeitsmarkt nötig. Es sei Aufgabe der Regierungen, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. „Sie sollten es tun - für die Zukunft der Jugend und der Demokratie in den jeweiligen Ländern“, so Draghi.

Auf die Frage, was er heutigen Universitätsabsolventen raten würde, hält sich Draghi knapp. „Bleibt neugierig und verliert niemals euren Mut.“

KONTEXT

Zitate Mario Draghi, Teil 2

5.6.2014

"Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen."

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

"Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht."

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

"Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber."

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: "War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?")

3.9.2015

"Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist."

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihekaufprogramms)

9.3.2017

"Unsere Geldpolitik war erfolgreich."

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.03.2017

"Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist."

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)