Marine Harvest: Megatrend auf hoher See

Thorsten Küfner
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Marine Harvest: Megatrend auf hoher See

Weltweit wird Jahr für Jahr immer mehr Fisch gegessen. Wegen der gleichzeitig zunehmenden Überfischung ziehen die Preise stetig an. Dies freut vor allem Marine Harvest, den weltgrößten Betreiber von Fischfarmen. Langfristig orientierte Anleger liegen mit der Dividendenperle genau richtig.

Donald Trump führt aktuell zwar vor allem einen Twitter-Krieg gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un sowie bei der Nationalhymne kniende Sportstars. Nebenher bereitet er aber auch eine „Executive Order“ vor, bei der es – wieder einmal – darum geht, eine Hinterlassenschaft seines Vorgängers Barack Obama zu zerstören. Denn dieser hatte rund um mehrere US-Pazifikinseln, die noch über einige der am besten erhaltenen Korallenriffe der Welt verfügen, Schutzgebiete errichten lassen. Geht es nach Präsident Trump, soll dort aber möglichst bald wieder gefischt werden.

93 Prozent der Bestände überfischt
Dies zeigt einmal mehr, wie weltfremd der mächtigste Mensch der Welt leider ist. Denn statt einer Verringerung der Schutzgebiete für Fische wäre eher eine Ausweitung der Schutzzonen nötig. So gelten nach den Daten einer Forschungsstelle der Europäischen Kommission 93 Prozent der Mittelmeer-Fischbestände als überfischt. Mittlerweile sind in den letzten 50 Jahren 34 Prozent aller Fischarten verloren gegangen.

Doch ein Ende dieser dramatischen Entwicklung ist vorerst nicht absehbar. Millionen von Fischern, die ihre Familien gerade noch so ernähren können, fürchten sich verständlicherweise vor niedrigeren Fangquoten – auch wenn das auf lange Sicht natürlich ihrem Berufsstand helfen würde. Auch die Politik ist unfähig oder wie im Falle der USA derzeit sogar komplett unwillig, der Realität ins Auge zu sehen und die Fischbestände endlich nachhaltig zu schonen.

Fischverzehr ist weiter en vogue
Doch jegliche Bemühungen zum Schutz der Bestände sind natürlich schwierig angesichts des rasanten Wachstums des Fischverzehrs weltweit (siehe Grafik Seite 7). Denn vor allem in den Industrieländern landet Fisch immer häufiger auf den Tellern. Neben dem Geschmack ist gerade dort für viele Konsumenten wichtig, dass Fisch wesentlich gesünder als etwa Fleisch ist. Gesundheitsexperten zufolge sollte er mindestens zweimal pro Woche gegessen werden. Davon ist beispielsweise der „Durchschnitts-Deutsche“ noch etwas entfernt, aber er arbeitet gewissermaßen daran: So ist der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland 2016 – trotz höherer Preise – von 13,5 auf 14,2 Kilo angestiegen. Damit liegt der Konsum aber immer noch unter dem weltweiten Durchschnittskonsum. Um der auch in den kommenden Jahren – alleine schon aufgrund der steigenden Weltbevölkerung – stetig weiter steigenden Nachfrage gerecht zu werden, muss der Fischfang regelrecht revolutioniert werden.

Daran arbeitet zum Beispiel der weltgrößte Zuchtlachsproduzent Marine Harvest. Die Norweger forschen intensiv da­ran, wie man die Fische schneller und ressourcenschonender züchten kann. Erste Erfolge stellen sich bereits ein: So konnte Marine Harvest etwa den Anteil an Fischmehl und Fischölen im Futter zwischen 2014 und 2016 von 22 auf 18 Prozent verringern. Eine sehr niedriger Anteil, wenn man bedenkt, dass Lachse eigentlich Raubfische sind. Auch wenn die großen Fischfarmen, die Marine Harvest oder deren Konkurrenten Bakkafrost, Grieg oder Leroy Seafood betreiben, oftmals eine Belastung für die Umwelt sind, liegen die ökologischen Vorteile auf der Hand.

So ist der ökologische Fußabdruck bei der Fischproduktion weitaus niedriger als etwa bei der Herstellung von Rind- oder Schweinefleisch. Zudem sind Fische bessere Futterverwerter: Für ein Kilo Lachs muss Marine Harvest lediglich 1,11 Kilo Futtermittel einsetzen. Bei Rind hingegen sind es bis zu zehn Kilo (siehe Grafik Seite 77).

Um die Produktion noch effizienter zu gestalten, verstärkt Marine Harvest derzeit massiv das Engage­ment der Fischzucht auf Tankern. Dadurch sinkt die Gefahr negativer Umwelteinflüsse. Zudem gibt es geringere Auswirkungen auf die umliegenden Ökosysteme als bei den klassischen Fischfarmen im Meer.

Die Nummer 1 im Sektor
Derzeit stammt der Großteil der Lachse bei Marine Harvest jedenfalls noch aus konventionellen Zuchtanlagen. Und damit verdient man weiterhin hervorragend. So kletterte etwa das EBIT im zweiten Quartal 2018 bei einem Umsatzanstieg von 832 auf 884 Millionen Euro um 33 Prozent auf 198 Millionen Euro – eine neue Bestmarke. Darüber hinaus berichtete Marine Harvest über Fortschritte beim Aufbau zusätzlicher Zuchtanlagen in Schottland und Kanada, die in den kommenden Jahren dazu beitragen sollen, weitere Rekordgewinne zu erzielen.

7,5 Prozent Dividendenrendite
Ebenfalls klar für die Aktie spricht: Marine Harvest ist einer der spendabelsten Dividendenzahler Europas. So erhielten die Anteilseigner für das abgelaufene Jahr eine Ausschüttung von insgesamt 9,0 Norwegischen Kronen (umgerechnet 0,96 Euro). Für 2017 rechnen die Analysten mit einem Anstieg auf zwölf Kronen. Dies würde bereits eine Dividendenrendite von 7,5 Prozent bedeuten.
Um die Nachhaltigkeit der hohen Dividende müssen sich Anleger indes keine Gedanken machen. So dürften die Gewinne angesichts der erwarteten Nachfrage- und Angebotsentwicklung tendenziell weiter steigen – wenn auch bei Fischfarmbetreibern Rückschläge wie etwa das verstärkte Aufkommen der gefürchteten Seelaus immer möglich sind. Zudem verfügt Marine Harvest über eine sehr solide Bilanz, die eine anhaltend hohe Ausschüttungsquote (zuletzt waren es knapp 80 Prozent) ermöglicht: Die Eigenkapitalquote betrug zum 30.6. stolze 59,7 Prozent. Und die Nettoverschuldung dürfte Ende 2017 bei nur 700 Millionen Kronen liegen, was etwa dem 0,7-Fachen des EBITDA entspricht.

Chart vor nächstem Kaufsignal
Es ist daher wenig verwunderlich, dass die Aktie kurz vor einem weiteren Allzeithoch steht. So hat sich seit Frühjahr ein aufsteigendes Dreieck ausgebildet. Wird diese Formation durch den Sprung über die Marke von 159 Kronen nach oben hin aufgelöst, wäre aus charttechnischer Sicht anschließend Luft bis etwa 190 Kronen (20,20 Euro).

Und auch auf diesem Niveau wäre die Aktie des Konzerns immer noch nicht zu teuer. Die Bewertung ist mit einem KGV von 11 angesichts zweistelliger Wachstumsraten beim Gewinn noch günstig. Auch im Sektorvergleich sind die Papiere des Branchenprimus mit einem weltweiten Marktanteil von 20 Prozent nicht teuer. Dabei hätte Marine Harvest mit seiner breiten geografischen Aufstellung (die etwa bei einem Aufkommen der Seelaus in bestimmten Regionen von enormem Vorteil sein kann) einen Bewertungsaufschlag im Vergleich zu den Aktien der Rivalen verdient, zumal der Konzern dank seiner schieren Größe wesentlich profitabler ist als die Konkurrenten (siehe Grafik Seite 48).

Fisch ins Depot!
Ernährungsexperten raten: Fisch gehört mindestens zweimal pro Woche auf den Teller. DER AKTIONÄR empfiehlt: Das Papier von Marine Harvest gehört in jedes langfristig angelegte Depot! Denn der Konzern ist für einen Megatrend hervorragend aufgestellt und hochprofitabel. Die Aktie des Weltmarktführers ist zudem dividendenstark und steht kurz vor einem weiteren Kaufsignal.

Dieser Artikel erschien in der Prinat-Ausgabe 41/2017 des AKTIONÄR (Erscheinungsdatum 06. Oktober). Das komplette Heft finden Sie hier.