Marietta Slomka: Deswegen beschwerte sich Horst Seehofer über sie

Nachfragen, bis die Nerven streiken: Marietta Slomka treibt Politiker regelmäßig in die Enge. (Bild: AP Photo)

Sie ist für ihre knallharten Fragen berüchtigt: Marietta Slomka moderiert seit mittlerweile 17 Jahren das „Heute-Journal“ im ZDF und sorgte in dieser Zeit für eine ganze Menge bekannte TV-Momente. Nun verriet die Nachrichtensprecherin, welches Interview in ihrer Karriere die meisten Nachwirkungen hatte.

„Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden!“ Als Marietta Slomka im November 2013 den damaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel live im Fernsehen interviewte, riss diesem schon nach wenigen Minuten der Geduldsfaden. Über den Mitgliederentscheid zu einer großen Koalition wollte Gabriel nur begrenzt reden. Doch die Moderatorin des „Heute-Journals“ ließ nicht locker, worauf Gabriel mehrmals ihren Interview-Stil kritisierte.

In einem Gespräch mit dem Branchenmagazin „Meedia“ hat sich Slomka nun zu ihrer Art des Interviews geäußert, die neben Gabriel auch schon Spitzenpolitiker wie Christian Lindner, Alexander Dobrindt und Markus Söder zu spüren bekommen haben. Über ihre journalistische Herangehensweise sagte die 48-Jährige: „Es ist nicht meine Aufgabe, politische Seelen zu streicheln.“

CSU-Chef Horst Seehofer störte sich an Marietta Slomkas Interviewführung. (Bild: AP Photo)

Konsequenzen gab es für sie bisher nicht – schließlich ist es als Journalistin ihre Aufgabe, harte und unbequeme Fragen zu stellen. Dass Politiker und Parteigänger immer wieder versuchen, beim ZDF zu intervenieren, käme vor. Befremdlich finde Slomka das. Ein einziges Mal drang eine Beschwerde über sie sogar bis ganz nach oben.

Schelte für Gabriel-Interview

Slomka erinnert sich: „Dass sich ein Spitzenpolitiker ganz offiziell bei meinen Vorgesetzten über mich beschwert, habe ich selbst bisher nur einmal direkt mitbekommen – als sich CSU-Chef Horst Seehofer, der zugleich im Verwaltungsrat des ZDF saß, beim Intendanten über ein Interview beschwerte.“ Allerdings war Seehofer nicht selbst der Interviewte. Der bayerische Ministerpräsident regte sich über das oben erwähnte Interview mit Sigmar Gabriel auf.

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Als harte Nachfragerin sieht sich Slomka indes nicht: „Im Gespräch achte ich nur darauf: Wo sind Widersprüche? Wo sind Knackpunkte? Und ich hake nach, wenn ausgewichen wird. Das ist mein Job.“ Die Polit-Journalistin verriet auch etwas über ihre Routine: Vor Interviews bereite sie sich mehrere Stunden am Nachmittag vor. Einem festgelegten Gesprächsplan folge sie jedoch nicht: „Ich mache mir Stichpunkte, überlege mir eine Eingangsfrage, aber ansonsten lasse ich es laufen und reagiere spontan.“

Außerdem äußerte sich Slomka zu den sozialen Medien. Sie habe zwar sowohl einen Twitter- als auch einen Facebook-Account, nutze diese allerdings nur, um passiv interessanten Leuten zu folgen. Ihren Klarnamen verwendet sie auf den Profilen nicht. Slomka: „Ich möchte kein persönliches, prominentes Forum für all jene bieten, die das dann wie eine Klotür nutzen für Hatespeech oder Propaganda.“

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