Marc Surer: "Hülkenberg hat sonst keine Chance"

Christian Nimmervoll
·Lesedauer: 3 Min.

Marc Surer glaubt, dass Alexander Albon bei Red Bull 2021 keine Chance mehr bekommen wird - und hofft, dass Nico Hülkenberg dessen Cockpit übernehmen darf. Der Deutsche wäre in seinen Augen "der ideale" Kandidat für Red Bull, "weil eben dieser Ehrgeiz da ist, etwas zu beweisen", sagt der Formel-1-Experte in einem Video-Interview, das am Freitag unter anderem auf den YouTube-Kanälen unserer Schwesterportale Motorsport-Total.com und Formel1.de veröffentlicht wurde.

"Ich hoffe, dass sie Hülkenberg nehmen. Hülkenberg hat eigentlich sonst keine Chance. Die anderen Plätze sind alle weg", befürchtet der ehemalige Grand-Prix-Pilot aus der Schweiz. Denn ausgehend davon, dass Lewis Hamiltons Unterschrift bei Mercedes nur noch Formsache ist, gibt's lediglich noch bei Haas zwei Formel-1-Cockpits für die Saison 2021 zu vergeben.

Aber dort macht Günther Steiner keinen Hehl daraus, dass eine finanzielle Mitgift erwünscht ist, und so stehen beim US-Team aktuell Ferrari-Junior Mick Schumacher und der aus einer reichen Familie stammende Russe Nikita Masepin am höchsten im Kurs, heißt es. Und selbst wenn nicht Maspin neben einem Ferrari-Junior fahren sollte, dann wohl noch am ehesten Sergio Perez.

Der ist auch bei Red Bull Hülkenbergs schärfster Konkurrent um das freie Cockpit. Perez wäre aus Sicht des österreichisch-britischen Teams eigentlich "logisch", analysiert Surer in dem Video: "Wenn ich jetzt als Teamchef schaue, was Perez macht, muss ich ihn eigentlich nehmen. Geld hin oder her. Weil er ein Garant ist."

"Er kommt immer an. Er ist ein Garant, dass man einen Fahrer im Auto hat, der das Maximum herausholt. Dass er dazu noch Geld mitbringt, ist, glaube ich, bei Red Bull kein Thema. Aber sicherlich gern genommen", sagt Surer und ergänzt: "Ich hoffe es aber für Hülkenberg, dass er die Chance noch bekommt."

"Perez würde ich eher bei Haas sehen. Haas braucht einen Fahrer mit Mitgift, das haben sie ganz deutlich gesagt. Sie haben aus finanziellen Gründen beide Fahrer entlassen. Wenn jetzt aber ein Kaliber wie Perez kommt und auch noch Geld ins Team bringt, wäre das das Idealste, was Haas passieren kann", findet der 82-fache Grand-Prix-Teilnehmer.

"Nur: Die Motivation ist bei Perez sicherlich nicht groß. Soll ich in der Formel 1 bleiben oder nicht?" Zumal Haas aktuell "das zweitschlechteste oder im Moment sogar schlechteste Auto im Feld" sei. Hülkenberg hingegen habe "noch was zu beweisen. Der hat bis jetzt noch kein Podium herausgefahren", sagt Surer.

"Ich hab' genau dieselbe Scheiße erlebt. Ich bin jedes Mal ausgefallen, wenn ich unter den ersten Drei war. Das tut weh, das hinterlässt irgendwie ein unschönes Gefühl: 'Ich war in der Formel 1, aber ich hab's nicht geschafft, aufs Podium zu fahren.' [...] Und er ist auch motiviert. Das hat man gesehen, als er zurückkam, dass er wirklich fit ist und sofort wieder zuschlagen kann."

Dass weder Hülkenberg noch Perez zum Zug kommen und stattdessen Albon auch 2021 bleiben darf, hält Surer für unwahrscheinlich: "Ich hab' schon vor ein paar Rennen gesagt: Warum ist der noch bei Red Bull?' Wir wissen, dass es da natürlich Beziehungen gibt nach Thailand, dass man ihn nicht einfach rausschmeißen kann."

"Grundsätzlich gibt es nicht viel, was dafür spricht, dass er bleiben kann. Ich sehe ihn wie gesagt eher als Handicap. Weil du brauchst ja auch, wenn du Weltmeister werden willst, einen zweiten Fahrer, der auch Input geben kann. Und bei ihm ist es ja so, dass er eigentlich immer Hilfe braucht und nicht Input gibt", kritisiert Surer.

Übrigens: Das ganze Interview mit Marc Surer (55 Minuten) gibt's in ungekürzter Fassung als "Starting-Grid"-Podcast, bei iTunes oder direkt bei unserem Kooperationspartner meinsportpodcast.de. Weitere Videoclips aus dem Podcast erscheinen in den nächsten Tagen auf den YouTube-Channels unserer Schwesterportale Motorsport-Total.com und Formel1.de.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.