Marathonläufer Pflieger: Spitzensport-Reform "Sargnagel für viele Sportarten"

Marathonläufer Pflieger: Spitzensport-Reform "Sargnagel für viele Sportarten"

Marathonläufer Philipp Pflieger hat nach seiner Streichung aus dem Bundeskader die Reform der Spitzensportförderung harsch kritisiert. Diese sei ein "Sargnagel für viele Sportarten in Deutschland", sagte der 31 Jahre alte Regensburger der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten.  
"Es tut mir weh, wenn ich sehe, dass es für Schwimmer oder Läufer keine Zukunft gibt, weil in ihnen kein Medaillenpotenzial gesehen wird. Für eine Sportnation wie Deutschland ist das eine Bankrotterklärung", sagte der Olympia-55. von Rio. Pflieger hatte seinen Kaderplatz auch aufgrund der im Dezember 2016 durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) verabschiedeten Reform verloren: "Auf der einen Seite wird sauberer Sport propagiert, andererseits werden völlig utopische Normen gefordert. Das ist eine Frechheit."
Zugleich übte Pflieger Kritik an den Funktionären des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV). "Ich vermisse jegliches Vertrauen und jeglichen Respekt gegenüber den Athleten", sagte er. DLV-Sportdirektor Idriss Gonschinska verteidigte die Kadernominierungen. Zwar orientiere sich der DLV "nicht allein an Medaillen", doch gebe es eine "öffentliche Erwartungshaltung", sagte Gonschinska: "Natürlich träumen Athleten von den besonderen Momenten der Qualifikation für die Finals oder auf dem Podium. Das heißt aber nicht, dass alle ambitionierten Athleten die gleichen Perspektiven und Entwicklungspotenziale haben."