Der Mann, der die Mavericks in den Olymp katapultierte

Raphael Weber, Robin Wigger

Zusammen mit der deutschen Basketball-Legende Dirk Nowitzki ist er DER Mann in der Geschichte der Dallas Mavericks: Mark Cuban 

Vor genau 20 Jahren, am 14. Januar 2000, kaufte Cuban die Mavs - und baute um Nowitzki ein Team auf, dass sich 2011 zum Meister krönte. 


Unter Cuban trat die einstige Loser-Franchise, die in der 90er-Jahren nie den Sprung in die Playoffs schaffte, aus dem riesigen Schatten der NFL-Franchise Dallas Cowboys heraus. Auch Jahre später ist der etwas andere Teambesitzer in der NBA noch immer eine besondere Erscheinung.

Cuban als Freund der Spieler

Der am 31. Juli 1958 in Pittsburgh geborene Cuban war und ist immer etwas anders als die anderen Owner, gerade zu seiner Anfangszeit. Mit vielen Spielern hatte und hat er ein freundschaftliches Verhältnis.

Ein besonders inniges pflegte Cuban zu Nowitzki, der 1999 zu den Mavs kam. Gerne erinnert er sich an sein erstes Treffen mit dem "German Wunderkind".

"Das war im Jahr 2000, einen Abend vor der Pressekonferenz, auf der ich als neuer Besitzer der Mavericks vorgestellt wurde. Ich habe Dirk in einer Bar getroffen, wusste wer er war. Er kannte mich aber nicht. Ich habe mich nicht vorgestellt, sondern ihm nur ein Bier angeboten. Er hat abgelehnt und ist gegangen. Als wir uns am nächsten Tag auf der Pressekonferenz wiedergesehen haben, hat er nur ungläubig geschaut und den Kopf geschüttelt", erzählt Cuban. 

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Legendär sind auch seine kuriosen Interviews mit den Medien, die er beispielsweise gibt, während er selbst auf einem Stepper steht.

Doch wer ist dieser laute und exzentrische Mann, dessen Vermögen auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt im Mai 2019 mit über vier Milliarden US-Dollar (Platz 478) angegeben wird?

5,7 Miliarden US-Dollar nach Firmenverkauf

Mit einem Studienkollegen von der Indiana University gründete Cuban 1995 das Videoportal Broadcast.com. Dieses verkaufte es vier Jahre später für satte 5,7 Milliarden US-Dollar an Yahoo.

Im Jahr 2000 kaufte er dann für 285 Millionen US-Dollar, eine für heutige Verhältnisse eher niedrige Summe, die Mehrheit an den Mavs. Während die offizielle Website der NBA vom 14. Januar spricht, feierten die Mavs dagegen bereits am 4. Januar das 20-jährige Jubiläum.


Kurios, wie es sich für Cuban gehört, waren die Verhandlungen über den Kauf. Diese führte der unter Höhenangst leidende heute 61-Jährige während eines Helikopter-Fluges. Deshalb dauerten sie wohl auch nur 15 Minuten. Cuban fragte nach dem Preis und sagte dann sofort zu. 

"Ich wusste nichts über Basketball. Und ich hatte nicht wirklich Kontakte. Ich war so aufgeregt. Ich war einfach ein großes Kind, das Spaß mit seinem neuen Spielzeug hatte", sagte er über die Situation vor 20 Jahren. 

Inzwischen sind die Mavs im Vergleich zu damals mindestens das achtfache wert. "Hoffentlich noch hundert Jahre", wolle er die sie behalten: "40 gute Jahre habe ich auf jeden Fall noch vor mir. Ich habe überhaupt keinen Grund, zu verkaufen."

Hohe Strafen nach Kritik an Schiedsrichtern

Bei den Spielen der Mavericks sitzt er folgerichtig meist nah am Spielfeldrand und ist daher oft emotionaler als die meisten Fans bei der Sache. Deshalb liegt er auch oft im Clinch mit den Schiedsrichtern. Das brachte ihm bisher Strafen von annähernd zwei Millionen US-Dollar von seiten der NBA ein. Nach eigenen Angaben spendet er nach jeder Strafe den gleichen Betrag für wohltätige Zwecke.

Eine halbe Million brummte ihm beispielsweise die Liga 2002 auf, als er erklärte, die Referees hätten immer in die andere Richtung geschaut, als Tim Duncan diverse Schrittfehler beging, und diese Aussage noch mit einer persönlichen Attacke gegen den Schiri-Boss Ed Rush garnierte: "Ed Rush mag ein großartiger Ref gewesen sein - aber ich würde ihn nicht mal als Manager eines Dairy-Queen-Ladens einstellen."

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Ein Jahr zuvor hatte Cuban die Mitarbeiter in der Arena aufgefordert, das Standbild einer strittigen Spielszene auf dem riesigen Jumbo-Bildschirm unter der Hallendecke zu zeigen, weil die Referees diese seiner Meinung nach übersehen hatten. Das Ergebnis 100.000 US-Dollar Strafe.

Seine bisherige Rekordstrafe, satte 600.000 US-Dollar, fuhr Cuban erst 2018 ein, weil er in einem Podcast ein offenes NBA-Geheimnis ausplauderte - nämlich, dass Tanking existiert und sogar Spieler dazu angestiftet werden.

"Ich sollte das vielleicht nicht sagen, aber ich habe letztens mit ein paar von den Jungs gegessen und meinte zu ihnen: 'Schaut, verlieren ist gerade unsere beste Option.' Adam (Silver, der NBA Comissioner, Anm. d. Red.) würde das nicht gerne hören, aber wenigstens habe ich mich mit ihnen hingesetzt und es ihnen erklärt."

Silver gefiel die Aussage natürlich nicht, für die Mavs zahlte sich das Tanking trotzdem aus. Mit ihrem frühen Draftpick 2018 schnappten sie sich Supertalent Luka Doncic.

Spende nach Sex-Affäre

Das Jahr 2018 stellt allerdings auch einen negativen Höhepunkt in der Geschichte der Mavs unter Cuban dar. 

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Eine unabhängige Kommission der NBA bestätigte nach einer siebenmonatigen Untersuchung die Vorwürfe von Fällen der sexuellen Belästigung innerhalb der Franchise. Aufgedeckt hatte diese im Februar das Fachmagazin Sports Illustrated. An der Spitze der Beschuldigten stand der frühere Mavs-Präsident Terdema Ussery, der den Verein 2015 nach 18 Jahren verlassen hatte.

Ausdrücklich ausgenommen vom Verdacht wurde Cuban. Er entschuldigte sich öffentlich und spendete zehn Millionen Dollar an Vereinigungen zum Kampf gegen häusliche Gewalt und für eine stärkere Rolle von Frauen im Sport.

Cuban machte auch Fehler

Er selbst hat derweil seit Jahren eine starke Rolle inne. Als Owner ging der Selfmade-Milliardär immer volles Risiko, pumpte immer wieder viel Geld in den Kader, auch für alternde Stars - zwei große Fehler beging er dennoch. Genau dann, als er nicht investieren wollte.

2004 schreckte der Mavs-Besitzer davor zurück, Point Guard Steve Nash einen langen und lukrativen Deal zu geben, Grund waren Zweifel an der Gesundheit des damals 30-Jährigen. "Hätte damals jemand gesagt, dass Steve acht Jahre später noch spielen würde - ich hätte jeden Geldbetrag dagegen gewettet", sagte Cuban dem Fort Worth Star Telegraph: "Alle Ratschläge, die ich zu der Zeit bekam, sagten, dass er irgendwann auseinanderfallen würde. Aber er hat uns alle eines Besseren belehrt."


Der Rest ist Geschichte: Nash ging zu den Phoenix Suns und wurde zweimal in Folge MVP und Cuban erklärte rückblickend: "Es war mein Fehler, Dirk Nowitzki und Steve Nash nicht länger zusammenzuhalten. Diesen Fehler werde ich bei Luka und KP (Kristaps Porzingis, Anm. d. Red.) nicht machen."

Nach dem Meistertitel 2011 beging Cuban zuvor einen weiteren Fehler, als er Säulen aus dem Championship-Team ziehen ließ. Jahre später räumte er ein, dass gerade Tyson Chandler gehen zu lassen, ein Fehler gewesen sei. Statt den alternden Center zu binden, ging Dallas Jahr für Jahr auf die Jagd nach neuen Superstars wie Dwight Howard - fing sich aber eine Absage nach der anderen ein.

Cuban lässt sich Antetokounmpo durch die Lappen gehen

Genau aus diesem Grund zogen sie auch Giannis Antetokounmpo im Draft 2013 nicht an 13. Stelle. Teampräsident Donnie Nelson hatte sich schon auf den athletischen Youngster mit dem komplizierten Nachnamen festgelegt, aber Cuban funkte dazwischen und sorgte für ein weiteres Horror-Kapitel in der Draft-Historie der Mavs.

NBA: Die größten Draft-Flops der Dallas Mavericks

"Donnie und unsere Leute sagten alle: 'lasst uns den Greek Freak holen', aber wir hatten nur zwei Tapes und ihn nur einmal live gesehen. Es war eben das Jahr, als wir Dwight Howard wollten. Das war unser Plan. Es hat nicht geklappt", bekannte Cuban bereits im Sommer.

Um Howard einen Maximalvertrag anbieten zu können, musste Dallas bei den Rookies sparen. Deshalb wählten sie Kelly Olynyk, schickten ihn am Draftabend nach Boston für Lucas Nogueira (Pick 16). Dieser wurde zusammen mit dem ehemaligen Bayern-Star Jared Cunningham und Mike Muscala nach Atlanta weitergereicht - für Point Guard Shane Larkin (Pick 18). Damit sparten die Mavericks 400.000 Dollar. ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte. 

Sein Ruf innerhalb der Franchise hat darunter aber keineswegs gelitten. "Er ist sehr leidenschaftlich. Er will das Beste für uns", sagte J.J. Barea, der seit 2014 wieder bei den Mavs spielt.

Auch Mavs-Coach Rick Carlisle ist voll des Lobes über Cuban: "Eine der Dinge, die ich an meisten an ihm verehrte, ist sein Loyalitätssinn. Wenn du ehrlich bist, geradeheraus und hart arbeitest, ist er für dich da."

Ein ganz besonderer Owner eben.