Er betrog die ganze Sportwelt

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Er betrog die ganze Sportwelt
Er betrog die ganze Sportwelt

Er fesselte die komplette Sportwelt – und täuschte sie wie kaum einer vor ihm.

Lance Armstrong galt zu seiner aktiven Zeit als Beispiel, was man durch unbändigen Willen alles erreichen kann. 1996 erkrankte der US-Amerikaner an Hodenkrebs, Mediziner gaben ihm nur eine geringe Überlebenschance. Diesen besiegte er nicht nur, drei Jahre später feierte Armstrong seinen ersten von insgesamt sieben Tour-de-France-Titeln in Serie.

16 Jahre nach seinem letzten Triumph bei der Frankreich-Rundfahrt ist nicht viel übrig geblieben vom Hype um den einstigen Tour-Dominator. Armstrong, der am Samstag seinen 50. Geburtstag feiert, ist nicht nur im Radsport zur Persona non grata mutiert, auch von seinen vermeintlichen Erfolgen ist kaum noch etwas übrig. Seine sieben Tour-Siege wurden ihm nachträglich alle aberkannt, sein Ruf ist nicht mehr herzustellen.

Ein Rückblick: Rund zwei Jahre nach seiner Hodenkrebs-Erkrankung kehrte Armstrong auf das Rennrad zurück, vor seinem ersten Tour-Sieg gewann er 1993 lediglich die Straßenrad-WM. In den Jahren 1999 bis 2005 war der Texaner auf der Großen Schleife nicht zu schlagen. Er lieferte sich unter anderem auch packende Duelle mit Jan Ullrich.

Armstrongs Tour-Siege aberkannt

Legendär war zum Beispiel die Szene, als der Deutsche 2003 auf seinen gestürzten Widersacher wartete. Auch die Fahrt 2001 hinauf nach Alpe d‘Huez bleibt Radsport-Fans in Erinnerung. Ullrich wurde später ebenfalls des Dopings überführt. Der Deutsche war Teil des Dopingskandals um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes.

Doch ab 2009 zog sich die Schlinge dann auch immer fester um Armstrong. Ehemalige Teamkollegen wie Tyler Hamilton offenbarten die Doping-Praktiken des Rad-Giganten. 2012 wurden Armstrong nach einer Anklage schließlich alle Ergebnisse ab am 1. August 1998 aberkannt. Spätestens da fiel Radsport in eine tiefe Sinnkrise, aus der er sich nur langsam erholt.

Lange hatte Armstrong Doping bestritten, 2013 machte der US-Amerikaner bei Talkmasterin Oprah Winfrey reinen Tisch. Er gab zu, bei all seinen Tour-Siegen leistungsfördernde Mittel genommen zu haben. Epo, Bluttransfusionen, Testosteron, „das war mein Cocktail, wenn man so will“, erklärte er.

Investment bewahrt Armstrong vor der Pleite

Erwischt wurde Armstrong in seiner aktiven Zeit nie. Das dürfte auch daran liegen, dass er das laut der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA) „raffinierteste, professionellste und erfolgreichste Doping-Programm der Sportgeschichte“ aufgebaut hatte.

Der Doping-Skandal hatte auch finanzielle Folgen für Armstrong. Er sah sich mit einer Schadensersatzklage von der US-Regierung in Höhe von 100 Millionen US-Dollar konfrontiert. Durch eine Zahlung von fünf Millionen US-Dollar konnte er diese gerade noch abwenden, allerdings erlitt er durch entgangene Sponsoren-Gelder und weiteren Rückzahlungen einen Gesamtschaden von 111 Millionen US-Dollar, wie er 2018 dem TV-Sender CNBC bestätigte.

Dass der einstige Vorzeigeathlet dennoch weiter Multimillionär ist, hat auch mit einem klugen Investment zu tun. 2009 investierte er 100.000 US-Dollar in das damals gegründete Start-Up-Unternehmen Uber. 2018 belief sich der Wert dieser Investition irgendwo „zwischen 10 und 50 Millionen US-Dollar“. Das Geld habe seine Familie gerettet, erklärte er.

Armstrong bereut Doping nicht

Von Reue ist beim Dopingsünder übrigens keine Spur zu sehen. „Ich würde nichts anders machen“, sagte der frühere Rad-Star 2019 in einem Interview bei NBCSN. Seine simple Erklärung: „Wir haben das getan, was wir tun mussten, um zu gewinnen.“ Es sei zwar nicht legal gewesen, „aber ich würde nichts ändern, auch wenn ich viel Geld verloren habe und vom Helden zur Null geworden bin“.

Ein Jahr später gestand er sogar, dass er bereits vor seiner Hodenkrebs-Erkrankung im Alter von rund 21 Jahren mit dem Doping angefangen habe. Der WM-Titel von 1993 wurde ihm bisher allerdings noch nicht aberkannt.

Trotz seiner Doping-Vergangenheit ist Armstrong dem Radsport weiter verbunden. In seinem Podcast spricht der fünffache Familienvater mit seinen Gästen auch über das aktuelle Radsportgeschehen. Auch privat steigt der 50-Jährige noch gern auf das Rad. In den Rocky Mountains von Colorado, wo er lebt, trifft er sich mit Freunden noch öfter zu Radtouren.

Sein 50. Geburtstag wird in der Sportberichterstattung bestenfalls eine Randnotiz bleiben. Das hat er sich selbst zuzuschreiben.

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