Der Mann, der Bayerns Dominanz den Weg ebnete

Carsten Arndt
·Lesedauer: 3 Min.

"400 Mark von der Firma, 400 Mark vom FC Bayern."

Als sich Rainer Ohlhauser dem FC Bayern anschließt, findet sich in seiner Jobbeschreibung nicht nur das Wort "Stürmer" wieder, sondern auch Stahlbauschlosser.

Es ist das Jahr 1961, als Ohlhauser im Alter von 19 Jahren den Schritt vom SV Sandhausen in die bayerische Landeshauptstadt wagt - er sollte sich als richtig erweisen. (Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

"Ich hatte vorher nur ein Jahr einen Trainer gehabt - bis 19 hatte ich mir alles selbst angeeignet", erzählte der Torjäger dem Bayern-Magazin 51 anlässlich seines 80. Geburtstags am 6. Januar.

Traum-Duo beim FC Bayern mit Gerd Müller

"Wir waren damals noch keine Vollprofis, deswegen musste ich auch arbeiten. Von 7 bis 16 Uhr war ich in der Firma. Zwei-, dreimal die Woche war dann um halb sechs Training und am Wochenende hatten wir ein Spiel", berichtete er vor einiger Zeit bei Spox.

Mit Sporttasche in der Hand fuhr er damals mit der Straßenbahn zum Training. "Stellen Sie sich mal vor, Kimmich oder Neuer würden mit der Straßenbahn zum Training fahren? Mich hat ja damals kaum einer erkannt", sagte er einst dem Mannheimer Wochenblatt.

Erst im Jahr 1964 wurde Ohlhauser dann Profi - und bildete mit Gerd Müller ein beinahe unaufhaltsames Sturmduo.

Mit 86 (!) Toren (Müller 49, Ohlhauser 37) schoss das Duo den FCB in die Bundesliga. Ein Jahr nachdem diese gegründet wurde. Ein Jahr nachdem die Bayern in der Vorsaison noch dem Stadtrivalen 1860 München hatten den Vortritt lassen müssen. (Die Tabelle der Bundesliga)

Ohlhauser erzielt erstes Bundesliga-Tor des FC Bayern

Von da an sollte der bis heute andauernde Siegeszug der Münchner in Deutschlands höchster Spielklasse beginnen - und "Oki" Ohlhauser, wie er vom damaligen FCB-Trainer Tschik Cajkovski getauft wurde, gelang der Startschuss.

Der Nordbadener, dem Beobachter neben seines Torinstinkts auch eine enorme Schnelligkeit nachsagen, erzielte am 21. August 1965 im Grünwalder Stadion in München das 1:0 gegen Eintracht Frankfurt. Es war am 2. Spieltag das erste Tor in der langen und erfolgreichen Bundesliga-Geschichte des FC Bayern.

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Als Ohlhauser den FCB 1970 verlässt und in die Schweiz zu den Grasshoppers aus Zürich wechselt, hat er in über 300 Spielen 222 Pflichtspieltreffer für die Bayern erzielt. Er hat drei Mal den DFB-Pokal gewonnen, 1967 den Europapokal der Pokalsieger geholt und ist 1969 Deutscher Meister geworden.

"Der Aufstieg war die Basis von allem, der Europapokalsieg in Nürnberg war grandios - aber für mich war das Double das Schönste. Die Meisterschaft ist einfach etwas Besonderes, und dann haben wir noch den Pokal geholt - das erste Double des FC Bayern: historisch", blickt Ohlhauser im Magazin 51 auf seine Karriere zurück.

Mit Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier gespielt

Und Ohlhauser schwärmt: "Ich habe mit den Besten zusammengespielt, mit Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier - das war eine absolute Ehre."

Nach dem Ende seiner Karriere kehrte "Oki" in seinen Heimatort Dilsberg in Neckargmünd zurück. Der Fußball hat ihn bis heute nicht losgelassen.

"Ab und zu treffe ich mich noch mit ehemaligen Bayern-Spielern wie Peter Grosser, Adi Kunstwadl oder Mucki Brenninger", verrät Ohlhauser, "aber meistens gehe ich eher nach Sandhausen oder zu meinem Heimatverein FC Dilsberg. Da bin ich Dauergast, da kenn' ich jeden."