„Seid manipulativ und gefräßig“: Mit diesen martialischen Sprüchen setzt Ryanair-Tochter Flugbegleiter unter Verkaufsdruck

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"Lauda Europe" ist eine Tochter von Ryanair.
"Lauda Europe" ist eine Tochter von Ryanair.

Ein neuer Brief untermauert den Verdacht, dass die Flugbegleiter der Ryanair-Tochter Lauda Europe einem erheblichen Verkaufsdruck ausgesetzt sind. Mit martialischen Metaphern hat ein Manager der Airline versucht, seine Mitarbeiter auf die – wie er es nennt – „Jagdsaison“ einzuschwören. Um die Jagd zu gewinnen, scheinen ihm alle Mittel Recht: „Vertraut auf eure tierischen Instinkte. Seid clever. Seid manipulativ. Seid gefräßig“, heißt es in dem Brief. Gemeint ist der Verkauf von Produkten an die Passagiere der Billig-Airline.

Den Brief hat die österreichische Gewerkschaft Vida gestern bei Twitter veröffentlicht. Er ist auf den 31. März 2021 datiert und bezieht sich auf den März-Umsatz des Bordverkaufs. So sei das Verkaufsziel in Höhe von durchschnittlich 1,53 Euro pro Passagier und Flug an der Basis Wien nicht erreicht worden. Die Flugbegleiter hätten im Schnitt nur 1,26 Euro erzielt – 18 Prozent unter dem von dem Management vorgegebenen Soll.

https://twitter.com/DanielLiebhart/status/1413189446611132418

Der Manager, laut Signatur der Wiener „Base Supervisor“, drückt seine Enttäuschung über die Verfehlung aus und kündigt an, das „Spiel“ werde sich ab morgen ändern. Es gebe nur eine Regel: „Jagen oder gejagt werden. Wir werden nicht gejagt, wir sind die Jäger!“ Der Supervisor kündigt einen letzten Ratschlag an, denn die Flugbegleiter befänden sich ab sofort „in der Höhle des Löwen“ und beträten „das Rudel der Wölfe“. Nach Ansicht des Managers stünden „Wilde vor der Tür“. „Das Unheil lauert hinter jeder Ecke. Bist du ein Schaf oder ein Wolf? Ein Bär oder ein Stier?“ Der Brief endet mit den Worten: „Die Jagdsaison hat gerade erst begonnen. Ich hoffe, ihr seid hungrig.“

Gewerkschaft: Tonfall und Art widersprechen der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Daniel Liebhart, Fachbereichsleiter für Luftfahrt bei der Gewerkschaft Vida, erklärt, er stelle sich angesichts des Tonfalls die Frage, ob es sich um eine Fluggesellschaft oder eine Jagdgesellschaft handele. „Manipulatives Verhalten und Flugbegleiter auf Jagd zu schicken, widersprechen der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers deutlich“, sagt er Business Insider. Der raue Ton überrasche ihn allerdings nicht.

Schon vergangene Woche hat er im Gespräch mit uns beklagt, dass Ryanair bei der Auswahl der Kabinencrews die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Süd- und Osteuropa ausnutze und bevorzugt Menschen aus Griechenland, Bulgarien, Spanien und Rumänien zu Dumping-Bedingungen einstelle. Der Ton sei Teil der Unternehmenskultur bei Ryanair und „solange die entsprechende Marge abgeworfen wird, werden sie das wohl nicht ändern“.

Umsatzziel ist von März bis Juni gestiegen

Schon in der vergangenen Woche wurde eine interne Whatsapp-Nachricht des gleichen Supervisors publik. Die Nachricht stammt von Ende Juni und bezieht sich vermutlich auf das Umsatzziel im Juni. Er wirft den Flugbegleitern vor, das Ziel nicht erreicht zu haben. Es ist höher als das Ziel vom März: 1,70 Euro hätten die Flugbegleiter im Schnitt pro Flug und Gast einnehmen sollen. Umgesetzt wurden laut Supervisor im Schnitt 1,07 Euro.

Nach seiner Interpretation zeige das „mangelndes Engagement und schlechte Führung der Kabinenbesatzungen“. Er drohte in der Nachricht, zu untersuchen, wenn ein Flugbegleiter 15 Minuten am Stück nichts verkauft hat und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Ausreden wie „Die Passagiere haben geschlafen“ oder „Die Gäste hatten ihr eigenes Essen dabei“ lasse er nicht gelten.

Ryanair wollte die Vorgänge auf Nachfrage von Business Insider nicht kommentieren, da es sich dabei um interne Kommunikation eines Vorgesetzten von Lauda an seine Mitarbeiter handele.

Ihr arbeitet auch bei einer Airline und habt ähnliche Erfahrungen gemacht? Falls ihr sie mit uns teilen wollt, gerne auch anonym, schreibt uns eine Mail an christian.mayer@businessinsider.de

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