Manager, aufgepasst: Besonders erfolgreiche Teams fluchen und tratschen

·Lesedauer: 3 Min.

Der Aufbau leistungsfähiger Teams ist eine Top-Priorität für Arbeitgeber und einzelne Chefs gleichermaßen. Doch wie baut man sie auf? Man stelle eine Gruppe von Menschen mit der richtigen Mischung aus Talenten und beruflichen Fähigkeiten zusammen, fördere eine gute Kommunikation, nähre das Vertrauen – so ist der Konsens. Aber wie sieht ein gutes Team in Bezug auf das alltägliche Verhalten aus? Eine neue Umfrage unter mehr als 1.100 amerikanischen Büroangestellten gibt Aufschluss.

Die Studie von Ignite80, einem Lern- und Entwicklungsunternehmen, zeigt, dass leistungsstarke Teams eher Witze machen, GIFs und Emojis verschicken, ihre Teamkollegen necken und vor Kollegen fluchen. Die Teammitglieder diskutieren auch häufiger über nicht arbeitsbezogene Themen. Sie sprechen zum Beispiel über Bücher, tratschen und treffen sich auf einen Kaffee oder einen Drink. Kurz gesagt: Sie verhalten sich eher wie Freunde als wie Kollegen.

Aktuell überlegen Chefs auf der ganzen Welt, wie sie die besten Arbeitsweisen für virtuelle, hybride und persönliche Teamarbeit entwickeln können. Gerade jetzt also liefern die Studienergebnisse Hinweise für Manager, die das Beste aus ihren Mitarbeitern herausholen wollen. Allerdings sei es nicht so, dass Fluchen oder Tratschen zwangsläufig zu stärkeren Beziehungen führe, sagt Ron Friedman, Sozialpsychologe und leitender Forscher der Studie. „Es geht darum, dass enge Beziehungen eine Vielzahl von Verhaltensweisen auslösen, die oberflächlich betrachtet überhaupt nicht wie harte Arbeit aussehen“, sagte er.

Das steht im Einklang mit früheren Untersuchungen zur Leistungsfähigkeit von Teams, die zeigen, dass Menschen umso produktiver sind, je enger sie sich mit ihren Kollegen verbunden fühlen. „Das liegt daran, dass wir alle ein psychologisches Grundbedürfnis nach Verbundenheit und Zugehörigkeit haben“, so Friedman. „Die meisten Unternehmen konzentrieren sich auf die Rekrutierung von Spitzentalenten und behandeln menschliche Beziehungen und Zugehörigkeit als zweitrangig.“ Genau das sei ein Fehler, so der Sozialpsychologe.

Lektionen für Manager

Die Umfrage ergab, dass Anerkennung zu geben und zu erhalten, eine Angewohnheit leistungsstarker Teams ist. Deren Mitglieder bringen eher Wertschätzung für Leistungen zum Ausdruck und erhalten diese auch eher, als dies bei leistungsschwächeren Teams der Fall ist.

Laut dem Organisationspsychologen Jack Wiley spielen Chefs eine entscheidende Rolle bei der Förderung dieses Verhaltens. Einfühlungsvermögen sei dabei der Schlüssel – vor allem, wenn die Teams nicht alle an einem Ort sind. „Manager können enge Beziehungen zwischen ihren Teammitgliedern in Gang bringen, indem sie vorleben, wie man Unterstützung leistet“, sagte er. „Sie sollten anderen für ihre großartigen Ideen Anerkennung zollen, gute Arbeit loben und das Engagement der Mitarbeiter bei der Erledigung ihrer Aufgaben anerkennen. So bleiben die Leute motiviert für ihre nächsten Aufgaben.“

Die Ergebnisse unterstreichen auch deutliche Unterschiede zwischen leistungsstarken und weniger leistungsstarken Teams in Bezug auf Kommunikationsrhythmus, -häufigkeit und -inhalt. Erfolgreiche Teams kommunizieren zum Beispiel insgesamt mehr und verwenden häufiger Sprach- und Videokommunikation als ihre weniger erfolgreichen Kollegen. Außerdem checken sie ihre E-Mails eher abends, an Wochenenden und im Urlaub.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass ein mäßig hohes Maß an Verbundenheit zwischen den Teammitgliedern eine hohe Leistungsfähigkeit voraussagt. Aber es besteht auch die Gefahr eines „zu viel des Guten“. Die Art und Weise, wie Teams Kommunikationstools wie Slack oder Zoom nutzen, sei oft entscheidend. Das sagte Rob Cross, Professor für Global Leadership am Babson College im US-Bundesstaat Massachusetts. „Instant Messaging eignet sich hervorragend, um schnell Informationen von einem Teamkollegen zu erhalten oder einen Witz zu teilen, der die Stimmung auflockert und die Teammitglieder einander näher bringt“, sagte er. „Aber wenn man es zu weit treibt, kann es zu einem Instrument werden, das eine ungesunde ‚Always-on‘-Mentalität fördert, bei der die Mitarbeiter das Gefühl haben, sofort und rund um die Uhr reagieren zu müssen.“

Manager müssten Cross zufolge daher unbedingt das richtige Gleichgewicht finden: Einerseits sollten sie für enge Beziehungen sorgen, andererseits sollten sie den Mitarbeitern das Gefühl geben, dass die sich auch erfolgreich ausklinken können. Dabei könne es helfen, Normen und Erwartungen für die Kommunikation innerhalb des Teams zu schaffen. Das Ziel sei es, so Cross, dass die Führungskräfte eine „zielgerichtete Zusammenarbeit“ fördern.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.