„Das kann man niemandem erklären“


Politiker reagieren mit Unverständnis und Empörung auf Medienberichte, wonach die Deutsche Bank trotz erneuter Jahresverluste Boni von etwa einer Milliarde Euro an ihre Mitarbeiter und Manager ausschütten will. SPD-Chef Martin Schulz sagte der „Bild“-Zeitung: „Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs. Wenn in dieser Situation Boni in Höhe von einer Milliarde Euro ausgeschüttet werden, dann verliert ein Unternehmen nicht nur an Ansehen. Das schadet insgesamt unserer Solidargemeinschaft.“ Der Politiker fügte hinzu, dass die deutsche Solidargemeinschaft von Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit lebt.

Auch die Bundesregierung hat Kritik an den angekündigten Bonuszahlungen anklingen lassen. Das Institut sei ein Privatunternehmen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. „Gleichwohl muss sich die Unternehmensleitung selbstverständlich fragen, welchen Eindruck sie in der Öffentlichkeit erzeugt.“

Bereits Anfang Januar hatte das Handelsblatt berichtet, dass sich das Topmanagement des Geldhauses darauf geeinigt hatte, für 2017 Boni in einer Größenordnung von einer Milliarde Euro zu zahlen. Auch die Vizechefs der Deutschen Bank, Marcus Schenck und Christian Sewing, hatten sich in einem Interview mit dem Handelsblatt für eine deutlich höhere Vergütung eingesetzt.


Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ griff dieses Thema am Wochenende erneut auf. Im Vorstand des Geldhauses habe es über die Höhe der Boni eine kontroverse Debatte gegeben, berichtete das Blatt unter Berufung auf einen hochrangigen Banker. Nun aber wolle die Deutsche Bank für 2017 trotz roter Zahlen insgesamt mehr als eine Milliarde Euro Boni zahlen.

Nicht nur Schulz, auch der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Thorsten Schäfer-Gümbel, reagierte am Wochenende mit Empörung auf diese Summe. Er sagte der „Bild“-Zeitung: „Millionen-Boni trotz Verlusten widersprechen jeglichem Gerechtigkeitsempfinden. Einerseits Arbeitsplatzabbau, andererseits goldene Nasen in der Führungsetage – das kann man niemandem erklären.“ Die SPD wolle deshalb in den Koalitionsverhandlungen mit der Union die steuerliche Absetzbarkeit von Bonuszahlungen begrenzen.


Ähnlich äußerte sich der CDU-Sozialexperte Matthias Zimmer in der „Bild“-Zeitung: Die Boni seien „eine eigenwillige Interpretation des Grundsatzes, dass sich Leistung lohnen soll“. Weiter sagte er: „Man kann die Legitimität einer Wirtschaftsordnung durch solche Praktiken gefährden.“

Die Deutsche Bank ließ die jüngsten Berichte unkommentiert. Nach zwei Milliardenverlusten in Folge hatte bei der Deutschen Bank laut vorläufigen Zahlen auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer John Cryan mit einem Minus geendet.