Was man über kostenlose Short-Seller-Berichte wissen sollte

Motley Fool Investmentanalyst

Es wird oft gesagt, dass man das bekommt, wofür man bezahlt. Ich würde empfehlen, sich diesen Rat zu Herzen zu nehmen, wenn man es mit kostenlosen Forschungsberichten von Leerverkäufern zu tun hat. Es ist nicht von Grund auf falsch, Aktien leer zu verkaufen oder Handelstipps von einem Forschungsunternehmen anzunehmen, aber es ist wichtig zu beachten, dass es oft Probleme gibt, wenn man Ratschläge von einem solchen Unternehmen annimmt.

Das derzeit bekannteste und einflussreichste Unternehmen aus diesem Bereich ist Citron Research und mit seinem übermütigen Gründer Andrew Left steht es im Moment im Fokus der Kritik. Berühmt wurde das Unternehmen durch einen legendären Short Call bei Valeant Pharmaceuticals mit detaillierten Beispielen für das betrügerische Verhalten des Unternehmens.

In jüngerer Zeit hat Citron einige bemerkenswerte Fehleinschätzungen veröffentlicht, darunter Short-Positionen bei Tesla, Shopify (WKN:A14TJP) und Ubiquiti Networks. In jedem Fall wurde die Aktie unmittelbar nach dem Bericht abverkauft, stieg aber auch schnell wieder und brachte langfristige Anleger, die die Warnung ernst nahmen und leer verkauften, um eine Menge Geld.

Citron war im März damit beschäftigt, seinen Short auf Shopify zu bestätigen (oder einen neuen Short zu etablieren – wir wissen es nicht, weil Citron nicht bekannt gibt, wann es Short-Positionen schließt und ob diese Positionen zu Gewinnen oder Verlusten führen). Zusätzlich startete das Unternehmen eine neue Short-Position auf Twitter (WKN:A1W6XZ). Dieser zweite Schritt erfolgte weniger als zwei Monate nachdem man noch bullisch in Bezug auf das Unternehmen gewesen war.

Wie zuvor schon erlebten beide Aktien einen Ausverkauf, als Left auf CNBC die Leerverkäufe ankündigte. Dabei fiel Shopify um 3 % und Twitter um 12 %.

Vorsicht ist also geboten

Ich habe zwei wichtige Bedenken bei kostenlosen Berichten und das Gefühl, dass man sich zwar in einer rechtlich einwandfreien, aber ethischen Grauzone befindet. Das erste Problem dabei ist das Front-Running. Das ist der Fall, wenn ein Händler auf einen großen Auftrag für ein Wertpapier aufmerksam wird und diesen dann über seinen Account laufen lässt, bevor dieser Auftrag ausgeführt wird um die Wertpapiere dann zu einem höheren Preis an den Kunden weiterzugeben.

Diese Leerverkäufer sind zwar nicht im Besitz von Informationen über zukünftige Aufträge, aber ihr „Prominentenstatus“ gibt ihnen eine marktbewegende Stellung. Wenn Leerverkäufer eine Short-Position initiieren, dann veröffentlichen sie Forschungsberichte und behaupten an jedem Finanzplatz, es gäbe Betrug, unethische Geschäftspraktiken oder was auch immer. Wenn der Markt dann reagiert, ist das eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, unabhängig davon, ob die Behauptung richtig ist.

Für den Fall, dass die Analysten ihre bärischen Prognosen übertreiben oder wissentlich falsche Anschuldigungen verbreiten, um den Aktienkurs zu senken, ist das eine informationsbasierte Marktmanipulation. Das ist oft schwer zu beweisen, da den Analysten Spielraum für ihre Analysen eingeräumt wird.

Aber wenn eine Nachricht absolute Begriffe wie „totaler Betrug“ und „auf Null gehen“ enthält, sollte das ein Alarmzeichen für den Leser sein. Das sind schwerwiegende Anschuldigungen, die mit Beweisen untermauert werden müssen. Leider gibt es bei einigen dieser kostenlosen Berichte keine Beweise — es scheint, dass sie nur Selbstzweck sind, als wirkliche Bedenken über das Unternehmen.

Noch mehr Vorsicht ist geboten

Leider ist es oft so, dass die Regulierungsorganisationen, die uns Investoren schützen sollen, hier nicht eingreifen können. Stattdessen müssen die Investoren begreifen, dass Leerverkäufe oft vorübergehender Natur sind und die Anschuldigungen in vielen Fällen einer Überprüfung nicht standhalten. Für den Fall, dass du einem Leerverkäufer  folgst, ist es unerlässlich, die Grundlagen des Leerverkaufs zu kennen und zu prüfen, ob die Anschuldigungen fundiert sind.

Außerdem solltest du dich vor Leerverkäufern hüten, die ihre Positionen nicht offen legen. Es ist möglich, dass viele  von dem Abwärtssog profitieren, der entsteht, wenn du deine Long-Position verkaufst oder wenn du dich ihnen in diesem Short anschließt. Dein Verhalten könnte es sein, das dem Leerverkäufer hilft — und das alles auf deine Kosten. Kurz gesagt, nur weil etwas kostenlos ist, heißt das nicht, dass es dich nichts kostet.

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The Motley Fool besitzt Aktien von Shopify, Tesla, Twitter, Ubiquiti Networks und Valeant Pharmaceuticals.

Dieser Artikel wurde von Jamal Carnette auf Englisch verfasst und am 04.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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