Mamas&Papas: Mit den Zeugnissen naht die Zeit der Geschenke

Präsente für Lehrer sind nicht immer nur Herzenssache, sondern eine Form von Alltagskorruption, meint Hajo Schumacher.

Wir sind eine großzügige Familie. Hans geht freigiebig mit Klopapier um, Karl mit seiner Tagesfreizeit, die Chefin mit der Haushaltskasse und ich mit meiner Geduld, die kurz vor den Sommerferien stets strapaziert wird. Bereits kurz nach Ostern kamen die ersten Mails aus der Elternschaft, was man denn den Lehrern schenke. Klar: Nach Nikolaus, Weihnachten, Silvester, Zwischenzeugnis, Ostern, Kur­anfang, Pfingsten und Einfach-mal-so-als-nette-Geste ist vor den Zeugniskonferenzen höchste Geschenkezeit. Den Numerus clausus gibt's nicht umsonst.

Als Schenken noch die Ausnahme war, da galt: Genesung, runder Geburtstag, Dienstjubiläum und Abschied. Heute wird täglich geschenkt, zurückgeschenkt und der Krempel dann an Recyclinghof, Ebay oder bei der Wochenendeinladung durchgereicht. "Geschenkefrei" stellte ich vor drei Wochen donnerstags überrascht fest. Hans und Karl guckten grimmig, als mir die Chefin weinend vor Glück in die Arme fiel.

Vor die Frage "Was schenken?" gehört ein mutiges "Warum?". Wenn schiere Anwesenheit genügt, müsste ich auch mal was geschenkt bekommen. Ist der Lehrerberuf Anlass genug? Haben Mathe und Latein nicht größere Präsente verdient als Sport und Kunst? Und was ist mit Müllwerkern, Polizisten, Bus- und U-Bahn-Piloten sowie den Putzleuten rund ums Schulklo? Geschenkegerechtigkeit gehört umgehend ins Wahlprogramm von Martin Schulz.

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Seien wir ehrlich: Geschenke für Lehrer sind nicht immer nur Herzenssache, sondern eine...

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