Mamas & Papas: In der Grauzone von Macht und Begehren

Tanzende Clubgänger

Wir sind eine teilnahmsvolle Familie. Leider können wir Eltern nicht überall teilnehmen, schon gar nicht am ernsthaften zwischenmenschlichen Annähern. Ich war vielleicht 17 Jahre, als mich Eros hinterrücks erlegte. Mein Vater war einige Jahre zuvor gestorben, meine Mutter mit meiner Erziehung "heillos überfordert", wie sie klagte. Damals lachte ich. Heute weiß ich, was sie meinte.

Allen Gesetzen zum Schutze der Jugend zum Trotz trieb ich mich im überschaubar ausschweifenden Nachtleben meiner Heimatstadt Münster umher. In einem Amüsierbetrieb namens "Eule" war auch nach Mitternacht noch was los. Ich war ziemlich lang geraten und versuchte, mit souveränem Führerscheingesicht am Türsteher vorbeizumarschieren. Erfolgsquote etwa 50 Prozent. Im Halbdunkel des Kellerlokals wurde geraucht, getrunken, getanzt, gebaggert. Mein Geld reichte für eine Bacardi-Cola. Vom Tresen aus beobachtete ich das Treiben, halb verängstigt, halb aufgeregt. Eines Abends kam eine Dame auf mich zu, etwa doppelt so alt wie ich. Sie machte mir Komplimente, flößte mir süße Getränke ein, auf ihre Kosten. Sie tanzte schubbernd. Ich wusste nicht, wohin mit meinen Gedanken, Gefühlen, Händen. Die Machtfrage war brutalstmöglich geklärt: Sie war erfahren, abgebrüht, zielstrebig, ich willenlose Watte. Ist das Konsens? Sie schleppte mich mit zu sich. Zitternd erfüllte ich vermutlich nur einen Teil der Erwartungen. Dankbar meine ich mich daran zu erinnern, dass sie immerhin nie an der falschen Stelle lachte.

Als der Morg...

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