„Mama’s Wohnzimmer“ : Barbetreiber erinnern mit Bildern an verstorbene Mutter

Davide Sproviero und Andreas Parmentola haben die Bar in Gedenken gegründet.

Wer die Bar „Mama’s Wohnzimmer“ am Chlodwigplatz besucht, bei dem stellt sich schnell das Gefühl ein, „Mama“ sehr gut gekannt zu haben. Ihren Musik- und Buchgeschmack, ihre Vorbilder, ihr Temperament. An einer Wand hängen Bilder von Frida Kahlo, an den übrigen liebevoll montiert kleine Bücherstapel mit Klassikern und Gedichtbänden. Viel Hesse findet sich dort, zum Beispiel, oder „Das Parfum“. Im Hintergrund läuft leise Amy Winehouse.

„Mama“ Beatrice selbst wird man in diesem Raum persönlich nicht mehr antreffen. Sie ist vergangenes Jahr an Eierstockkrebs gestorben. Davide Sproviero und Andreas Parmentola haben die Bar in ihrem Andenken gegründet. Heute sitzen sie gemeinsam in ihrem noch frischen Reich, Davide groß mit Hut und schweren Ringen an den Fingern, Andreas mit ordentlichem Hemd daneben.

Davides Mutter hat für das Paar eine wichtige Rolle gespielt

„Andi und ich wollten einfach noch etwas für Mama tun“, sagt Davide. Auf seinem Unterarm stehen zwei Zahlenfolgen, 050669 und 280816. Der Geburtstag seiner Mutter – und der Tag ihres Todes. „Das war ein Riesenschock für die Familie. Die Hölle. Meine Mutter hat in unserem Leben eine unheimlich wichtige Rolle gespielt.“

Das gilt nicht nur für Davide und seinen Vater, sondern auch für seinen Lebensgefährten Andreas. Er kannte Beatrice fast ebenso lange wie Davide. Nannte er sie anfangs noch Trixie, war sie irgendwann auch für ihn nur noch „Mama“. „Das hat sich einfach so entwickelt“, sagt er.

Irgendwann, in all den Jahren, die sie zusammen aufwachsen. Davide und Andreas lernen sich bereits in der ersten Klasse kennen, fünf Jahre alt sind sie damals, leben noch in Stuttgart. „Seitdem waren wir unzertrennlich, wie Geschwister. Wir haben alles miteinander erlebt“, erzählt Davide. Andreas verbringt viel Zeit bei Familie Sproviero, Beatrice nennt ihn spaßeshalber den „guten Sohn“. Zur Ausbildung geht Andreas dann nach Bayern, drei Jahre haben die beiden kaum Kontakt.

Beatrice starb an Eierstockkrebs

Als er wieder kommt, hat sich etwas verändert. „Es war nicht mehr nur eine Freundschaft. Da war plötzlich viel mehr“, sagt Davide. Es dauert noch gut zwei Jahre, bis die beiden sich das eingestehen können. Ende 2015 eröffnen sie Beatrice beim weihnachtlichen Plätzchenbacken, dass sie ein Paar sind. „Meine Mutter hat Freudensprünge gemacht, trotz ihrer kaputten Hüfte. Sie war so happy. »Ich wusste es die ganze Zeit!« hat sie gesagt.“

Vermutlich wäre es allen Beteiligten am liebsten, wenn die Geschichte der beiden – der drei – an dieser Stelle enden würde. Nur kurze Zeit später folgt Beatrices Diagnose: Eierstockkrebs, im Endstadium. Sie wird bestrahlt, operiert, doch es haben sich Explosionstumore gebildet. Im August stirbt sie mit 47 Jahren.

Sie richten den Raum mit Büchern der Mama und Bildern der Freunde ein

Mitten in die Trauer hinein wird die Idee der Bar geboren. Der Plan, all das zu nehmen, das Beatrice, die Bibliothekarin, hinterlassen hat und damit etwas Neues aufzubauen. Davide und Andreas beschließen, von Stuttgart nach Köln zu ziehen; bei der Pacht des Gebäudes setzen sie sich gegen 400 Bewerber durch. Richten den Raum ein, mit den Büchern der Mama und Bildern der Freunde an den Wänden, mit gemütlichen Ledersesseln und gedämpfter Glühbirnenbeleuchtung. Lassen sich von einem Freund Bücher auf die Fassade pinseln und stellen ihr Sortiment zusammen: Cocktails, Longdrinks, Wein, Bier und Gin, aber auch Kaffeespezialitäten.

Und bald, bald soll es dann auch den dazugehörigen „Papa“ in das Wohnzimmer ziehen. Der Friseur soll seine eigene Ecke in der Bar bekommen und tagsüber, bevor der große Betrieb losgeht, noch ein paar Köpfe frisieren. Vielleicht auch mal am Wochenende. Beim „Drink&Cut“ könnten sich die Gäste schon für die folgenden Partys zurechtmachen lassen – mit einem guten Buch und einem Glas Rotwein. Oder vielleicht mit „Mama’s Cocktail“: „Der ist mit Chili“, erzählt Davide. „Das entsprach ihrem Temperament.“

Mama’s Wohnzimmer, Im Ferkulum 30, 50678 Köln, Öffnungszeiten: ab 18 Uhr bis open end....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta