Mali überstellt Islamisten an Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag

Ein mutmaßlicher Islamist aus Mali, dem Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Wüstenstadt Timbuktu zur Last gelegt werden, ist dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) überstellt worden. Wie das Gericht in Den Haag am Samstag mitteilte, wurde Al Hassan Ag Abdoul Aziz Ag Mohamed Ag Mahmoud von den malischen Behörden ausgeliefert. Ihm wird demnach auch Folter und Vergewaltigung vorgeworfen.

Der IStGH hatte am Dienstag einen Haftbefehl gegen den Beschuldigten ausgestellt. Chefanklägerin Fatou Bensouda stuft die Zerstörung von religiösen Bauwerken in Timbuktu zwischen April 2012 und Januar 2013 als Kriegsverbrechen ein. Die Überstellung an den IStGH sende an alle, die mit solchen Verbrechen "das Gewissen der Menschheit erschüttern", die "starke Botschaft", dass sie bei der Erfüllung ihres Mandats "standhaft" bleibe, erklärte Bensouda.

Al-Hassan ist der zweite malische Islamist, der in Den Haag vor Gericht gestellt wird. Im September 2016 hatte der IStGH den Ex-Dschihadisten Ahmad Al Faqi Al Mahdi wegen der Zerstörung der Weltkulturerbestätten in Timbukta zu neun Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich im Prozess schuldig bekannt.

Al Mahdi hatte als Mitglied der Islamistengruppe Ansar Dine, die 2012 etwa zehn Monate lang den Norden Malis kontrollierte, die sogenannte Sittenpolizei in Timbuktu angeführt. In dieser Funktion ordnete er die Zerstörung von neun Mausoleen sowie eines Teils einer Moschee an, da die Verehrung Heiliger nach strenger islamischer Auslegung verboten ist. Mit dem Urteil gegen Al Mahdi ahndete der IStGh die Zerstörung von Kulturstätten erstmals als Kriegsverbrechen.

Wegen der vielen Mausoleen gilt Timbuktu als "Stadt der 333 Heiligen". Die Handelsstadt war über Jahrhunderte ein Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit. Die zerstörten Mausoleen, die zumeist aus Holz und Lehmziegeln errichtet waren, wurden mit internationaler Unterstützung wieder aufgebaut.