Machtwechsel in Malaysia: 92-Jähriger wird neuer Ministerpräsident

Wahlsieger Mahathir (M.) bei einer Pressekonferenz

Ein 92-Jähriger lenkt künftig die Geschicke Malaysias: Nach der Parlamentswahl in dem südostasiatischen Land löste Ex-Ministerpräsident Mahathir Mohamad am Donnerstag seinen politischen Ziehsohn Najib Razak ab. Dessen Regierungsbündnis Barisan Nasional (BN) war seit 1957 ununterbrochen an der Macht, musste sich nach der Parlamentswahl am Mittwoch aber Mahathirs Bündnis Pakatan Harapan geschlagen geben. Am Donnerstagabend (Ortszeit) leistete der 92-Jährige dann den Amtseid.

Mahathir wurde am Abend im Palast von König Sultan Muhammad V. in der Hauptstadt Kuala Lumpur vereidigt. Sein Bündnis hatte laut Wahlkommission zusammen mit einer verbündeten Partei aus dem Bundesstaat Sabah 115 der 222 Sitze im Parlament errungen und sich damit eine knappe Mehrheit gesichert. Najibs BN kam nach Auszählung fast aller Stimmen auf 79 Sitze.

Najib will nach eigener Aussage das "Urteil des Volks akzeptieren". Sein Bündnis sei den "Prinzipien der Demokratie verpflichtet", sagte er in Kuala Lumpur.

Najib hatte im April die Auflösung des Parlaments und Neuwahlen angekündigt, nachdem das Regierungsbündnis an Rückhalt in der Bevölkerung verloren hatte. Grund ist insbesondere der Skandal um den von Najib gegründeten Vermögensfonds 1MDB. Verwandte und Vertraute des Regierungschefs sollen mit Geld aus dem Fonds unter anderem Luxuswohnungen in New York und Gemälde von Van Gogh gekauft haben. Mehrere Milliarden Dollar verschwanden in dunklen Kanälen.

Mahathir, der einstige Mentor des Najibs, trat daraufhin nochmals zur Wahl an. Der Politikveteran führte Malaysia bereits von 1981 bis 2003 mit harter Hand. Najib als seinen Nachfolger aufgebaut zu haben, bezeichnet Mahathir als seinen "größten Fehler".

Mahathir ist nun der älteste Regierungschef der Welt, könnte die Macht aber bald wieder abgeben. Den Oppositionspolitiker Anwar Ibrahim, der im Juni aus dem Gefängnis entlassen werden soll, will er mit Hilfe des Königs rehabilitieren, so dass sich Anwar um das Amt des Ministerpräsidenten bewerben kann.

Anwar, ehemaliger Finanzminister und einst rechte Hand Mahathirs, war 1998 wegen politischer Divergenzen gefeuert worden. Wegen Homosexualität, die in dem mehrheitlich muslimischen Malaysia verboten ist, und Machtmissbrauchs musste er ins Gefängnis. Nach seiner Freilassung wurde er zu einem prominenten Oppositionspolitiker.

Im Februar 2015 wurde der einstige Vizeministerpräsident erneut wegen Homosexualität zu fünf Jahren Haft verurteilt. Anwar hatte den Prozess als "politische Verschwörung" kritisiert.