Maker oder Manager: Ich teile meinen Zeitplan in zwei Modi — um als berufstätige Mutter effizienter zu sein

Melissa Petro
·Lesedauer: 4 Min.

Mit Verwunderung blicke ich darauf zurück, wie viel Zeit ich hatte, bevor ich Mutter wurde. Völlig unbeeindruckt von diesem Luxus verbrachte ich endlose Stunden damit, ins Fitnessstudio zu gehen, die Hausarbeit zu erledigen, Zeit mit meinem Partner zu verbringen oder einfach nur herumzuhängen. Ich war in Form und entspannt — und beeindruckend produktiv und erfolgreich in meiner Karriere.

Innerhalb weniger Jahre gelang mir der Übergang von einem „richtigen“ Job zu einer erfolgreichen Karriere als Freiberuflerin, wobei ich ein respektables Gehalt mit handverlesenen Lehr- und Schreibaufträgen kombinieren konnte. Es war eine Menge Arbeit, aber meinen Zeitplan zu organisieren und alles unterzubringen, fühlte sich relativ mühelos an.

Dann kam unser erstes Kind zur Welt.

Buchstäblich über Nacht wurde ich vom absoluten Profi zum ängstlichen Versager. Ich stolperte von einer Aufgabe zur nächsten, verpasste Fristen und lieferte minderwertige Arbeit ab. Als Elternteil hatte ich natürlich weniger Zeit, aber die Tatsache, dass ich die Zeit, die ich hatte, falsch nutzte, erschütterte mein Selbstvertrauen und säte in mir Zweifel.

Meine Tage fühlten sich chaotisch und desorganisiert an

Das Konzept des Maker- versus Manager-Schemas wurde vor über einem Jahrzehnt in einem unprätentiösen Aufsatz des Informatiker Paul Graham eingeführt. Laut Graham gibt es einen natürlichen Unterschied zwischen den Arbeitsgewohnheiten eines Managers — also einer Person, die mit anderen Menschen zusammenarbeitet, meist in einer Aufsichtsfunktion — und eines Makers, also jemandem, der unabhängig arbeitet, um etwas Kreatives zu produzieren.

Manager teilen ihre Tage in einstündige Intervalle ein und können so leicht von einem Meeting zum nächsten wechseln. Aber für Menschen, die Dinge produzieren, sagt Graham, ist eine Stunde kaum genug Zeit, um anzufangen. Um sich auf die eigentliche Arbeit zu konzentrieren, braucht ein Macher laut Graham mindestens einen halben Tag.

Der Maker-versus-Manager-Zeitplan ist besonders nützlich für Kreative mit Kindern

Wenn ihr von zu Hause aus arbeitet und eure Familie in der Nähe ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass ihr den ganzen Tag über unterbrochen werdet. Es gibt Kinderarzttermine, Verabredungen zum Spielen, einen Besuch vom Klempner; ihr könntet versucht sein, einer Amazon-Bestellung nachzuforschen, die nie angekommen ist, oder früher aufzuhören, um noch Behördenkram für eure Kinder abzugeben. Selbst wenn mein Mann die Kinder übernimmt, ist es ein Kampf, bei der Sache zu bleiben.

Glücklicherweise lassen sich viele Aspekte der Freiberuflichkeit — Pitches schreiben, E-Mails beantworten, Rechnungen stellen, sich mit anderen vernetzen — in den Zeitplan eines Managers integrieren. Es dauert nur eine Minute, eine E-Mail zu verschicken oder einen Tweet abzufeuern, der meine Arbeit bewirbt. Und ehrlich gesagt: Je weniger Zeit ich habe, darüber nachzudenken, desto besser.

Aber der eigentliche Teil des Schriftstellerdaseins erfordert erhebliche Konzentration. Ich weiß, dass ich, wenn ich in Gegenwart meiner Familie an etwas Wichtigem arbeite, unterbrochen werde und darum kämpfen muss, mich wieder zu konzentrieren — nur, um wieder unterbrochen zu werden. Ich werde nichts Substantielles produzieren und mich am Ende wie eine Versagerin fühlen.

Wenn meine Kinder in der Nähe sind — oder an Tagen, an denen ich Meetings mit Studenten ansetze — bin ich auf „Manager-Zeit“. Ich reihe Meetings aneinander, darunter auch Familienangelegenheiten, die zwar nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen, aber mich beim Schreiben stören würden. Zwischen den Terminen konzentriere ich mich auf Aspekte meines Jobs, die wenig langfristige Konzentration erfordern.

Meine „Maker-Time“ hingegen ist für Tage reserviert, an denen ich meine volle Aufmerksamkeit der Sache widmen kann. An diesen Tagen setze ich keine Meetings an und kann mich drei bis vier Stunden sicher ohne die Kinder konzentrieren.

Sich Zeit für „Maker Time“ zu nehmen, ist schwer — aber wichtig

Wenn ihr eure Manager-Zeit gut nutzt, schafft ihr euch natürlich mehr Maker-Zeit. Es gibt dann keine wichtigen E-Mails, die auf eine Antwort warten, oder irgendwelche Aufgaben, die mich belasten. All diese Dinge habe ich bereits an meinen Manager-Tagen erledigt. Ich kann mein Telefon ausschalten und mich in die Arbeit stürzen.

Neben einem vernünftigen Maß an Selbstdisziplin hilft es, einen eigenen Arbeitsbereich zu haben. Den Winter über habe ich ein Büro von einem Freund gemietet. Im vergangenen Frühjahr habe ich mir ein Büro auf der Veranda eingerichtet. Jetzt, wo ich geimpft bin, fühle ich mich wohl, wenn ich an meinen Platz im örtlichen Café zurückkehre, die hier in New York schon geöffnet sind.

Seien wir ehrlich: Ich verpasse immer noch Deadlines. Die Kinder schreien immer noch häufig im Hintergrund, während ich mit einem Studenten skype. Ich verschwende immer noch den einen oder anderen Nachmittag damit, Facebook Marketplace zu durchstöbern oder mit einem Freund zu chatten.

Aber wenn das passiert, dann nur, weil ich es zulasse — Erziehung ist keine Ausrede mehr. Am wichtigsten ist, dass ich mich nicht mehr inkompetent und überfordert fühle. Denn wenn ich wirklich etwas tun muss, wende ich an, was ich über Macher und Manager weiß. Ich knie mich rein und erledige es.

Dieser Artikel wurde von Steffen Bosse aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.