Mit Majo gegen den Schmerz

Frank Spieß, Inhaber der als "Deutschlands schärfster Imbiss" ausgezeichneten Bude "Curry und Chili" in Berlin, kommt gerade vom Arzt, als er vom Ausgang eines Chili-Wettbewerbs in den USA erfährt. Er habe mit dem Arzt über die Folgen scharfer Gewürze gesprochen, sagt Spieß. Von einem "Donnerschlag"-Kopfschmerz als Reaktion auf Chili, wie es einem Mann jetzt bei dem Wettbewerb widerfuhr, hat er hingegen "noch nie gehört".

Dabei hat Spieß selbst schon an solchen Wettbewerben teilgenommen, bei denen die Teilnehmer darum konkurrieren, wer die schärfsten Zutaten vertilgen kann. Motto seines Imbiss' in Berlin ist: "Hier dürfen Männern noch weinen." Im Gespräch mit AFP am Dienstag räumt er ein: "Das passiert öfter schon mal, dass die Leute bei mir leiden."

Doch im Grunde sei alles gar nicht so schlimm, sagt der 53-Jährige, der am liebsten Currywurst isst. "Bei Schärfe passiert ja Folgendes: Die Schmerzrezeptoren täuschen dem Gehirn eine Verbrennung vor. Eigentlich passiert nichts weiter." Immer wieder sei zu hören: "Das verätzt die Haut oder die Schleimhäute - das ist völliger Quatsch", sagt Spieß. Vielmehr seien dies Schutzreaktionen. Ärzte warnen allerdings auch vor einem möglichen Kreislaufkollaps.

"Wir praktizieren das Scharfessen jetzt schon fast zwölf Jahre, wir haben soweit schon alle Symptome erlebt - vom Kribbeln in den Fingern bis zu Ohrendruck. Ebenso kalte Hände und kalte Füße - weil ja der Kreislauf arbeitet." Auch Krämpfe kämen vor, und die Finger ließen sich nicht mehr bewegen. "Das ist auch ein Signal des Körpers: Hey, du kannst ja nicht mehr, ich entscheide, was passiert. Das legt sich aber relativ schnell wieder."

Das beste Gegenmittel sei Fett. "Capsaicin ist der Wirkstoff für die Schärfe. Um den zu binden, hilft am besten Fett oder Alkohol", sagt Spieß. "Viele sagen, Kakao oder Milch hilft. Mit nur drei Prozent Fettgehalt hilft das aber nicht viel." Besser sei dagegen "Majo, weil die einen hohen Fettgehalt hat, das beste ist aber Mascarpone, mit über 90 Prozent. Das ist auch im Mund angenehm." Bei den Schmerzen "kann man aber auch nur abwarten, bis sie meist nach fünf bis zehn Minuten weg sind".

Spieß ist ein Wettbewerbs-Routinier, sein Team hat bei acht Deutschen Meisterschaften bislang fünfmal gesiegt. Die nächsten Meisterschaften sind nach den Sommerferien geplant. "Ich habe schon alles gegessen, was man sich vorstellen kann", sagt Spieß. "Man kann Schärfe trainieren. Man steigert sich langsam. Schärfe ist ein Schmerz. Umso mehr wir unsere Schmerzrezeptoren am Körper beanspruchen, umso mehr können die vertragen."

In seinem Imbiss haben die Soßen eine Schärfe von 11.000 bis sieben Millionen Scoville - eine Skala zur Bemesssung der Schärfe von Früchten der Paprikapflanze. "Die allgemein schärfste Soße hat neun Millionen Scoville. Das Schärfste weltweit ist reines Capsaicin mit 16 Millionen Scoville. Das ist dann ein Kristall, damit kann man eine Scheibe einschmeißen."