Maischberger: Streit und Schuldzuweisungen nach Jamaika-Aus

Zu Gast bei Sandra Maischberger v.l.n.r.: Anton Hofreiter, Wolfgang Kubicki, Ursula von der Leyen, Malu Dreyer, Tina Hassel und Nikolaus Blome. (Bild: Screenshot ARD)

Die Sondierungsgespräche sind geplatzt, die Parteien sind damit beschäftigt, die Verantwortlichen für das Aus zu finden. Auch in der Sendung von Sandra Maischberger herrschte zwischen den Gästen wenig Harmonie.

Nach vierwöchigen Verhandlungen zog sich die FDP aus den Sondierungsgesprächen zur Koalitionsbildung zurück, Jamaika scheint damit in unerreichbare Weite gerückt zu sein. Wer warum über was uneinig war, ist jedoch unklar. Auch aus diesem Grund lud Sandra Maischberger zu einer Extra-Ausgabe ihrer Sendung, um mit den Parteivertretern unter der Überschrift „Chaos in Berlin: Regierung verzweifelt gesucht!“ über die geplatzten Verhandlungen sowie mögliche Zukunftsszenarien zu sprechen.

Dominiert wurde die Sendung von FDP-Vize Wolfgang Kubicki, der von der ersten Minute an merkliche Probleme hatte, sich zurückzuhalten und die Schuldzuweisungen und Vorwürfe des verantwortungslosen Verhaltens seiner Partei nicht auf sich sitzen lassen wollte. „Die Aufgabe besteht doch nicht darin, irgendeine Mehrheit herzustellen. Wir sind nicht gewählt worden, um Angela Merkel zur Kanzlerin zu machen“, verteidigte er den Verhandlungsabbruch der FDP.

Gleichzeitig bezeichnete er die Darstellungen von CDU und Grünen als „Märchen“: Ein Erfolg sei nie „zum Greifen nah“ gewesen, wie etwa Ursula von der Leyen sichtlich betroffen in der Sendung behauptete. Stattdessen seien Einigungen verkündet worden, die nie zustande gekommen seien. „Es wurden dauernd Falschmeldungen nach draußen gegeben“, so Kubicki.

Zwischen den Zankereien von Kubicki, von der Leyen und Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter geriet schließlich auch SPD-Politikerin Malu Dreyer ins Schussfeld: Nachdem sie erst noch den mangelhaften Führungsstil von Angela Merkel kritisiert und der FDP Verantwortungslosigkeit vorgeworfen hatte, fiel es ihr im Verlauf der Sendung immer schwerer, die Koalitions-Unwilligkeit ihrer Partei glaubhaft verteidigen zu können.

Wolfgang Kubicki machte seinem Ärger bei „Maischberger“ Luft. (Bild: Screenshot ARD)

Die widersprüchlichen Darstellungen und die Uneinigkeit der Verhandlungsparteien sorgten für Ungläubigkeit bei „Bild“-Journalist Nikolaus Blome: „Sie sind sich aber sicher, dass Sie alle im selben Film waren?“, fragte er scherzend. Die FDP sei seiner Meinung nach nicht allein verantwortlich für die geplatzten Gespräche, alle Parteien hätten die Verhandlungen „gegen die Wand gefahren“.

Seine ARD-Kollegin Tina Hassel teilte sein Unverständnis, ebenso wie ihre französischen Freunde, wie sie berichtete: „Die fragen, was habt ihr denn für Probleme? Euch geht’s gut, ihr habt vier demokratische Parteien, und keiner will regieren? Stattdessen spielen wir hier eine politische Reise nach Jerusalem. Ein absurder Eindruck.“

Eine Antwort auf die Frage nach der Zukunft blieb „Maischberger“ schuldig. Zu Neuwahlen wollte sich niemand bekennen – zu teuer. Die Option einer Minderheitsregierung wurde kaum diskutiert – zu instabil. Eine Wiederaufnahme der Verhandlungen schien jedoch auch unwahrscheinlich. Zumindest Ursula von der Leyen gab sich versöhnlich: „Herr Kubicki, die Tür ist offen, die Hand ist ausgestreckt“, sagte sie. Auch Anton Hofreiter betonte, man sei weiter gesprächsbereit.

Als nächsten Schritt schlug die Verteidigungsministerin vor, man solle doch einfach noch einmal über die Entscheidungen schlafen. Die Moderatorin selbst glaubte nicht an den Erfolg dieses Ansatzes: „Ich habe das Gefühl, wie lange der Herr Kubicki auch noch schlafen wird, der kommt nicht zu einem anderen Ergebnis.“