Maischberger: Judith Rakers berichtet von Bettel-Selbstversuch

„Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers lebte für ein Experiment selbst kure Zeit auf der Straße. (Bild: WDR/Max Kohr)

Die aktuelle Sendung von Sandra Maischberger stand unter der Überschrift: „Ganz unten: Wie schnell wird man obdachlos?“ Moderatorin Judith Rakers konnte dazu von ganz persönlichen Erfahrungen berichten.

Über 800.000 Menschen in Deutschland sind obdachlos, Tendenz steigend. Gerade in den kalten Wintermonaten haben sie Probleme, geschützte Unterkünfte zu finden, die nicht überfüllt sind. Darauf machte auch Sandra Maischberger in ihrer aktuellen Sendung aufmerksam. Unter dem Titel „Ganz unten: Wie schnell wird man obdachlos?“ diskutierte sie mit ihren Gästen über die Wege in die Obdachlosigkeit, die Lebensweise auf der Straße und die Verantwortung von Politik und Gesellschaft.

Mit Klaus Seilwinder (61) und Jaqueline Kessler (26) kamen zwei Gäste zu Wort, die selbst jahrelang obdachlos waren und ihren Weg zurück in die Gesellschaft gefunden haben. Doch auch „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers kann ihre eigene Geschichte vom Leben auf der Straße erzählen.

Mit 19 Jahren interviewte Rakers als Zeitungs-Praktikantin erstmals einen Obdachlosen in Paderborn, viele Jahre später zog sie 2013 im Rahmen eines TV-Experiments selbst auf die Straße. Für die ARD-Dokumentation „Schicksal obdachlos“ verbrachte die 42-Jährige 30 Stunden ohne Geld auf den Straßen Hamburgs. Trotz der verhältnismäßig kurzen Zeit hinterließ diese Erfahrung bleibende Eindrücke bei ihr.

Mit Jaqueline Kessler kam bei „Maischberger“ auch eine junge Frau zu Wort, die mehrere Jahre lang obdachlos war. (Bild: WDR/Max Kohr)

„Ich habe zwei Stunden gebettelt, bevor ich das erste Geld bekommen habe“, erinnerte sich die Moderatorin. 3,50 Euro habe sie dann bekommen. Das Betteln selbst habe sie als „würdelos und eine extreme Überwindung“ empfunden und vor allem die Reaktionen ihrer Mitmenschen hätten sie schockiert: „Die Leute gingen weiter, als ob ich gar nicht da wäre.“

Judith Rakers glaubt, dass jeder obdachlos werden kann und ihre kurze eigene Erfahrung in dieser Situation verstärkte ihr Verständnis für die Betroffenen: „Man kann nicht jeden mit unseren normalen Maßstäben messen. Hinter jedem Obdachlosen steckt ein Schicksal“, sagte sie. Auch, dass man ohne Schutz und Sicherheit schnell zum Alkohol greift, kann sie nun verstehen. „Wenn ich so leben müsste, würde ich auch schon morgens Bier trinken“, sagte sie mit Blick auf eine Nacht, die sie in der Kälte unter einer Hamburger Brücke verbrachte.

Aktuell unterstützt Rakers eine Petition, die es obdachlosen Menschen in Hamburg ermöglichen soll, während der Wintermonate auch tagsüber in Notunterkünften bleiben zu dürfen. Diese sind aktuell nur von 17:30 Uhr bis 9:30 Uhr geöffnet. Die Moderatorin engagiert sich seit Langem vor allem für Frauen, die auf der Straße leben und ist Botschafterin des Obdachlosen-Magazins „Hinz&Kunzt“.