Gladbeck-Geisel kritisierte ARD-Film als „Huldigung“ der Täter – jetzt reagiert der Sender

Johnny Bastiampillai wurde als Siebenjähriger in Gladbeck als Geisel genommen. Bei Maischberger sprach er über seine Erlebnisse. (Bild: ddp Images)

In der Talkrunde bei Sandra Maischberger sprachen Zeitzeugen über das Geiseldrama von Gladbeck vor fast 30 Jahren. Die ARD zeigte am Mittwoch und Donnerstag einen Zweitteiler, der die dramatischen Ereignisse rekonstruiert. Dieser Film sei eine „Huldigung“ der Täter, kritisiert eine der damaligen Geiseln. Jetzt bezog der Sender Stellung.

Der Hintergrund: Unter den Gästen in der Sendung von Sandra Maischberger zum Gladbeck-Drama befand sich unter anderem Johnny Bastiampillai. Er wurde damals als Siebenjähriger als Geisel genommen. Zusammen mit seiner Familie saß er in dem Bus, mit dem die Täter quer durch die Republik und in die Niederlande flüchteten. Der inzwischen 36 Jahre alte Arzt fand deutliche Worte zu dem ARD-Zweiteiler: „Ich schaue mir den Film nicht an, weil ich das nicht unterstützen will.“ Seine Kritik: „Der Film ist eine Huldigung für Herrn Degowski.“

Die ARD reagierte nun auf den Vorwurf und erklärte gegenüber „Focus Online“: „Eine Huldigung für einen der Geiselnehmer vermögen wir in unserem Zweiteiler beim besten Willen nicht zu erkennen.“

Seit Februar ist Degowski frei

Dieter Degowski war einer der beiden Geiselnehmer von Gladbeck. Besonders den Zeitpunkt der Ausstrahlung hält Bastiampillai für fragwürdig und warf dem Sender bei Maischberger vor, die Freilassung Degowskis vor wenigen Wochen zum Anlass der Ausstrahlungen genommen zu haben, statt den Film zum Jahrestag im August zu zeigen.

Auch dazu bezog die ARD Stellung: „Dass Herr Degowski vor wenigen Wochen aus der Haft entlassen wurde, war der Programmierung des Films, die vor vielen Monaten gemacht wurde, nicht bekannt.“

Die Gäste bei Maischberger versuchten, die Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven aufzuarbeiten. Zu Gast waren neben Bastiampillai Bernd Heinen von der nordrhein-westfälischen Polizei, Ulrich Kienzle, damaliger Chefredakteur von Radio Bremen, Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen, Gefängnisarzt Joe Bausch und Journalist Manfred Protze, der damals an der Autobahn beschossen wurde, als er den Tätern auf eigene Faust folgte.

Das Verbrechen hielt das Land in Atem


Drei Tage lang hielten Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski das Land im Sommer 1988 in Atem. Sie überfielen eine Bank, nahmen Geiseln und flohen anschließend mit ihnen durch Deutschland. Dabei töteten sie zwei Menschen. Die Vorwürfe über das Versagen der Polizei, distanzlose Journalisten und das daraus entstandene Medienspektakel halten sich noch heute und waren selbstverständlich auch Thema in der Talk-Runde.