Mainz-Beben: Zwei ehemalige Helden als Retter?

Christopher Michel
·Lesedauer: 4 Min.

Die 0:1-Niederlage der Mainzer gegen Werder Bremen liegt inzwischen ein paar Tage zurück. Die Verantwortlichen schotteten sich ab und nach einer Krisensitzung am Montag stand fest: Trainer Jan-Moritz Lichte wird auch im DFB-Pokal gegen den VfL Bochum (Mittwoch ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) noch auf der Bank sitzen - und neben ihm Sportvorstand Rouven Schröder.

Doch nach SPORT1-Informationen steht Lichte als Chefcoach vor dem Aus in Mainz. In elf Partien unter seiner Regie sammelten die Rheinhessen nur sechs Zähler und belegen Rang 17, nach der Partie gegen Bochum ist an Weihnachten Schluss.

Mainz 05 hofft auf Ex-Verteidiger

Aber wer übernimmt in dieser schwierigen Situation, in der es nur noch um den Klassenerhalt gehen kann? Bo Svensson gilt nach SPORT1-Informationen als Wunschlösung bei den 05ern. (Tabelle der Bundesliga)

Der Däne stand von 2007 bis 2014 als Profi bei Mainz unter Vertrag, anschließend sammelte er als Co-Trainer und später auch als Jugendcoach seine Erfahrungen. Seit 2019 trainiert der ehemalige Innenverteidiger das hochtalentierte Farm-Team von RB Salzburg, den FC Liefering, und belegt gerade mit Profis, die allesamt zwischen 18 und 20 Jahre jung sind, den zweiten Rang in der österreichischen zweiten Liga.

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Der 41-Jährige bringt somit nicht nur Erfahrung aus der RB-Schule, die für einen wilden, attraktiven, offensiven und zugleich taktisch disziplinierten Fußball spielt, mit. Er kennt auch die Mainzer-DNA ganz genau und hätte somit einen gewissen Bonus im Umfeld. Seine Entwicklung wird somit genauestens beobachtet.

Bereits im August hatte er in einem Interview erklärt, er könne sich eine Rückkehr nach Mainz "sehr gut vorstellen".

Funkel ist keine Option

Die in diversen Medien genannten Namen wie Jan Siewert, Jugend-Nachwuchschef bei Mainz, oder gar Friedhelm Funkel spielen in den Überlegungen keine Rolle. Svensson wäre nach Achim Beierlorzer und Lichte der dritte Mann an der Seitenlinie der 05er in dieser Saison und klar ist: Dieser Schuss muss sitzen. Die Verantwortlichen müssten ihn auch mit Blick auf einen Neuaufbau in der 2. Liga holen, der drohende Abstieg darf in den internen Planungen kein Tabu mehr sein.

Wie viel Einfluss Schröder bei der Trainersuche noch hat, ist aktuell nicht absehbar. Es gibt Gespräche mit Christian Heidel, in die der aktuelle Sportvorstand nie ganz mit einbezogen wurde.

Schröder zeigte sich zuletzt bei SPORT1 zwar als Teamplayer, der auch zu Kompromissen bereit ist: "Zu unseren Gedanken gehört auch, dass wir unsere internen Strukturen hinterfragen und diese vielleicht anpassen. Ich bin immer offen dafür, solche Ideen zu diskutieren und zuzulassen. Denn es geht immer um den Verein und um die Sache - und nicht um meine persönliche Situation."

Ist eine Schröder-Entlassung zu teuer?

Doch überrollt und ohne Absprache entmachtet zu werden? Damit hätte sicherlich auch der offene Schröder seine Probleme. Zudem müssten die Rollen ganz klar definiert werden, Heidel strebt bei einer Rückkehr mehr einen strategischen Posten an, die Vertragsgespräche mit Spielern sollen bestenfalls andere führen. Schröder müsste in diese Entscheidungsfindung vollständig mit eingebunden werden.

Die Krux aus Sicht der Mainzer ist nämlich die Vertragsdauer von Schröder, der noch bis 2024 gebunden ist und bis dahin nach Informationen der Bild rund 3,5 Millionen Euro verdienen soll. Pandemiebedingt erwarten die 05er Einbußen in Höhe von 15 Millionen Euro, auch mit dem 10-Millionen-Verkauf von Ridle Baku ließen sich nicht alle Löcher wie erhofft stopfen.

Da der Kader im Winter im Optimalfall noch mit einem oder zwei Mentalitätsspielern verstärkt werden soll, kann sich der Klub die Abfindung für Schröder kaum leisten.

Finden Heidel und Schröder zusammen?

Auch wenn die Namen Bo Svensson und Christian Heidel beim "Mainz-Beben" als mögliche Retter gehandelt werden, sollte die lange Zeit gute Arbeit von Schröder nicht vergessen werden. Er hielt damals gegen Widerstände an Martin Schmidt oder Sandro Schwarz fest und konnte sich durch Klassenerhalte bestätigt sehen.

Zudem tätigte Schröder jahrelang sehr gute Transfers, erwirtschaftete damit viel Geld. Der gebürtige Arnsberger fühlt sich in Mainz wohl, er identifiziert sich mit dem Klub und blieb ihm auch treu, als andere Klubs aus Hamburg oder Gladbach anklopften.

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Natürlich verlief das gesamte Jahr 2020 nicht gut für Schröder, die vergangenen drei verkorksten Transferperioden haben tiefe Spuren hinterlassen. Er hielt zu lange an Beierlorzer fest, die Suspendierung von Adam Szalai, die fatale Kommunikation rund um den Spielerstreik und die Idee mit Lichte waren allesamt schwere Fehler. (Spielplan der Bundesliga)

Doch möglicherweise kann Schröder im Schatten von Heidel zur Ruhe kommen und sich somit neu (er)finden. Positiv aus Sicht der 05er: Das Verhältnis der beiden Protagonisten ist ein gutes. Als Heidel die Mainzer 2016 in Richtung Schalke 04 verließ, arbeitete er Schröder erfolgreich ein. Möglicherweise gelingt dieses Zusammenspiel ein zweites Mal.