Gedenken an vor einem Jahr verstorbenen Menschenrechtler Liu Xiaobo

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Wolf Biermann gedachte des verstorbenen Liu Xiaobo

Menschenrechtsaktivisten in Hongkong und Taiwan haben am Freitag an den vor einem Jahr verstorbenen chinesischen Menschenrechtler und Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo erinnert. In der Berliner Gethsemane-Kirche wurde ein Gedenkgottesdienst abgehalten

Menschenrechtsaktivisten in Hongkong und Taiwan haben am Freitag an den vor einem Jahr verstorbenen chinesischen Menschenrechtler und Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo erinnert. In der Sonderverwaltungszone Hongkong hielten hunderte Menschen eine Mahnwache und eine Schweigeminute ab. In Taipeh wurde im Gedenken an Liu Xiaobo eine Skulptur enthüllt. In der Berliner Gethsemane-Kirche fand ein Gottesdienst im Gedenken an den verstorbenen Menschenrechtler statt.

Liu Xiaobo war am 13. Juli 2017 an Leberkrebs gestorben. Er war Mitglied der Demokratiebewegung auf dem Pekinger Tiananmen-Platz 1989 und Mitverfasser der Charta 08 für demokratische Reformen. Er wurde 2008 inhaftiert und 2009 wegen "Subversion" zu elf Jahren Haft verurteilt. Bis zuletzt verweigerten ihm die chinesischen Behörden eine medizinische Behandlung im Ausland.

An der Kundgebung vor dem Verbindungsbüro der chinesischen Regierung in der Sonderverwaltungszone Hongkong beteiligten sich mehrere dutzend Aktivisten. Sie hielten Bilder des Menschenrechtlers hoch und befestigten schwarze Bänder am Zaun vor dem Gebäude. Am Abend versammelten sich hunderte Menschen mit Kerzen in den Händen und hielten eine Schweigeminute ab.

In einem Park von Taiwans Hauptstadt Taipeh enthüllte der chinesische Dissident Wu'er Kaixi eine dreiteilige Skulptur. Sie zeigt unter anderem das Porträt Lius und einen leeren Stuhl.

Der leere Stuhl wurde nach der Inhaftierung Lius zum Symbol für sein Fehlen bei der Verleihung des Friedensnobelpreises im Jahr 2010. Wu'er war einer der Anführer der Studentenproteste auf dem Tiananmen-Platz. "Liu Xiaobo steht nicht nur für das, wofür er zu Lebzeiten gekämpft hat. Er repräsentiert ein Bestreben, für das Generationen von Chinesen gekämpft haben", sagte Wu'er der Nachrichtenagentur AFP.

In China verhinderten die Behörden mit zahlreichen Maßnahmen öffentliche Gedenkveranstaltungen zum ersten Todestag des Menschenrechtlers. Seine Freunde und Angehörigen wurden durch Warnungen, Reiseverbote und Überwachung mundtot gemacht.

"So weit ich weiß, wurden die meisten von uns unter Hausarrest und Bewachung gestellt. Wir sind im Moment alle machtlos, irgendetwas zu unternehmen", sagte sein enger Freund Ye Du. "Gerade jetzt steht unten die Polizei und passt auf", sagte er AFP.

In Berlin wurde am Abend ein Gedenkgottesdienst in der Gethsemane-Kirche abgehalten, den die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und der Liedermacher Wolf Biermann mitgestalteten. Müller sollte Gedichte von der Witwe des Verstorbenen, Liu Xia, vortragen, die am Dienstag in Berlin eingetroffen war, aber nicht an der Zeremonie teilnehmen wollte.

Seit der Verleihung des Friedensnobelpreises an ihren Mann im Jahr 2010 war Liu Xias Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt, sie stand unter ständiger Bewachung - ohne je eines Verbrechens beschuldigt worden zu sein. Sie leidet unter Depressionen.

Biermann setzte sich zusammen mit seiner Frau Pamela maßgeblich für ihre Ausreise, wie der im Berliner Exil lebende chinesische Schriftsteller Liao Yiwu im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte. Demnach stellte das Ehepaar den Kontakt zwischen Liao und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) her. Liao Yiwu veröffentlichte auf Twitter zudem Fotos von der Dichterin Liu Xia, die sie lachend in einem Garten zeigen.