Magische Momente im Frauenfußball

Schluss mit Manndeckung: Die Erfolgsgeschichte der DFB-Frauen

Ein Kaffeeservice. Das erhielt jede deutsche Fußball-Nationalspielerin, als die Frauenmannschaft 1989 zum ersten Mal die Europameisterschaft gewann. Heute, acht Europameister- und zwei Weltmeistertitel später, erfahren die DFB-Frauen glücklicherweise mehr Anerkennung im deutschen Spitzensport. Bei der Frauen-Europameisterschaft 2017 in den Niederlanden kämpft die deutsche Nationalmannschaft um einen weiteren Titel.

Neben festen Team-Größen wie Anja Mittag, Alexandra Popp, Lena Goeßling und Babett Peter, die bereits reichlich Turnier-Erfahrung sammeln konnten, sind diesmal auch Wettbewerbsneulinge wie Johanna Elsig vom 1. FFC Turbine Potsdam, Carolin Simon vom SC Freiburg und Lea Schüller vom SGS Essen im Kader. Allerdings fallen die beiden Stammspielerinnen vom FC Bayern München, Simone Laudehr und Melanie Leupolz, verletzungsbedingt aus. Doch der guten Stimmung tut dies keinen Abbruch: Die DFB-Frauen wollen den Europameistertitel verteidigen! 

Was sich heute ganz selbstverständlich anhört, war vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar. Im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien war Deutschland ein Spätzünder: Erst im Jahr 1930 wurde hier der erste Damen-Fußball-Club gegründet. Mit der wachsenden Popularität wuchs auch der Widerstand. Am 30. Juli 1955 beschloss der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in Berlin ein Verbot des Frauenfußballs in der gesamten Bundesrepublik. „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden“ – so die Begründung. Erst 15 Jahre später hob der DFB das Verbot wieder auf. Seitdem hat sich der Frauenfußball in Deutschland zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. 

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Nicht nur haben die Damen im Gegensatz zu den Männern bereits einen Weltmeistertitel verteidigt, sie sind mit acht EM-Titeln auch Rekordeuropameister. Daneben wirken die drei EM-Titel der DFB-Männer geradezu mager. Zudem haben die DFB-Frauen mit Birigt Prinz, Nadine Angerer und Nadine Keßler schon drei Weltfußballerinnen hervorgebracht, während mit Lothar Matthäus erst ein deutscher Fußballer die begehrte Würdigung zugesprochen bekam.

In der relativ kurzen Historie der Frauenfußball-Wettbewerbe – Europameisterschaften werden seit 1984 ausgetragen, Weltmeisterschaften seit 1991  – haben die deutschen Kickerinnen schon mehrfach für Furore gesorgt. 

Sportlich ragt vor allem die unglaubliche Leistung bei der WM 2007 in China heraus. 21 Treffer erzielten die DFB-Frauen damals in den insgesamt sechs Spielen – so viele wie kein anderes Team bei dem Turnier. Die Vorrunden-Partie gegen Argentinien fiel mit einem 11:0 sogar zweistellig aus. Doch das eigentliche Wunder geschah nicht im Angriff, sondern an der eigenen Torlinie. Nadine Angerer sorgte dafür, dass unsere Frauenelf ohne Gegentreffer blieb, und wurde wenig später zur besten Torhüterin des Turniers gewählt.

Zwei Jahre später schoss sich die Frauenauswahl bei der EM in Finnland bis ins Finale, England musste sich nach einem 6:2 der deutschen Damen mit dem zweiten Platz begnügen. Inka Grings, die schon bei der EM 2005 die meisten Tore schoss, wurde auch hier wieder Torschützenkönigin.

Die Begeisterung hat längst auch die Zuschauer gepackt. So war etwa die Frauen-WM 2015 in Kanada mit insgesamt 1,35 Millionen Zuschauern die bisher am besten besuchte. Rund 26.000 Zuschauer kamen pro Spiel ins Stadion. Das kann man zwar nicht mit dem Zuschauerschnitt einer Männer-WM vergleichen, aber zu Bundesliga-Niveau haben die Frauen-WM-Spiele kapazitätsmäßig inzwischen aufgeschlossen.

Apropos Bundesliga: In den letzten Jahren kommt richtig Bewegung in den deutschen Frauenfußball. Nicht nur haben sich in den letzten zehn Jahren die Zuschauerzahlen verdoppelt. Die deutsche Liga, die als eine der besten der Welt gilt, wird auch zunehmend für Spielerinnen aus dem Ausland attraktiv. 2012 wurde mit Genoveva Añonma erstmals eine ausländische Spielerin Torschützenkönigin in der Bundesliga.

Dass Frauenfußball weltweit immer beliebter wird, kann man auch an einer ganz banalen Tatsache festmachen: Sobald über Athleten oder Athletinnen einer Sportart auch in der Boulevardpresse berichtet wird, ist diese Sportart endgültig im Mainstream angekommen. So sorgte in den vergangenen Jahren etwa die US-Torhüterin Hope Solo regelmäßig für private Schlagzeilen.

Bei der diesjährigen Fußball-EM in den Niederlanden wird übrigens erstmals Steffi Jones, ehemalige Bundesliga- und Nationalteamspielerin, als Trainerin fungieren. Was sie mit der Damenauswahl des DFB vorhat, sagte sie bei ihrer Vorstellung als neue Bundestrainerin im August 2016: „Wir wollen weiter Trendsetter sein – wenn wir etwas machen, dann richtig.“