Die Magie von Olympia steht auf dem Spiel

Jonas Nohe

"Passion. Connected" - "Leidenschaft. Verbunden." So lautete der Slogan der Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang.

Neue Wintersport-Fans wollten die Veranstalter - und vor allem das Internationale Olympische Komitee (IOC) - in Südkorea gewinnen und begeistern.

Das ist nur teilweise gelungen.

Die versprochenen Spiele der kurzen Wege entpuppten sich trotz einer deutlichen Verbesserung gegenüber Sotschi 2014 immer noch als enorme Herausforderung für Zuschauer und Athleten.

Das olympische Flair blieb bei den Entfernungen zwischen den Austragungsstätten oftmals irgendwo auf der Straße liegen - auch für die Athleten: Weil ihre Wettkampfstätten derart abseitig lagen, blieb der Wunsch, ihre Sportlerkollegen live vor Ort anzufeuern, häufig unerfüllt.

Apropos Stimmung: Die ließ bei den Wettbewerben in Pyeongchang leider meist zu wünschen übrig. Das lag aber auch an den internationalen Fernsehstationen. Damit die deutschen Fans ihre Biathlon- und Skisprung-Helden zu halbwegs erträglichen Zeiten verfolgen konnten, mussten die Zuschauer vor Ort am späten Abend bei gefühlten Temperaturen von rund -25 Grad in der Kälte bibbern.

Kein Wunder, dass sich das wenige Südkoreaner antaten.

Ansonsten sorgten die Gastgeber für gute Stimmung: Die Wettkämpfe am Eiskanal und die Hallensportarten fanden oft vor einer tollen Kulisse statt - genauso wie die Eröffnungs- und Schlussfeier im Olympiastadion.


Generell bleiben die Einheimischen als ausgesprochen höflich und freundlich in Erinnerung. Auch organisatorisch lief in den vergangenen zweieinhalb Wochen fast alles reibungslos, den Südkoreanern ist daher rückblickend kein Vorwurf zu machen. Das IOC aber muss sich gerade mit Blick auf kommende Winterspiele Gedanken machen.

All die Probleme, die sich in Pyeongchang auftaten - Zeitverschiebung für wichtige europäische und nordamerikanische Märkte, weite Wege, mäßige Stimmung vor Ort - warten 2022 in Peking in gleichem, teilweise in noch größerem Ausmaß.

Dazu droht das Thema Doping nach dem Hin und Her um die "Olympischen Athleten aus Russland" in vier Jahren noch mehr in den Vordergrund zu drängen.

Die Negativerfahrungen mit den Gastgebern der Winterspiele von 2014 oder der Sommerspiele von Peking 2008 lassen angesichts der enormen Erwartungshaltung der chinesischen Machthaber schon jetzt Schlimmes für 2022 befürchten.

Eine schnelle Begnadigung des russischen NOK wäre in dem Zusammenhang ein fatales Zeichen.


Spätestens mit Blick auf die Vergabe für 2026 im Sommer 2019 müssen sich IOC-Präsident Thomas Bach und seine Funktionärskollegen fragen, wo die Zukunft der Olympischen Winterspiele liegen soll.

Nicht nur in Deutschland, wo Münchens Bewerbung für 2018 keine Zustimmung fand und die Bevölkerung einen weiteren Versuch für 2022 ablehnte, hat das IOC in den vergangenen Jahren viele Menschen verprellt.

Die Spiele 2026 zum Beispiel in die Schweiz, nach Österreich, Schweden oder Kanada zu vergeben, wo überall bereits Bewerbungen in Planung sind, wäre daher ein gutes Signal an die Fans in klassischen Wintersportnationen.

Eines, das im Sinne aller Beteiligten wäre - nicht zuletzt der Athleten, die sich weiterhin alle vier Jahre auf das besondere Flair des größten Sportevents der Welt freuen wollen.

In den kommenden Jahren steht nichts Geringeres als die Magie von Olympia auf dem Spiel.