Magath: Das steht bei Bayern im Vordergrund

SPORT1
·Lesedauer: 3 Min.
Magath: Das steht bei Bayern im Vordergrund
Magath: Das steht bei Bayern im Vordergrund

Es ist ein Transfer, den Felix Magath bis heute nicht versteht – zumindest aus Schalker Sicht.

Manuel Neuer wechselte im Juli 2011 für eine Basis-Ablösesumme von 20 Millionen Euro, die über die Jahre laut transfermarkt.de auf 30 Millionen angestiegen ist, vom FC Schalke 04 zum FC Bayern München. Neuer hatte sich in Gelsenkirchen zum Nationalkeeper entwickelt.

Damals entschieden sich die Königsblauen laut Magath für finanzielle Sicherheit - und gegen sportlichen Erfolg.

Alles zum Bayern-Auftritt gegen Lazio im Fantalk mit Stefan Effenberg, Mario Basler und Olaf Thon am Mittwoch ab 20.15 Uhr live auf SPORT1

Neuer-Verlust: "Dafür musste der Trainer geradestehen"

"Schalke wollte möglichst viel Erlös für den Torhüter Manuel Neuer", berichtete die Trainer-Legende in einem Interview mit der NZZ: "Dass mit ihm aber Qualität verloren ging, störte im Klub weniger, dafür musste dann der Trainer geradestehen, der Neuer gerne gehalten hätte."

Denn Magath wollte Neuer lieber behalten und zur Not ablösefrei ziehen lassen und wurde bereits im März 2011 von seinen Aufgaben als Schalke-Trainer und -Manager entbunden – also noch Monate vor dem Vollzug des Transfers.

Magath: Musste wegen Neuer gehen

"Ich denke, das war ein Knackpunkt. Denn natürlich hat man mich dann von Schalker Seite angesprochen, man müsse den Manuel Neuer verkaufen", meinte der 67-Jährige, der im Mai 2009 in Gelsenkirchen übernommen hatte, zuletzt im Bild-Podcast "Phrasenmäher": "Ich hab dann gesagt: Nee, den verkaufen wir nicht. Das mache ich nicht mit."

Deshalb habe sich Klub-Boss Clemens Tönnies gegen ihn gestellt. Unter Magath hatte Schalke zu diesem Zeitpunkt das Endspiel im DFB-Pokal und das Viertelfinale der Champions League erreicht. Allerdings stand der Klub in der Bundesliga nur auf Platz zehn, zudem gab es Kritik an seiner Transferpolitik.

Er hätte mit Neuer "eine große Chance gesehen, in die Champions League zu kommen", ergänzte Magath in der NZZ: "Und diese rund 20 Millionen Euro, die Bayern für Neuer bot, hätten wir in diesem Wettbewerb locker von der UEFA eingenommen."

Schalke erreicht Champions League auch ohne Neuer

Doch die Klubführung habe sich "nicht mit aller Macht dem sportlichen Erfolg verschrieben. Man versteifte sich fast darauf, wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Das konnte zu Konflikten mit dem Trainer führen".

DAZN gratis testen und die Freitags- und Montagsspiele der Bundesliga live & auf Abruf erleben | ANZEIGE

Allerdings erreichte Schalke, das die Saison 2010/11 unter Ralf Rangnick als Pokalsieger und Tabellen-14. beendete, ein Jahr später auch mit Lars Unnerstall im Tor unter Huub Stevens die Champions League.

Ob Neuer überhaupt bei Schalke geblieben wäre, sei zudem dahin gestellt. Denn wie Magath verriet, habe er dem Torhüter damals zwei Vertragsangebote gemacht - auf die dieser praktisch gar nicht reagiert habe.

Magath: Sportliche Entwicklung bei Bayern nicht im Vordergrund

Zwischen Juli 2004 und Januar 2007 hatte Magath selbst bei Bayern gearbeitet. Der Deutsche Rekordmeister habe ihn geholt, "weil das Team Probleme mit der Kondition und der Disziplin hatte. Und ich gleichzeitig jener Trainer war, der für Fitness und Ordnung stand."

Magath weiter: "Zwei Jahre lang war man damit zufrieden. Ein Klub dieser Größe hat halt nahezu die Möglichkeiten, die besten Spieler auf dem Erdball zusammenzukaufen."

Daher stehe "die sportliche Entwicklung der Spieler nicht im Vordergrund. Es geht darum, sie bei Laune zu halten, sie sollen den Spaß am Spielen nicht verlieren. Das ist nicht das, wofür ich brenne."

Denn er sei "ein Entwickler. Das Ende bei den Bayern war daher kein Beinbruch. Es war eher eine Auszeichnung, weil die Geschäftsinteressen des Klubs immer stärker zunahmen, in Wolfsburg konnte ich wieder mehr Sportler sein."

Wegen Hitz: Magath schlug "Hände über dem Kopf zusammen"

Als einen Spieler, dessen Entwicklung ihn mit am meisten überrascht habe, nannte Magath Torhüter Marwin Hitz, der sich zur Nummer 1 bei Borussia Dortmund entwickelt hat.

"Wie er nach Wolfsburg kam, schlug ich die Hände über dem Kopf zusammen und sagte: Was habt ihr mir da für einen Spieler geschickt?", erinnert sich Magath: "Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass man in solch schlechtem athletischem Zustand sein kann, und traute ihm die Bundesliga nicht zu. Aber er hatte Einstellung und Talent."

Hitz spielte zwischen 2008 und 2013 beim VfL Wolfsburg, wo Magath zwischen Sommer 2007 und Sommer 2009 und zwischen März 2011 und Oktober 2012 tätig war.