Madrid schätzt Kosten der Katalonien-Krise auf rund eine Milliarde Euro

Katalonien wurde laut Wirtschaftsminister zu einer Last

Die Katalonien-Krise hat Spanien nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Luis de Guindos bislang etwa eine Milliarde Euro gekostet. Angesichts des Streits um die Unabhängigkeit der Region habe sich das Wirtschaftswachstum dort im letzten Quartal 2017 verlangsamt, sagte Guindos am Montag dem Radiosender Cadena Ser.

Gründe für das verlangsamte Wachstum seien enorme Unsicherheit, Besorgnis und ein Vertrauensverlust, die die inzwischen durch Madrid abgesetzte katalanische Regionalregierung mit ihren Unabhängigkeitsbestrebungen ausgelöst hätten, sagte Guindos. Von einem Motor des Aufschwungs in Spanien habe sich Katalonien "zu einer Last" entwickelt.

Wegen der Unsicherheit über die Zukunft Kataloniens haben bereits mehr als 3100 Firmen ihren Hauptsitz aus der wohlhabenden Region im Nordosten Spaniens abgezogen. Die Region erwirtschaftet traditionell rund ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsprodukts.

Bei einem von Madrid verbotenen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hatten am 1. Oktober 90 Prozent der Teilnehmer für die Unabhängigkeit der Region von Spanien gestimmt. Allerdings nahmen nur 43 Prozent der Wahlberechtigten an dem vom spanischen Verfassungsgericht für illegal erklärten Referendum teil.

Die Katalonien-Krise ist eine der schwersten politischen Krisen des Landes seit Jahrzehnten. Nach dem Referendum hatte das katalanische Parlament am 27. Oktober die Unabhängigkeit ausgerufen, daraufhin hatte die Zentralregierung die direkte Kontrolle über Katalonien übernommen und die von Carles Puigdemont geführte Regionalregierung des Amtes enthoben.

Bei einer auf Weisung Madrids vorgezogenen Neuwahl am 21. Dezember erlangten die Unabhängigkeitsbefürworter erneut die absolute Mehrheit im Parlament. Der abgesetzte Regionalpräsident Puigdemont fordert die Wiedereinsetzung seiner Regierung und "politische Verhandlungen" mit dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy.