Madrid-Barcelona-Madrid: Weltenreise einer Katalanin

Olga Demestres ist 47 Jahre alt, kommt aus Barcelona und wohnt seit Jahren in Madrid, mit Ehemann und siebenjährigem Sohn. Sie ist selbständig, im Immobiliensektor. Sie macht sich Sorgen über das, was passiert zwischen Katalonien und Spanien – sie ist die einzige in ihrer Verwandtschaft, die außerhalb von Katalonien lebt. Die Zerrissenheit geht mitten durch ihre Familie dort.

Olga Demestres:

“Ich spreche mit meinem Sohn Katalanisch, weil es meine Sprache ist, ich spreche mit meiner Familie Katalanisch und ich meine, das ist ein Reichtum und die Kultur gehört nicht den Separatisten. Auch wir haben das Recht, uns katalanisch zu fühlen und spanisch, Katalanisch zu sprechen, Sardana (regionaler Tanz) zu tanzen oder was es auch immer gibt an katalanischer Kultur.”

So kam es, dass Olga mit dem Bus in neun Stunden mehr als sechshundert Kilometer fuhr, um in Barcelona in der – hoffentlich friedlichen – Demonstration gegen eine Trennung Kataloniens von Spanien mitzulaufen. Erst mal staunte sie über die Menschenmenge: Olga konnte erst eine Stunde nach Kundgebungsbeginn überhaupt starten.

Olga Demestres:

“Ich bin sehr glücklich, sehr froh, so viele hier zu sehen. Ich wusste, es gibt diese Stimmung. Aber sie alle hier zu sehen, mit eigenen Augen, ist sehr aufregend.”

Nach und nach werden die Katalanen, die wie sie nicht von Spanien wegwollen, sich Gehör verschaffen – davon ist Olga überzeugt.

Olga Demestres:

“Ich meine, die Tortilla wird jetzt umgedreht, man beginnt die Leute zu sehen, die sich bisher nicht geäußert haben und jetzt zum erstenmal überhaupt auf die Straße gehen. Ich habe mit einer Menge Leuten gesprochen, die sagten, wir haben uns bisher einfach nicht rausgetraut”.

Dann ist die Demonstration zuende. Olga ist zufrieden, geht zum Bus. Neun Stunden bis nach Madrid.

su