Made in Cologne: Zehn Kölner Modelabels, die man kennen sollte

Zum Le Bloc Festival am Samstag stellen wir zehn Kölner Designer vor.

Am kommenden Samstag ist es soweit: Das Belgische Viertel präsentiert sich in Grün-Weiß, den Farben von Le Bloc. Zum achten Mal werden tausende Besucher zum Mode- und Design-Event ins  Belgische Viertel gelockt – von zwölf Uhr bis tief in die Nacht präsentiert sich die Mode- und Kreativszene rund um den Brüsseler Platz und zeigt das, wofür das Viertel nun mal bekannt ist: die charmante Seite von Köln.

Kölner Streetstyle

Für uns ein Grund, zehn Kölner Modelabels vorzustellen, die ganz eng, nur am Rande oder auch fest mit dem Viertel verwurzelt sind. Gleich, ob sie schon auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken, weltweit ihre Kollektionen verkaufen, zu den jüngeren Etablierten gehören oder sich gerade erst auf dem Markt behaupten. Wir  stellen die bunte Vielfalt vor, die sich hier in den letzten Jahren entwickelt hat. Viele blieben anfangs sogar versteckt, weil hinter dem  weit über die Stadtgrenze hinaus als rau wahrgenommenen Kölner Streetstyle viele Modeaffine gar keine hübschen Kleider und Röcke vermuteten. Hier sehen Sie von allem etwas. Herkunft: Köln.

Lanius

Claudia Lanius mag schöne Kleider. Wer die Chefin des gleichnamigen Kölner Modelabels trifft, ob auf

einer Messe oder in der Firmenzentrale in der Südstadt, steht immer einer ausgesucht gut gekleideten Frau gegenüber. Lanius’ Leidenschaft für Schönes und Schickes prägt auch ihre Kollektionen: Angefangen hat die gelernte Schneiderin und Schnitt-Directrice zwar in den 90er Jahren mit Jeans aus Hanf, seit der Gründung ihres

eigenen Labels 1999 setzt sie auf feminine, aber klare Eleganz.

Zwei Kollektionen gab es bislang von Lanius pro Jahr, mit fließenden Baumwollkleidern und feinen Seidenblusen, klassischen Hosen, wolligen Mänteln. Ab dem kommenden Herbst kommt mit „Essentials“ eine Linie aus klassischen Basics dazu – Lanius hat sie mit der Moderatorin Janine Steeger entwickelt. Die

 Idee: eine gleichbleibende Grund-Auswahl an Kleidern, Oberteilen, Jacken, die alle miteinander kombinierbar sind und rüsten für einen Alltag zwischen Job und Familie.

Schließlich geht es bei all der Liebe fürs Schöne um mehr als nur Mode: „We love fashion – we are organic – be responsible“ lautet ein Slogan von Lanius, und der setzt in Priorität, was wichtig ist für Firma und Gründerin: Mode, ökologisch korrekte und faire Produktion, Verantwortung. Und dazu gehört eben auch, keine Wegwerfware zu produzieren – weder qualitativ noch stilistisch. Sondern Dinge, die man lange schätzen und immer wieder neu entdecken kann.

Vier Lanius-Läden gibt es inzwischen in Köln, zudem seit einiger Zeit einen Online-Shop. Vielleicht hätte das Label noch schneller wachsen, größer werden können – aber das, sagt Lanius, sei ihr nicht so wichtig gewesen, wie ein Produkt herzustellen, an das sie glaube. Im Gespräch kann sie bis ins kleinste Detail erklären, wie schwierig es ist, Kleidung komplett nach den strengen Kriterien von Bio-Siegeln wie dem „Global Organic Textile Standard“ herzustellen, wie das manchmal an einem einzigen Knopf scheitert, der aber nun mal besser aussieht. Die Kluft zwischen rein ästhetik- und trendgetriebener Mode  und fairer, ökologischer Produktion: Lanius balanciert dazwischen – mit großer Sympathie für beide Seiten. (sio)

www.lanius-koeln.de

Rock-it-Baby

Eine echte Rock-Adresse ist die kleine Ehrenfelder Boutique, auch wenn sich die Kollektion nach den anfänglichen  Rock-Erfolgen in den vergangenen zehn Jahre erstaunlich erweitert hat.  Heute gibt es unter diesem Label Jacken, Shirts, Kleider und Mäntel. Doch trotzdem steht der Rock  in nahezu allen Formen und Größen im Mittelpunkt. „Jede Frau kann Rock tragen“, sagt die Gründerin und Designerin   Sabine Berndt.

Und  deshalb lässt sie  die Röcke in den Konfektionsgrößen 32 bis 48 herstellen  – nicht irgendwo in Asien, sondern in einer slowakischen Näherei. Darauf legt sie wert, genauso wie sie darauf achtet, dass ihre Stoffe in

Europa hergestellt werden.  (eva)

www.rock-it-baby.de

Armedangels

Armedangels ist  ein urkölsches Label: Den Gründern, den zwei Kölner Jungs Anton Jurina und Martin Höfeler, kam die Idee beim Lernen in der Unibibliothek, die Unternehmenszentrale hat ihren Sitz mitten in Ehrenfeld. Aber einen Armedangels-Laden, den gibt es in Köln nicht. Und auch sonst nirgendwo.

Denn die beiden Gründer setzen auf das Internet als Vertriebskanal – und auf Boutiquen und Händler, darunter große Häuser wie C&A oder Peek & Cloppenburg. Hinter Armedangels steckt zwar viel Sinn für

 Mode – aber mindestens genauso viel unternehmerisches Denken.

Der Einfall für ihre eigene Modefirma kam Jurina und Höfeler zwar der Legende nach beim Anblick schlecht angezogener Passanten , aber sie lernten für eine BWL-Klausur. Das nötige Geld für ihre Firma beschafften sie sich über Risikokapital. Verkauft haben sie am Anfang mindestens so sehr T-Shirts wie eine Idee: Die nämlich, dass sich jeder wie ein kleiner Robin Hood dafür einsetzen kann, dass Textilarbeiter fair bezahlt werden. Und die Baumwolle biologisch angebaut wird. Das Marketing übernahmen immer wieder Prominente, von Jürgen Vogel über Collien Fernandes bis zu Cosma Shiva Hagen.

Eine Erfolgsstrategie: Im nächsten Jahr kann Armedangels das zehnjährige Bestehen feiern. Anton Jurina ist inzwischen ausgestiegen, Martin Höfeler ist nach wie vor dabei – und hat fast 60 Mitarbeiter. Das Label bringt heute vier Kollektionen pro Jahr auf den Markt, es gibt sie in 16 Ländern und mehr als 800 Läden zu kaufen.

Gerade erst wurde die erfolgreichste Einkaufs-Saison seit Unternehmensgründung gefeiert – mit einem Umsatzplus von 55 Prozent. Armedangels zählt zu den größten Fair-Fashion-Labels in Deutschland und gilt als eines der wenigen, die es aus der grünen Nische auf den Massenmarkt geschafft haben. Das liegt auch daran, dass längst nicht mehr nur T-Shirts mit forschen Slogans angeboten werden: Die Kollektionen umfassen bürotaugliche Kleider und Hemden genauso wie Yoga-Kleidung, dicke Strickpullis und Jeans. Heute lautet die Herausforderung, die komplexeren Lieferketten überprüfbar zu halten – damit wirklich alles fair bleibt. Seit 2011 lässt das Unternehmen dazu alle Prozesse durch den „Global Organic Textile Standard“ unabhängig zertifizieren, arbeitet mit Organisationen wie Fairtrade und der Fair Wear Foundation zusammen. Man wolle das „fairste

 Modelabel der Welt“ werden, heißt es heute selbstbewusst aus der Unternehmenszentrale. Die hat ihre Räume übrigens in einem Gebäude, in dem früher für 4711 produziert wurde. Ob faire Mode am Ende so ein Kölner Exportschlager wird wie einst Duftwasser? (sio)

www.armedangels.de

Forvert

„Grün, nach vorne, in die Zukunft  weisend“, so beschreibt der Gründer Martin Hautzel die Bedeutung des Kunstworts Forvert, seiner  Firma, die er 1998  im Herzen des Belgischen Viertels, am Brüsseler Platz , gegründet hat. Damals war er tief verwurzelt in der Kölner Skaterszene und wollte  Skaterkompatible Kleidung herstellen.

Also fing er an mit ein paar Shirts – und hatte ziemlich schnell eine komplette Kollektion zusammen, für Jungs, für Mädchen, die  Skateboard fahren – oder auch nicht.  

Das  Erfolgsprodukt aus dem Hause Forvert sind übrigens nicht die Sweatshirts, sondern der Rucksack. Und mit dem lässt sich das Board dann doch wieder ganz gut

transportieren. (eva)

www.forvert.com

Blauer Montag

Mode für Männer und Frauen, mitten aus dem Viertel. Nina Hempel und Moni Wallberg sind seit 2003 hier aktiv. Die beiden Designerinnen kreieren ihre Kollektionen in kleiner Stückzahl und  produzieren in ihren Ateliers. Sie kleiden von Kopf bis Fuß, Shirts, Kleider, Hosen, Mäntel mit femininem Twist und  unkomplizierter Alltagstauglichkeit. „Was nicht passt, wird passend gemacht“: Ihr sympathisches Motto brachte ihnen viele Fans in Köln und weit darüber hinaus. Um die Looks zu vervollständigen, verkaufen sie die handbedruckten Strümpfe  von Meike Diedeling  – ebenfalls eine Kölnerin. (eva)

Atelier Magda Garrido

Ursprünglich kommt Magda Garrido aus Recife. Die brasilianische  Stadt am Meer,  mit kilometerlangem Palmenstrand   und mehr als 300 Sonnentagen im Jahr. Genau diese Information ist wichtig,  um Garridos Konzept zu verstehen  – es ist bunt. Denn auch wenn sie seit vielen Jahren in Köln glücklich zu Hause ist, machen  ihr gelegentlich der deutsche Wolkenhimmel und die tristen Farben immer noch zu schaffen. Also begann sie Kleider  zu nähen,  für sich, für ihre Kinder, für ihre Freunde. „Sie  waren bunt, ich konnte nicht anders“,  sagt sie und lacht.  Und daraus entstand  ihr kleines Atelier in der Gladbacher Straße,  das sie seit ein paar Jahren mit einer anderen Designerin teilt. Von „Kollektionen“ will sie aber gar nicht reden, denn bei ihr regiert das Prinzip Zufall. Das heißt, das, was fertig ist und auf der Stange hängt, wird verkauft. „Wenn noch genügend Stoff da, fertige ich auch nach Auftrag.“   Zuverlässig zu finden sind Kleider und Röcke für Mädchen, mit Rüschen, Blüten, gehäkelten Püppchen, bunten Knöpfen in vielen Lagen Farbe. Kurz: Es findet sich vieles, was bei Regenwetter   garantiert bessere Laune  macht – und bei Sonne sowieso.  (eva)

http://magdagarrido.com

baldaufkoeln

Unter dem Namen „baldaufkoeln“ betreibt Andrea Baldauf-Erdmann  seit drei Jahren in Köln-Lövenich ein noch kleines, aber stetig wachsendes Modelabel.   Als „Design-Autodikaktin“ kreiert die Kölnerin jedes Jahr zwei Kollektionen für Frauen ab 35,   die ohne viel Aufwand den Spagat zwischen  Beruf, Familie und gesellschaftlichem Leben meistern wollen: „Meine Mode ist lässig-feminin, soll Freude bereiten und  weniger zentrales Lebensthema sein“, beschreibt Andrea Baldauf-Erdmann.  Ihre „tragbare Tagesmode“  wird durch den geschickten Einsatz von wenigen Accessoires zum Ausgehlook für den Abend.

Auch wenn vor allem die  Sommerkollektionen ihre Vorliebe zu außergewöhnlichen Drucken widerspiegelt,  zeichnen sich  die Modelle von „baldaufkoeln“  vor allem durch eine schlichte, unaufgeregte, trotzdem  aber stilvolle  Schnittführung aus, die einen Hauch von Pariser Chic vermittelt – nicht zuletzt dank der  hochwertigen Materialien. In den Frühjahr-/ Sommerkollektionen bevorzugt die Designerin Seide, Leinen und Baumwolle, für die Herbst- und Wintermodelle   Wolle und Kaschmir.     

Wichtig ist Andrea Baldauf-Erdmann die Produktion vor Ort: In ihrem Lövenicher Atelier entwirft sie die Modelle, arbeitet sie gemeinsam mit einer Schneiderin aus und lässt sie von ihr in Kleinserie produzieren. Erhältlich ist  das junge Label bisher im Direktvertrieb sowie in ausgewählten Galerien und Boutiquen in Köln. (aho)

www.baldauf-koeln.de

Herrenbude

Der Chef der Herrenbude heißt Achim Schmitz, und sich selbst bezeichnet er  als Trüffelschwein.

Weil ihn sein Riecher für Herrenmode zwischen rustikalem  Charme und sportlicher Eleganz noch nie im Stich ließ. Oberstes Credo bei seiner Kollektionszusammenstellung: Was der Chef nicht selber tragen würde, kommt auch nicht  in den Laden.

 Er hat eine Vorliebe für kleine britische und skandinavische Labels.

Mit einem kleinen Laden im Ehrenfelder Hinterhof fing er 2008 an, stellte Herrenmode zusammen,

die nicht arg viel mehr umfasste

 als Jeans und T-Shirt. Heute bietet

er das komplette Sortiment, von Anzug bis Socke, und eine Maßkonfektionslinie.

www.herrenbude.de

Funktion Schnitt

Butterweich, ziemlich neu in Köln –  das sind die T-Shirts von Funktionschnitt. Im vergangenen Herbst

 gegründet, seit kurzem in der Ehrenstraße mit einer kleinen Boutique vertreten. Und wie so oft bei  der Gründung von Modelabels stand auch hier die persönliche  Not im Mittelpunkt. „Wir haben  immer  nach dem perfekten T-Shirt gesucht – und es nie gefunden“, sagt  Simon Hariman.  Also musste er selbst als Creative Director tätig werden: T-Shirts für Männer und Frauen, in Portugal hergestellt. (eva)

www.funktionschnitt.de

Demet Taha

Demet Taha ist eine Le-Bloc-Institution: Keine grün-weiße Veranstaltung im Belgischen Viertel ohne die Lingerie-Designerin. Ob sie Mädchen in Dessous über den Parkhaus-Catwalk schickte oder eine Burlesque-Show in ihrem Schaufenster zelebrierte, sie ist von Anfang an dabei. Diesmal  ist sie gleich mit drei Acts vertreten: Eine Fotoausstellung und live Musik gibt es in ihrer Herrenboutique Taha & König, bei der Modenschau um 18 Uhr zeigt sie Herrenmode von Dimitri Wilbert. (eva)

www.tahamode.de...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta