Pariser Gipfel ruft zu Milliardenhilfen für Afrika auf

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Macron mit dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall

Mit einem Appell für milliardenschwere Hilfen für Afrika ist ein Pariser Gipfel mit mehr als 40 Ländern und Institutionen zu Ende gegangen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach am Dienstag von einem gesundheitlichen wie wirtschaftlichen "Notstand" auf dem afrikanischen Kontinent durch die Corona-Pandemie. Die Gipfelteilnehmer riefen laut Abschlusserklärung zu Finanzhilfen und Schuldennachlässen auf, aber auch zu einem "freiwilligen Teilen" von Impfstoff-Patenten.

"Die meisten Regionen der Welt bringen nun massive Aufbaupläne für die Zeit nach der Pandemie auf den Weg", hieß es in der Gipfel-Erklärung. Die internationale Gemeinschaft könne es sich nicht leisten, "afrikanische Volkswirtschaften im Stich zu lassen".

Der Internationale Währungsfonds (IWF) beziffert den Finanzbedarf der afrikanischen Staaten bis 2025 auf 285 Milliarden Dollar (rund 235 Milliarden Euro). Der Präsident der Demokratischen Republik Kongo, Felix Tshisekedi, sagte als amtierender Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU), die Pandemie habe die afrikanische Wirtschaft ausgelaugt: "Die wenigen Ressourcen, über die wir verfügen, sind in die Bekämpfung der Krankheit geflossen", sagte er.

Die Vorsitzende des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, warnte vor einem "gefährlichen Auseinanderdriften zwischen fortschrittlichen Volkswirtschaften und Entwicklungsländern, vor allem in Afrika". Nach der Prognose der IWF-Chefin könnte die afrikanische Wirtschaft im laufenden Jahr um gut drei Prozent wachsen, nur rund halb so viel wie im weltweiten Schnitt. 2020 war Afrika erstmals seit 25 Jahren in die Rezession gerutscht.

Abhilfe sollen unter anderem sogenannte Sonderziehungsrechte (Special Drawing Rights, SDR) schaffen, die der IWF seinen Mitgliedstaaten 1970 zugeteilt hatte. Dabei handelt es sich um Buchkredite in Milliardenhöhe. Macron schlug vor, die Mittel für Afrika aus diesem Topf aufzustocken. "Aus den 33 Milliarden von heute sollten 100 Milliarden werden", sagte der Präsident. US-Finanzministerin Janet Yellen stimmte diesem Vorschlag per Videokonferenz grundsätzlich zu.

Aber auch die Privatwirtschaft soll am Wiederaufbau Afrikas beteiligt werden. Investitionen sollten laut Abschlusserklärung unter anderem in den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Digitalwirtschaft fließen.

Macron begründete die Notwendigkeit zur Hilfe für Afrika auch mit den Gefahren des Terrorismus. Frankreich hat in der Sahelzone derzeit rund 5100 Soldaten stationiert, die dort gegen Islamisten kämpfen. Er bekräftigte zudem seine Unterstützung für den Vorstoß der USA zur Freigabe von Impfstoff-Patenten.

An dem Pariser Gipfeltreffen nahmen hochrangige Vertreter von 43 afrikanischen Staaten und internationalen Partnerländern teil, darunter die USA, China und Japan. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schickte nach Berliner Angaben ein Video-Grußwort, das aber nicht veröffentlicht wurde. Auch Institutionen wie die EU und die Weltbank beteiligten sich.

Dem hoch verschuldeten Sudan hatte Frankreich am Montag auf einer eigenen Konferenz seine gesamten Schulden in Höhe von fünf Milliarden Euro erlassen. Deutschland will seinerseits auf 360 Millionen Euro verzichten und Ausstände des ostafrikanischen Landes beim IWF von bis zu 90 Millionen Euro übernehmen, wie Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) in Paris mitteilte.

lob/noe

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