Macron lehnt Freilassung korsischer Präfekten-Mörder ab

Macron erinnert an den ermordeten Präfekten Erignac

Bei seinem ersten offiziellen Besuch auf Korsika hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Forderung der regierenden Nationalisten nach einer Freilassung bekannter Häftlinge zurückgewiesen. Macron sagte am Dienstag bei einer Gedenkfeier für den vor 20 Jahren ermordeten französischen Präfekten Claude Erignac in Ajaccio, die Republik werde das Urteil gegen die Täter "ohne Amnestie" anwenden.

Macron sagte zu dem Mord an dem Präfekten weiter, Korsika sei "durch dieses Verbrechen beschmutzt worden". Zwei Jahrzehnte nach der Tat vom 6. Februar 1998 gelte es, eine Zukunft für die Insel zu entwerfen, "ohne dem Ansinnen nachzugeben, sie aus dem Schoß der Republik zu lösen". Macron besucht erstmals die Mittelmeerinsel, die seit dem Revolutionsjahr 1789 zu Frankreich gehört.

Die Häftlings-Frage gilt auf Korsika als Politikum: Die Nationalisten fordern unter anderem die Freilassung von Yvan Colonna, der in Südfrankreich wegen des Mordes an Erignac eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Colonna hat die Tat stets bestritten. Er gehört zu rund zehn Gefangenen, die vielen Korsen als politische Häftlinge gelten.

An der Gedenkfeier für den ermordeten Präfekten nahm neben dessen Witwe und französischen Politikern auch der Präsident des korsischen Exekutivrats, Gilles Simeoni, teil. Er war früher Colonnas Anwalt und steht an der Spitze des nationalistischen Bündnisses Pè a Corsica (Für Korsika), das bei der Regionalwahl im Dezember die absolute Mehrheit holte.

Macron wollte am Dienstagabend mit Simeoni und anderen Nationalisten zusammentreffen. Sie streben eine größere Autonomie für die Heimatinsel des früheren französischen Kaisers Napoleon an sowie eine gleichberechtigte Anerkennung der korsischen Sprache.