Ich machte mit meinem Aktien-Portfolio nur Verluste – bis mir mein Vater einen wertvollen Tipp gab

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Der Autor (links) mit seinem Vater.
Der Autor (links) mit seinem Vater.

Seit ich denken kann, interessiert es mich, wie man persönlichen Wohlstand aufbaut und finanzielle Vorsorge für das Alter erreicht. Das habe ich vor allem meiner Mutter zu verdanken. Sie hat mir als Kind nie Geld für Anschaffungen gegeben. Im Alter von zehn Jahren begann ich bereits mit meinem ersten eigenen Geschäft, um mir etwas Geld dazuzuverdienen: In unserem örtlichen Park fing ich an, im Sommer Wasser und Limonaden zu verkaufen. Mit 13 verdiente ich mein Taschengeld damit, Hunde anderer Familien auszuführen. Als ich in die Oberschule kam, hatte ich bereits Kundinnen und Kunden in der gesamten Nachbarschaft.

Bis ich auf das College ging, sparte ich einen großen Teil des Geldes. Als es so weit war, hatte ich eine ordentliche Summe Geld zusammengespart. Am Ende meines zweiten Semesters ermutigte mich mein Vater, etwas von dem gesparten Geld zu investieren. Doch zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht viel über das Investieren. Ich beschloss, zwei Portfolios anzulegen.

Das eine war ein virtuelles Portfolio. Ich nannte es „The Stock of The Month“ (Die Aktie des Monats). Das andere Portfolio war mein persönliches Anlagenkonto bei der US-amerikanischen Ally Bank. Für das Portfolio „The Stock of The Month“ habe ich jeden Monat versucht, eine Reihe Aktien mit hohem Wachstumspotential zu ermitteln. Von diesen habe ich dann eine ausgewählt, um sie zu meinem virtuellen Portfolio hinzuzufügen. Auf der Seite LinkedIn habe ich darauffolgend Einblicke und Begründungen hinter jede dieser Auswahlen gegeben. Am Ende des Jahres habe ich dann die Entwicklung des Portfolios mit der des Aktienindexes S&P verglichen. Dieser Aktienindex umfasst Aktien der 500 größten börsennotierten Unternehmen. Der S&P gehört zu den meistbeachteten Aktienindizes der Welt.

Bei meinem persönlichen Anlagenportfolio verfolgte ich einen ganz anderen Ansatz. Ich hatte so viele Geschichten über Menschen gehört, die durch Swingtrading ihr Vermögen sehr schnell ausbauen konnten. Swingtrading ist jedoch eine hochspekulative Anlagestrategie. Bei dieser wird versucht, die Kursschwankungen so auszunutzen, um Gewinne zu erzielen. Für eine Zeit lang habe ich versucht, das Gleiche zu tun. Wöchentlich bin ich in Trades ein- und wieder ausgestiegen. Ihr könnt euch vorstellen, wie das ausgegangen ist.

Der Investitionstipp, der mein Leben veränderte

Mein persönliches Anlagenkonto hatte in meinem vorletzten und letzten Jahr am College deutlich an Wert verloren. Nur mein virtuelles „The Stock of The Month“-Portfolio nahm mit der Zeit an Wert zu. Nach dem Studienabschluss erzählte ich meinem Vater von den Entwicklungen der beiden Portfolios. Ich erklärte ihm, wie seltsam es war, dass ich mit dem Portfolio, das ich ständig verwaltete und neu anpasste, jedes Jahr aufs neue Geld verlor. Nur das virtuelle Portfolio, welches ich lediglich einmal im Monat kontrollierte und neu aufstockte, entwickelte sich positiv. Meinen Vater schien dies jedoch überhaupt nicht zu überraschen.

Nachdem ich ihm davon erzählt hatte, zeigte er mir sein Anlagenportfolio. Er zeigte mir die Aktien, mit denen er den Großteil seines Geldes verdiente. Zu meiner Überraschung waren es die Aktien, in die er investierte und am wenigsten beachtete, die über die Zeit hinweg am meisten an Wert gewannen. Er berichtete mir, auch er hätte den gleichen Fehler begangen, als er mit dem Trading anfing. Er meinte, er versuchte ständig, den Markt zu timen, stieg in Aktien ein und wieder aus. Dabei verlor er viel mehr Geld, als er verdiente, erzählte er. „Wenn du wirklich Geld mit Aktien verdienen willst, solltest du dir dein Portfolio so selten wie möglich ansehen“, riet er mir.

Einstieg in Bitcoin

Im August 2019 hatte der Aktienkurs der Kryptowährung Bitcoin gerade einen beachtlichen Anstieg von 2873 Euro auf etwa 8210 Euro hinter sich. Bereits vor dem Anstieg des Kurses dachte ich, dass ich in die Bitcoin-Aktie einsteigen wollte. Als der Kurs dann diese positive Entwicklung machte, wusste ich, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Also investierte ich im folgenden Monat in Bitcoin und tat etwas, was ich bis dahin noch nie zuvor getan hatte. Ich schaltete alle Benachrichtigungen meines Aktienkontos aus. Für den Rest des Jahres schaute ich nicht mehr auf die Entwicklung meines Anlagenkontos.

Zu Beginn war ich noch sehr neugierig und wollte am liebsten die Entwicklungen der Anlagen beobachten. Doch ich verzichtete. Nach bereits einem Monat hatte ich fast vergessen, dass ich über Bitcoin-Bestände verfügte. Erst Anfang 2020, als ein Freund und ich über unsere Krypto-Bestände sprachen, beschloss ich, mein Konto anzuschauen. Dabei stellte ich fest, dass ich völlig übersehen hatte, dass der Bitcoin im Dezember auf bis zu 5750 Euro gefallen war. Hätte ich mein Konto täglich oder wöchentlich beobachtet, wäre ich sicherlich in Panik verfallen. Ich hätte versucht, meine Bitcoin-Bestände zu verkaufen und andere Investitionsmöglichkeiten zu suchen. Doch hätte ich das gemacht, hätte ich den riesigen Aufschwung verpasst, den die Kryptowährung fast das gesamte Jahr 2020 über hatte. Glücklicherweise habe ich mein Konto nicht überprüft. Dank des Rats meines Vaters, nicht ständig das Anlagenportfolio zu kontrollieren, hat sich mein Portfolio im Wert verfünffacht.

Ich bin mir sicher, es gibt viele solcher Geschichten. Jede oder jeder hat bestimmt schon einmal eine Aktie gekauft und sie für einen marginalen Gewinn (wenn nicht sogar Verlust) wieder verkauft. Doch hätte man diese Aktien einfach gekauft und gehalten, wäre wahrscheinlich der zehnfache Gewinn dabei herausgekommen. Selbst jetzt, nachdem ich über ein Dutzend Bücher über Finanzplanung und Investitionen gelesen habe, folge ich immer noch dem Rat meines Vaters: Überprüft euer Anlagenportfolio so selten wie möglich. Die größten Gewinne auf dem Markt werden durch sorgfältige Recherche und langfristiges Halten erzielt.

Dieser Artikel wurde Marcus Cook verfasst und von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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