Punktsieger Vettel sorgt bei Hamilton für Sorgenfalten

Michael Prieler
Sebastian Vettel geht trotz Platz 2 hinter Lewis Hamilton als Punktsieger von Spa hervor

Lewis Hamiltons Jubel nach seinem Start-Ziel-Sieg beim Großen Preis von Belgien fiel vergleichsweise gedämpft aus.

Während zum Beispiel der Drittplatzierte Daniel Ricciardo über beide Ohren strahlte, wirkte der Brite vor der Siegerehrung eher in sich gekehrt, ballte lediglich im Stillen die Faust.

Sein zurückhaltendes Verhalten könnte ein Zeichen dafür sein, dass Hamilton schnell seine Schlüsse aus dem Rennen in Spa gezogen hatte: Sebastian Vettel darf sich durchaus als Punktsieger im Titelrennen fühlen.


Hamilton schlägt Alarm

Denn den Sieg auf der Ardennen-Strecke hatte Mercedes im Grunde schon im Vorhinein eingeplant. Mit 44 Runden Nervenkitzel, für den Vettel in Hamiltons Nacken über die gesamte Distanz sorgte, hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff dabei aber eher nicht gerechnet.

"Ferrari hat einen großen Sprung gemacht, das muss man ihnen lassen", zollte der Österreicher der Scuderia Respekt, die nach der vernichtenden Niederlage in Silverstone wiedererstarkt aus der Sommerpause zurückgekehrt ist.

Auch bei Hamilton schrillen die Alarmglocken. "Von uns muss mehr kommen. Wir brauchen mehr Magie. Wir brauchen mehr Konstanz", forderte der dreimalige Weltmeister unverblümt.

Ferrari-Heimspiel wartet

Für das Rennen in Monza am kommenden Wochenende (ab Freitag im LIVETICKER), wo weniger die brachiale Endgeschwindigkeit als eine perfekte Fahrlage den Ausschlag gibt, sehen deshalb viele Experten schon wieder den Deutschen im Vorteil - zumal es das emotionale Ferrari-Heimspiel ist. Auch der britische Telegraph sieht Ferrari in den verbleibenden Rennen in der Pole Position.

Vettel selbst war nach dem zweiten Platz in Spa hin und her gerissen zwischen Enttäuschung und Zuversicht. "Wenn man Silverstone mit hier vergleicht, ist das wie Tag und Nacht. Aber am Ende war es eine verpasste Chance. Mit einer optimalen Strategie in der ersten Kurve hätte es vielleicht geklappt", urteilte der Heppenheimer.

Dass selbst auf ausgesprochenen Power-Strecken ein Erfolg der Silberpfeile nicht mehr selbstverständlich ist, nagt nach Jahren der Dominanz an Mercedes und seinem Top-Fahrer.


Dass Hamiltons Nervenkostüm angespannt ist, erkannte man auch an seiner wütenden Reaktion, als das Safety Car nach dem folgenschweren Crash der Force-India-Piloten Sergio Perez und Esteban Ocon auf die Strecke geschickt wurde.

"Warum ist das Safety Car überhaupt draußen? Ich sehe nichts auf der Strecke", schimpfte der Brite via Boxenfunk. Der Engländer musste noch einmal gehörig um den Sieg zittern, den er - wie er selbst sagte - nur dank Startplatz eins nach dem Qualifying errang und nicht dank der Pace seines Mercedes im Rennen.

"Ich konnte mich nie wirklich absetzen. Ferrari hatte das ganze Wochenende die bessere Rennpace", sagte Hamilton, der in Spa allerdings mehr denn je seine Racer-Qualitäten unter Beweis stellte und Vettel nach dem Re-Start vor der Start-Ziel-Geraden die entscheidende Falle stellte.


Nervenkitzel-Finale

Die Formel 1 steuert bei noch acht ausstehenden Rennen auf ein Nervenkitzel-Finale mit zwei ebenbürtigen Kontrahenten in nahezu gleichwertigen Boliden zu. "Das Rennen in Spa bezeugt, dass es nur einen minimalen Unterschied in diesem technologischen Wettbewerb auf höchstem Niveau zwischen Hamilton und Vettel gibt", bilanzierte die Corriere dello Sport.

Klar ist: Nach der schmerzhaften Niederlage im Prestige-Duell gegen Rosberg im Vorjahr möchte Hamilton eine weitere Saison ohne Titel unbedingt vermeiden und sich die vierte WM-Krone sichern.

Damit würde er mit Formel-1-Legende Alain Prost und eben Sebastian Vettel gleichziehen. Doch der deutsche Ferrari-Pilot schickt sich nach der zähen Verfolgungsjagd in Spa an, zu Hamiltons großem Albtraum zu werden.