Reals Plan mit Alaba - und wie Ancelotti ihn beeinflusst

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Reals Plan mit Alaba - und wie Ancelotti ihn beeinflusst
Reals Plan mit Alaba - und wie Ancelotti ihn beeinflusst

Am frühen Freitagabend meldete Real Madrid Vollzug: David Alaba wird in der kommenden Saison für die Königlichen auflaufen. Der Österreicher unterschrieb beim spanischen Vizemeister einen Vertrag über fünf Jahre und soll ein Grundgehalt von 12,5 Millionen Euro sowie ein üppiges Handgeld für die Unterzeichnung des Kontrakts erhalten.

"Die Geschichte dieses Klubs ist unglaublich. Ich will sie gemeinsam mit meinen neuen Teamkollegen und den Fans erfolgreich weiterführen", zeigte sich Alaba im Interview mit SPORT1 emotional: "Jeder junge Fußballer träumt im Leben davon, für Real Madrid auflaufen zu dürfen. Für mich geht mit diesem Wechsel ein Traum in Erfüllung."

Aber wie passt der 28-Jährige in dieses mit Superstars gespickte Team?

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Alaba erwartet starke Konkurrenz

Beim FC Bayern kam Alaba hauptsächlich in der Innenverteidigung zum Einsatz, gelegentlich auch im defensiven Mittelfeld. Bei Real Madrid hätte er im Mittelfeld-Zentrum enorm starke Konkurrenz. Toni Kroos, Casemiro und Luka Modric haben in der abgelaufenen Saison allesamt an die 30 Ligaspiele gemacht und gelten als nahezu unverzichtbar in der königlichen Schaltzentrale.

Deutlich wahrscheinlicher ist, dass Alaba in der Abwehrmitte gesetzt sein wird. Klassisch spielt Real Madrid im 4-3-3 System, also mit zwei Innenverteidigern. Laut der spanischen Sportzeitung Marca plant Real für die neue Saison mit vier Innenverteidigern im Kader.

Zwei davon sollen Eder Militao und Nacho Fernandez sein, die offenbar als Backup für die Stamm-Innenverteidigung eingeplant sind. Demnach würden sich aktuell die drei restlichen Innenverteidiger um zwei Plätze streiten: David Alaba, Raphael Varane und Sergio Ramos.

Ob Alabas Konkurrenten zu Saisonstart beide noch bei den Königlichen verweilen werden? Fraglich. Egal wer mit Alaba konkurrieren wird, der Österreicher ist heiß auf die internen Duelle. "Das ist genau die neue Herausforderung, die ich gesucht habe, um mich sportlich und menschlich nach den grandiosen Jahren beim FC Bayern nochmals weiterzuentwickeln. Deshalb habe ich mich für Real Madrid entschieden", sagte er bei SPORT1.

Profitiert Alaba von Ramos' Pechsträhne?

Der Vertrag von Sergio Ramos läuft im Sommer aus, bisher konnten sich beide Parteien noch nicht auf eine Verlängerung einigen. Der langjährige Kapitän möchte offenbar für zwei Jahre unterschreiben, der Verein will den 35-Jährigen dagegen zu geringeren Konditionen für nur ein Jahr binden.

Ohnehin scheint es so, als habe der Weltmeister von 2010 aktuell Pech am Fuß. Der Spielführer der spanischen Nationalmannschaft wurde über die gesamte Saison vom Verletzungspech verfolgt, lediglich 15 Ligapartien absolvierte Ramos in der vergangenen Spielzeit.

Trauriger Höhepunkt: Der Rekordnationalspieler verpasst aufgrund eines Sehnenrisses im linken Bein die kommende Europameisterschaft.

Die Pechsträhne von Ramos könnte gleichzeitig ein Segen für Alaba sein. Ramos ist bei Real Madrid nach wie vor ein Großverdiener, rund zehn Millionen Euro netto soll er kassieren.

Real Madrid mit finanziellen Sorgen

Aus finanzieller Sicht ist es daher mehr als fraglich, ob Madrid weiterhin einen Spieler beschäftigt, der einer der Top-Verdiener im Team ist und in der vergangenen Saison nur sehr unregelmäßig zum Einsatz kam.

Aufgrund der Corona-Pandemie haben die Königlichen ohnehin schon geringere Einnahmen und somit finanzielle Sorgen, hinzu kommt ein von der UEFA eingeleitetes Disziplinarverfahren aufgrund der Super-League-Pläne, das eine saftige Geldstrafe nach sich ziehen könnte.

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Außerdem hat Real mit dem französischen Nationalspieler Varane einen absoluten Top-Spieler in der Hinterhand. Der 28-Jährige war in der abgelaufenen Saison gesetzt und hatte wesentlichen Anteil daran, dass Madrid mit nur 30 Gegentoren die zweitwenigsten in La Liga kassiert hat.

Eine kongeniale Innenverteidigung mit Alaba und Varane erscheint plausibel.

Die Karten werden unter Ancelotti neu gemischt

Doch Varane, dessen Vertrag im nächsten Jahr ausläuft, liebäugelt offenbar mit einem Wechsel ins Ausland. Medienberichten zufolge soll unter anderen Manchester United Interesse an dem 1,91m-Schlaks haben.

Dennoch werden durch den Abschied von Zinédine Zidane die Karten bei Real Madrid ohnehin noch einmal neu gemischt. Carlo Ancelotti, der das Traineramt bei Real Madrid übernimmt, war bereits von 2013 bis 2015 Coach der Königlichen und gilt als großer Fan von Ramos. "Seine Persönlichkeit und sein Charakter sind unglaublich wichtig für das Team", sagte Ancelotti einst über den Real-Kapitän.

Auch für Alaba ist Ancelotti kein Unbekannter. Von Juli 2016 bis September 2017 war Ancelotti Trainer des FC Bayern und trainierte in dieser Zeit den Österreicher. Unter dem neuen Real-Coach kam Alaba hauptsächlich links in der Viererkette zum Einsatz. Gut möglich, dass Alaba in nächster Zeit wieder vermehrt auf dieser Position zum Einsatz kommt.

Eins ist aber sicher: Der Österreicher, der einen Marktwert von 55 Millionen Euro hat, sieht sich selbst nicht als Mann der zweiten Garde - und hat bei Bayern immer einen Platz im Team gefunden. Letztlich ist die Flexibilität seine größte Stärke.