Macher Kahn tritt bei Bayern aus dem Schatten

Martin Hoffmann
·Lesedauer: 4 Min.
Macher Kahn tritt bei Bayern aus dem Schatten
Macher Kahn tritt bei Bayern aus dem Schatten

Ein eskalierter interner Krach, an dessen Ende sich einer der erfolgreichsten Trainer der Klubgeschichte zum Abgang entschließt. Viel Unruhe, viele offene Fragen, viel Häme von außen über die Rückkehr des "FC Hollywood".

Der FC Bayern München hat schon ruhigere Monate erlebt als diesen langsam ausklingenden April 2021.

Am Ende aber steht nun eine für beide Seiten gesichtswahrende Trennung von Hansi Flick und eine schnelle, spektakuläre und geräuscharme Verpflichtung des hoch gehandelten Trainer-Jungstars Julian Nagelsmann von RB Leipzig.

Der Rekordmeister hat sich erstaunlich heil aus einer vertrackten Lage herausmanövriert. Und gerade auch Oliver Kahn, der kommende starke Mann im Klub, ist dabei aus dem Schatten getreten, hat sich profiliert - und ist bei seiner ersten großen Richtungsentscheidung den Ansprüchen gerecht geworden, die er bei seiner Ankunft an sich selbst gestellt hat.

Oliver Kahn wird seinem Credo gerecht

Kahn, der Karl-Heinz Rummenigge Anfang 2022 als Vorstandschef ablösen wird, hat sich schon bei seiner Antritts-PK Anfang 2020 als nüchterner Macher präsentiert, der sein heißes Temperament aus Torhüter-Tagen abgekühlt hat ("Im Unternehmerischen ist Emotionalität nicht unbedingt die beste Idee").

Und er betonte auch damals schon seinen Wunsch, dass der Klub nach außen Ruhe ausstrahlt und seine Konflikte abseits der Öffentlichkeit löst ("Wenn die Diskussion intern bleibt, wäre das nicht schlecht").

Beim Zoff zwischen Flick und Salihamidzic hat das zwar bekanntermaßen nicht ganz geklappt, aber die Bayern haben das heikle Thema auch dank Kahn nun doch recht schnell hinter sich gelassen - und sich für die Zukunft vielversprechend neu aufgestellt.

Zünglein an der Waage beim Konflikt Flick - Salihamidzic

Der 51 Jahre alte Kahn versuchte noch, zwischen Flick und Salihamidzic zu schlichten, war letztlich aber auch ein Zünglein an der Waage bei Flicks Entscheidung.

Im entscheidenden Gespräch mit den Sextuple-Coach trat Kahn eher sachlich-reserviert auf, Flick war enttäuscht, dass sich nur Rummenigge vehement für ihn einsetzte (SPORT1 berichtete). Das trug dazu bei, dass der Trainer sich auf verlorenem Posten sah und um die Vertragsauflösung bat.

Eine letztlich womöglich unvermeidbare Entwicklung, außer wenn Kahn sich gegen Salihamidzic gestellt hätte. Stattdessen aber unterstrich Kahn nicht zum ersten Mal, dass er mit dem Bosnier zusammen am FC Bayern der Zukunft arbeiten will - und nicht gegen ihn.

Kahn soll entscheidende Gespräche mit RB Leipzig geführt haben

Bei der Personalie Nagelsmann hat das schon einmal gut geklappt: Wie die Sport Bild am Mittwoch berichtete, hat Salihamidzic den Kontakt zum Nagelsmann-Lager gepflegt und Kahn letztlich die entscheidenden Gespräche mit der RB-Führung um Geschäftsführer Oliver Mintzlaff geführt.

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Zu bedenken ist, dass die Konstellation günstiger war als bei vergangenen Deals: Nagelsmann wollte unbedingt nach München und die Leipziger kämpften letztlich nur um eine angemessene Entschädigung - auch weil sie mit dem ehrgeizigen Jesse Marsch eine überzeugende Alternative in der Hinterhand hatten.

Dennoch: Wie schnell und glatt die Gespräche zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kamen, hat viele Bayern-Fans dennoch spürbar beeindruckt und das Vertrauen in Kahn Kompetenz gestärkt.

Bender traut Kahn das Rummenigge-Erbe zu

"Ich kenne ihn und er ist ein absoluter Business-Mensch, richtig clever", sagte auch Kahns ehemaliger Mitspieler Manfred "Manni" Bender bei SPORT1: "Ihm traue ich es am ehesten zu, dass er dieses Erbe von Kalle Rummenigge weiterführen wird im Sinne des FC Bayern. Da bin ich schon sehr zuversichtlich."

Beim Thema Nagelsmann habe sich Kahn jetzt aber auch positionieren müssen, meint der frühere Bayern-Profi (1989-1992): "Irgendwann müssen sie ja einmal anfangen, wenn Kalle bald aufhört, dann müssen sie mit Olli ein bisschen rochieren."

Auch jener scheidende Rummenigge, Präsident Herbert Hainer und dessen immer noch wirkmächtiger Vorgänger Uli Hoeneß (als Freund und Förderer von Salihamidzic bekannt) sind erwartungsgemäß hochzufrieden mit dem Lauf der Dinge.

Nagelsmann-Deal überstrahlt Flicks Weggang

Der gelungene Deal mit Nagelsmann überstrahlt Kahns durchaus schmerzhafte Entscheidung, den Weggang von Erfolgscoach Flick als kleineres Übel in Kauf zu nehmen.

Wenn Kahn nun am 1.1.2022 auch offiziell die Führungsrolle beim Rekordmeister übernimmt, kann er sich schon zugutehalten, dass er einen gefährlichen inneren Konflikt gelöst hat - und das wohl größte Trainer-Talent des Landes für fünf Jahre an seinen Klub gebunden hat.

Nicht der schlechteste Start in eine neue Bayern-Ära.