Maas nennt Entscheidung zu Yücel "großartige und überfällige Nachricht"

Die Bundesregierung wird sich nach den Worten von Justizminister Heiko Maas (SPD) nach der angekündigten Freilassung Deniz Yücels mit Nachdruck für die weiteren Inhaftierten einsetzen. "Wir werden weiter alles dafür tun, dass alle in der Türkei zu Unrecht inhaftierten Deutschen so schnell wie möglich freigelassen werden", erklärte Maas am Freitag in Berlin. Die Entscheidung zur Freilassung Yücels nannte er eine "großartige und überfällige Nachricht".

Die Bundesregierung hatte zuvor bestätigt, dass ein türkisches Gericht die Freilassung des seit mehr als einem Jahr inhaftierten Yücel angeordnet habe. Der "Welt"-Korrespondent befand sich seiner Zeitung zufolge am Freitag aber zunächst noch auf dem Gefängnisgelände. Nach Angaben eines Außenamtssprechers sind aktuell noch fünf deutsche Staatsbürger wegen politischer Vorwürfe in der Türkei inhaftiert.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock erklärte: "Jetzt muss der Kampf weitergehen - für die Freiheit all jener, die zu Unrecht im Gefängnis sitzen." Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch forderte die Bundesregierung auf, "keine schmutzigen Deals mit dem Regime in Ankara einzugehen".

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff erklärte, die Menschenrechtslage in der Türkei habe sich "durch die Entlassung Yücels nicht fundamental verändert". Das Land müsse "dringend zu den rechtlichen Standards zurückkehren, zu denen sie sich als Europarats- und OSZE-Mitglied selbst verpflichtet hat".

SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich sagte der Zeitung "Welt": "Weder die Vorwürfe noch die Haftbedingungen waren nachvollziehbar und vertretbar." Der Fall habe "den deutsch-türkischen Beziehungen schwer geschadet", fügte der SPD-Außenexperte hinzu. "Es kann daher jetzt keinen Übergang zur normalen Geschäftstätigkeit geben."

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) verwies darauf, dass noch etwa 150 weitere Journalisten in der Türkei im Gefängnis säßen. "Die Vorwürfe gegen die Kollegen sind genauso abstrus, wie sie gegen Deniz Yücel waren", erklärte der DJV-Vorsitzende Frank Überall. "Auch sie müssen freigelassen werden." Die Forderung der Istanbuler Staatsanwaltschaft nach 18 Jahren Haft für den deutschen Journalisten sei "absurd".